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Österreich in 30 Jahren: Die Sommermonate werden ein ständiger Wechsel von Trocken- und Unwetterphasen sein. Hochwasser und Dürre werden zum großen Problem für die Landwirtschaft © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER
Klimabericht
21.09.2014

"Wachau wird zu warm für Weißwein"

Expertin Kromp-Kolb über den kühlen Sommer und die Folgen der Erderwärmung auf Österreich.

Es war der kühlste Sommer seit neun Jahren. Allein in Graz, Innsbruck und Salzburg gab es gleich 20 Prozent weniger Sommertage als in einem durchschnittlichen Sommer. Der erste Klimabericht Österreich, der am Mittwoch präsentiert wurde, spricht jedoch eine andere Sprache. Auf 1000 Seiten haben 240 Wissenschaftler dokumentiert, dass der Alpenraum in Österreich besonders stark vom Klimawandel betroffen ist. Im globalen Vergleich sind die Temperaturen seit 1880 hier gleich um zwei Grad gestiegen. International hingegen nur um 0,8 Grad. Die Gründe dafür erklärt die Herausgeberin des Klimaberichts, Helga Kromp-Kolb, im KURIER-Interview.

KURIER: Frau Kromp-Kolb, wie kann es sein, dass es laut Klimabericht in Österreich immer wärmer wird und trotzdem der Sommer verregnet war wie schon lange nicht mehr?

Wolfgang Kromp, Helga Kromp Kolb , Interview © Bild: KURIER/Gerhard Deutsch
Helga Kromp-Kolb:Das ist der Unterschied zwischen Wetter und Klima. Das Wetter ist in unseren Breiten geprägt von starken täglichen Schwankungen. Im Vergleich dazu ist in äquatorialen Breiten jeder Tag gleich wie jeder andere. Wenn man vom Klima spricht, dann versteht darunter die gesamten Entwicklung über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren.

Was sind die Gründe, dass Österreich von der globalen Erwärmung stärker betroffen ist?

Es ist so, dass wir alle Emissionen in den selben Topf – nämlich die Atmosphäre – einzahlen. Wir spüren natürlich die Sünden der ganzen Welt. Die lokalen Auswirkungen hängen aber mit der regionalen Topografie zusammen. Wir sind keine Insel im Meer. Das hätte einen Vorteil, weil das Meer die Erwärmung dämpft. Am Kontinent schreitet die Erwärmung viel schneller voran. Dazu kommt, dass die Schneedecken weniger werden. Die dunkle Oberfläche absorbiert mehr Sonnenstrahlung als eine schneebedeckte Fläche. Das ist ein selbstverstärkender Prozess. Das ist nicht nur im Gebirge so, sondern auch in der Arktis. Sie hat am Ende des Sommers nur die Hälfte des Eises im Vergleich zu früher.

Welchen Zeitraum meinen Sie genau mit "früher"?

Früher heißt bis zum Jahr 2006. Danach ist das Eis der Arktis abrupt abgeschmolzen. Das heißt, durch das Abschmelzen ist jetzt eine größere Fläche dunkler Ozean. Das hat zur Folge, dass die Arktis sich noch schneller erwärmt.

Wie wird der Klimawandel Österreich in 30 Jahren verändern?

APA13035638-2 - 03062013 - MELK - ÖSTERREICH: ZU APA 0042 CI - Ein Blick auf überschwemmte Häuser an der Donau in der Wachau am Montag, 3. Juni 2013. Nach den heftigen Regenfällen kommt es nun auch entlang der Donau in Ostösterreich zu Überflutungen. APA-FOTO: ROLAND SCHLAGER © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER
Es ist so, dass die nächsten 30 Jahre von den letzten 30 Jahren vorbestimmt sind. Die Treibhausgase halten sich unheimlich lange in der Atmosphäre. Wir kämpfen jetzt mit den Treibhausgasen, die Ende des Zweiten Weltkrieges in die Atmosphäre gepumpt worden sind. Bis zur Mitte des Jahrhunderts ist deshalb mit einer weiteren Erwärmung von 1,4 Grad zu rechnen. Der nächste Schub beim Niederschlag wird erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts kommen. Im Sommer wird es zwar insgesamt weniger Niederschlag geben, aber dafür kommt er in Form von Unwettern. Wir werden einen Wechsel von Trocken-, Gewitter-, Trocken-, Gewitter-Phasen haben. Das ist keine hoffnungsvolle Aussicht für die Vegetation, für die Landwirtschaft und auch nicht für die Wassersituation in Österreich. Einmal werden wir zu viel und dann wieder zu wenig Wasser haben.

Droht auch ein Trinkwasserproblem?

Bei ungeschickter Handhabung des Wasserproblems kann das natürlich passieren. Wir haben jetzt schon phasenweise in der Steiermark Trinkwasserprobleme.

Wenn es wärmer wird, wird dann auch die Weinanbaufläche in Österreich größer?

Das wird durchaus passieren. Eine Region wie die Wachau wird für den Weißwein zu warm werden. In Regionen, wo jetzt schon Rotwein produziert wird, werden die Winzer in die obere Skala der Rebsorten gehen müssen.

Würden Sie jetzt noch einem Unternehmer empfehlen, ein Hotel in einer Skiregion zu bauen?

80 Prozent der Gletscher werden bis Ende des Jahrhunderts weg sein – aber nur dann, wenn wir jetzt Maßnahmen gegen die Erwärmung einleiten. Passiert das nicht, sind bis zum Ende Jahrhunderts alle Gletscher in Österreich verschwunden.

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