freizeit.at kurier.at events.at motor.at futurezone.at film.at k.at kurier.tv profil.at lust-auf-oesterreich.at phase6 Lernhaus BAZAR IMMMO Partnersuche Spiele
© Bild: APA / Herbert Neubauer
Buzz
06.09.2012

DGC: Der Sieg der stillen Nicht-Favoritin

Christine Hödl überzeugte das Publikum mit ihrer Stimme und gewann die ORF-Show "Die große Chance".

Ein merkwürdiger Moment. Die Person, um die sich alles dreht, die Frau der Stunde, die Siegerin! steht stocksteif und mit ernster Miene auf der Bühne. Eine knapp gekleidete Moderatorin, die sie ständig "Süße" nennt, scharwenzelt langbeinig um sie herum. Irgendwer drückt ihr einen Geldkoffer in die Hand. Freust du dich? Freust du dich? Aber Christine Hödl schreit, lacht und springt nicht. Ihre Freude geht anders. Wortlos steht sie auf der Bühne, die Hände fast trotzig in die Hosentaschen geschoben, Tränen in den Augen. Ein echter - ein wahrscheinlich zurückhaltender und nachdenklicher - Mensch zeigt ein echtes Gefühl. Das gibt es im Fernsehen nicht oft.

Fast unbemerkt sang und spielte sich Hödl aufs Siegerpodest der "Großen Chance". Favorisiert wurden die anderen. Die schrille Travestiekünstlerin Conchita Wurst, die lieben Mädchen von den Magic Acrobatics, der geschickte Diabolo-Künstler Valerian Kapeller. Vielleicht sogar der Kärntner Sänger Werner Otti, für den am Freitag noch die FPÖ Stimmung machte.

Und dann steht auf einmal diese kleine, eigenwillige Frau mit der intensiven Stimme im Konfettiregen. Die üblichen Reporterfragen - "Wie geht es Ihnen jetzt?" - wehrte sie unmittelbar nach der Show ab. Sie habe keine Gefühle, nur ein ganz großes Blackout. Und was sie mit dem Preisgeld von 100.000 Euro vorhabe, wisse sie auch noch nicht.

Beim Interview tags darauf klingt Hödl fröhlich. Auch wenn die Nacht kurz war und die Begehrlichkeiten viele. "Ich habe meine kleine Nische noch nicht gefunden, in der ich mich verstecken und durchatmen kann." Seit 15 Jahren arbeitet die 35-Jährige als Kindergartenpädagogin in Wien. Die Musik lief eher nebenher. Hödl trat in Lokalen auf, spielte zwei- bis vierstündige Beisl-Gigs für fast kein Geld. Obwohl es darum sowieso nie ging, versichert sie, sondern um den Spaß an der Freude.

Wie die alte Existenz jetzt mit 100.000 Euro und dem Status als Showstar zusammengeführt werden soll, hat sie sich noch nicht so genau überlegt. Das muss erst mit der Familie besprochen werden. "Konkrete Vorstellungen wie ein Luxusauto gibt`s prinzipiell nicht." Die Familie, das sind Partnerin Jaqueline und Tochter Luzia. Dass ihre privaten Verhältnisse in Zusammenhang mit der Show thematisiert wurden, sieht Hödl zwiespältig. "Der Vorteil ist, dass ich eine positive Vorreiterrolle spielen kann. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich in eine Schublade gesteckt werden will. Ich bin ja nicht mit meiner Familiengeschichte auf die Bühne gegangen."

Für den ORF ist Christine Hödl jedenfalls ein Glücksfall. Genau so müssen Siegerinnen aussehen. Bodenständig, sympathisch, talentiert. Klar, dass noch in der Finalsendung am Freitag eine zweite Staffel der Talentshow angekündigt wurde (wann genau, ist noch nicht fix). Auch die Quoten waren endlich wieder einmal zufriedenstellend. Das Finale sahen durchschnittlich knapp eine Million Zuschauer. Bei den Unter-29-Jährigen erreichte die gesamte Staffel einen Marktanteil von etwa 40 Prozent.