Probleme mit den Rückkehrern
Viele Tierarten kommen wieder ins Burgenland. Nicht nur zu Freude der Menschen.
Fischotter und Biber verschwanden schon vor Jahrzehnten aus den Flüssen und Bächen des Burgenlandes. In den vergangenen Jahren, haben sie sich aber wieder angesiedelt und mit ihnen sind alte Probleme aufgetaucht.
Teichbesitzer fürchten sich um ihre Fische, die der Fischotter herausholt. Ganze Fischereipachtrevierere sind für die Angler unattraktiv, weil neu ausgesetzte Fische sofort in den Mägen der Wassermarder landen. So mancher Fischer fordert gar den Abschuss der gefräßigen Fischräuber, trotz ganzjähriger Schonung der Tiere laut burgenländischem Landesjagdgesetz.
Bestand wächst
Der Bestand an Fischottern wird im Burgenland auf 120 bis 150 Tiere ohne Jungtiere geschätzt, aufgrund des Lebensraumangebotes und Erfahrungen in anderen Ländern, stellt Fischotterombudsmann Andreas Kranz, diese Schätzung auf. Er wurde von der Landesregierung eingesetzt, um sich den Problemen von Teichbesitzern und Fischern anzunehmen. Er wird kontaktiert, wenn sich Otter bei Teichen ansiedeln oder andere Probleme mit dem unter Naturschutz stehenden Marder auftreten. "Es kommen stetig Anfragen", sagt Ombudsmann Andreas Kranz. Im Sommer sind es weniger, aber wenn Teiche abgefischt werden oder wenn im Winter Otterspuren gesichtet werden, gibt es mehr Anfragen. Er ist auch für die Förderabwicklung für Teichbesitzer zuständig und besichtigt Anlagen, um die richtigen Schutzmaßnahmen mit den Besitzern zu besprechen.
Insgesamt stellte das Land 25.000 Euro für Elektrozäune oder andere bauliche Maßnahmen zur Verfügung. Bisher ist die Förderung laut Anton Koo, Referatsleiter des Landes in Sachen Natur und Landschaftsschutz, noch nicht ausgeschöpft. Derzeit bereitet man auch ein Naturteichförderprogramm vor. Vor allem für jene Teiche, die zu groß für eine Einzäunung sind, sollen die Schäden am Fischbestand abgefedert werden.
Es werde einen finanziellen Anreiz geben, die Teiche naturnah zu gestalten, mit Flachwasser- und Vegetationszonen, "damit Flora und Fauna leben können", sagt Koo. Für den Schaden den der Otter beim Besatz der Fische anrichtet, wird es eine Zahlung für die Nachbesetzung der Fische geben. "Es ist eine Win-Win Situation für alle Beteiligten", sagt Koo.
Monitoring
An der Lafnitz arbeitet das Land gerade mit dem Naturschutzbund an einem Monitoring Projekt für Fischotter. "Wir wollen die Auswirkungen des Fischotters auf das Flussökosystem untersuchen", sagt Koo. Denn die Fischbestände in dem Grenzfluss seien dramatisch zurückgegangen. Ob das mit dem wieder erstarkten Fischotter in dem Gebiet zu tun hat, ist Teil dieses Monitoring-Projekts. Um das zu überprüfen, sollen einige Fischotter aus dem Fluss entnommen werden. "Dann können wir sehen, ob sich die Fischbestände erholen, oder ob auch andere Faktoren zum Schwund beitragen", sagt Koo.
Die gefangenen Fischotter werden nicht getötet, sondern umgesiedelt. Es gibt laut Koo schon eine Anfrage von Naturschützern aus den Niederlanden, die einige Tier dort wieder ansiedeln wollen. Derzeit stehe das Projekt noch am Anfang. Da die Lafnitz an die Steiermark grenzt müsse es erst mit den Nachbarn koordiniert werden.
