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© Bild: Bernert Martin
Tulln
05.12.2011

Kritik am "Wunderwuzzi"-Modell

Das Land steuert 400.000 Euro zur "Syntegration" in Tulln bei.

Die klamme Gemeindekasse zwingt die Tullner Stadtpolitik zu unkonventionellen Lösungen, um die Finanzierung der kommenden Jahre sicherzustellen. Mit den Stimmen der Mehrheitspartei ÖVP sowie der Liste TOP wurde daher beschlossen, das vom Schweizer Unternehmensberater Fredmund Malik entwickelte Modell "Syntegration" anzuwenden. Dabei sollen Politiker, Experten und interessierte Bürger in gesteuerten gruppendynamischen Prozessen gemeinsam Einsparungsvorschläge erarbeiten (siehe Zusatzbericht).

© Bild: Bernert Martin

Billig ist Syntegration freilich nicht: Eine halbe Millionen Euro kostet das Projekt. Da Tulln die erste NÖ-Gemeinde ist, die Syntegration in der Praxis versucht, steuert das Land den Löwenanteil von 400.000 Euro bei.

Das Modell hat nicht nur Fans. Neben den Tullner Oppositionsparteien - SPÖ, Grüne und FPÖ stimmten im Gemeinderat dagegen - wird nun auch bei den Bürgermeistern zweier ebenfalls mit Budgetproblemen konfrontierter NÖ-Städte Kritik laut. Stefan Schmuckenschlager, ÖVP-Bürgermeister von Klosterneuburg kann Syntegration ebenso wenig abgewinnen wie der Purkersdorfer SPÖ-Stadtvater Karl Schlögl. Beide kritisieren sowohl Inhalt als auch Kosten des Projekts.

Schmuckenschlager hat einen Vortrag von Fredmund Malik gehört und dabei kaum neue Erkenntnisse gewonnen: "Inhaltlich ist mit oder ohne Herrn Malik klar, wo Spielraum für Einsparungen besteht; der Vorteil ist lediglich die Mitarbeit von Vielen bei schmerzhaften Einschnitten - doch das sollten die gewählten Politiker auch selbst regeln können", sagt Schmuckenschlager.

Schlögl glaubt nicht an einen "Wunderwuzzi, der für Hunderttausende Euro Lösungen aus dem Hut zaubern kann". Budgetprobleme würden sich in jeder Kommune anders darstellen, deshalb "sollte jede Gemeinde ihre Aufgaben selbst lösen", meint Schlögl.

Beide Politiker finden keinen Gefallen an der 400.000-Euro-Beteiligung des Landes zur Tullner Budget-Sanierung: "Ich bin sehr gespannt, wie die Ergebnisse auf andere Gemeinden angewendet werden können", sagt Schmuckenschlager. Schlögl findet, "das Geld des Landes wäre in Purkersdorf besser investiert". Nachsatz: "Obwohl wir eh viel vom Land bekommen."