"Bibertelefon" eingerichtet
Beim Biber sind es die Waldbesitzer, die um ihre Bäume fürchten. Außerdem werden Flüsse durch die Nager aufgestaut und Hochwasserschutzwälle untergraben. Waren die Nagetiere noch in den neunziger Jahren fast verschwunden, so sind sie jetzt wieder am Vormarsch rund um burgenländische Gewässer.
Um Konflikten mit den Tieren vorzubeugen, wurde ein Bibertelefon ( 0664/88586495) eingerichtet. "Wir sind noch in der Aufbauphase", sagt Bibermanager Clemens Trixner im KURIER-Gespräch. Wie hoch der Bestand im Burgenland ist, ist unklar, "wir sind über jede Meldung dankbar", sagt Trixner. Über den Sommer sei weniger los, es hätte bisher noch nicht viele Konflikte gegeben. Wie berichtet, wurde in Niederösterreich ein Spaziergänger von einem Biber attackiert und gebissen wurde. "Bei diesen Fällen war immer ein Hund dabei. Der Biber ist ein territoriales Tier und jetzt werden die Jungen beschützt", sagt Trixner. Man sollte genügend Abstand zu den Bibern halten und Hunde an die Leine nehmen.
Im Burgenland hat es auch schon Fangaktionen des unter Naturschutz stehenden Tieres gegeben. "Die Fangsaison startet ab 1. September", sagt Trixner. Ob Tiere gefangen werden müssen, sei noch nicht klar. Bisher habe man vor allem präventiv gearbeitet. "Vor Kurzem besichtigte ich einen Wald direkt neben einem Fluss", sagt der Bibermanager. Im Winter fiel ein Biber über die Bäume her, um an die Rinde zu kommen. Für den Besitzer gab es Tipps, um die Bäume zu schützen.
Bei Problemen wird immer das gelindeste Mittel gewählt. Mit einer Ausnahmegenehmigung der Behörde, wird auch der Abfang der Biber genehmigt. "Dass ist aber der letzte Ausweg", sagt Trixner, denn das Revier wird schnell neu besetzt.
Fotofallen
"Grundsätzlich sind Großraubtiere im Burgenland nicht auszuschließen", erklärt Andreas Duscher, Leiter der Landesgeschäftsstelle des Jagdverbandes. Wolf, Luchs und Goldschakal können im Burgenland durchaus vorkommen, sind teilweise schon da oder ziehen zumindest durch. "Gesicherte Nachweise für den Goldschakal gibt es nicht, er ist sehr schwer anzusprechen, wegen der Ähnlichkeit mit dem Fuchs", sagt Duscher.
Einige Fotofallenbilder im Mittel- und Nordburgenland gibt es von dem Räuber, der über Ungarn ins Land kommt. Er könnte allerdings auch ein Wiedereinwanderer sein: Denn die so genannten "Rohrwölfe", die bis 1920 im Seewinkel lebten, könnten Goldschakale gewesen sein. "Einen genetischen Nachweis gibt es bis jetzt noch nicht", sagt Duscher.
"In Ungarn weiß man, dass der Goldschakal großen Einfluss aufs Wild hat", sagt Duscher. Im Nachbarland ist er fast überall heimisch.
Der Schakal ist ein Mittelding zwischen Fuchs und Wolf – auch in der Art der Jagd. "Er kann effektiv im Rudel jagen und so auch Rehe erbeuten", sagt der Wildbiologe. Die Vermutung, dass der Goldschakal bei Bodenbrütern massiv eingreifen kann, liege ebenfalls nahe, da er zusätzlich zu Fuchs, Dachs und Marder Beute macht. Auch die streng geschützten Großtrappen, die schwersten flugfähigen Vögel, im Seewinkel könnten zur Beute für Schakale werden.
Großes Gebiet
Die anderen Raubtiere wie Wolf und Luchs würden nur kurzfristig Unruhe für Reh und Rotwild bringen. "Die Zahl ist im Moment noch so gering und die Tiere haben ein so großes Streifgebiet, dass es kein Problem werden wird", sagt Duscher.