freizeit.at kurier.at events.at motor.at futurezone.at film.at k.at kurier.tv profil.at lust-auf-oesterreich.at phase6 Lernhaus BAZAR IMMMO Partnersuche Spiele
© Bild: MKG Hamburg
Böse Dinge
23.05.2013

Eine Ode an die Hässlichkeit

Die Ausstellung "Böse Dinge" in Hamburg bringt schlechten Geschmack ins Museum.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten" ist wohl eines der bekanntesten Zitate überhaupt. Trotzdem diskutieren wir fast täglich darüber, was gut oder schlecht, schön oder hässlich ist. Unternehmen geben Unsummen aus, um herauszufinden, welches Produkt den Nerv der Zeit trifft und Wissenschaftler suchen nach Arealen im Gehirn, die für die Geschmacksbildung verantwortlich sind.

Nun hat es der schlechte Geschmack auch ins Museum geschafft. Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zeigt in der Ausstellung "Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks" alte und neue Hässlichkeiten - von totalen Geschmacksverirrungen bis zum sehenswerten Kitsch.

Natürlich werden die Objekte nicht einfach so als hässlich oder böse deklariert, sondern nach einem festgelegten Kriterienkatalog, basierend auf der Publikation "Guter und schlechter Geschmack im Kunstgewerbe" des Kunsthistorikers Gustav E. Pazaurek von 1912, systematisch kategorisiert.

Impressionen der Ausstellung

Das Pazaurek‘sche "Schreckenskabinett"

1909 eröffnete Gustav E. Pazaurek im Stuttgarter Landesmuseum eine "Abteilung der Geschmacksverirrung" mit dem Ziel, Menschen zum "guten Geschmack" zu erziehen. Diese Schausammlung enthielt ausnahmslos abschreckende Beispiele kunsthandwerklicher Erzeugnisse, die den "schlechten" Geschmack am Gegenstand entlarven sollten. Für die Ausstellung und in seiner Publikation "Guter und schlechter Geschmack im Kunstgewerbe" entwickelte Pazaurek eine umfangreiche Systematik zur Klassifizierung der Dinge. Dabei griff er zu drastischen Begriffen wie "Dekorbrutalitäten", "Materialvergewaltigung" oder "funktionelle Lügen". Worin aber liegt das Böse eines Objekts? Für Pazaurek vor allem in der äußeren Erscheinung, der Materialität und Konstruktion des Gegenstands. Er war der Ansicht, dass Dinge einen starken Einfluss auf den Menschen haben und in der Lage seien, ihn in seinem Sein zu verändern.

Tauschbörse und "Name that Thing"

Wer selbst Besitzer eines überflüssigen Souvenirs, Schwiegermutter-Geschenks oder sonst einer Hässlichkeit ist, kann es im Rahmen einer Tauschbörse gegen ein anderes "böses" Ding tauschen. Parallel zur Ausstellung zeigt das MKG das Projekt "Name That Thing" der Muthesius-Kunsthochschule Kiel. Studierende beschäftigen sich in Projektionen, Installationen, Objekten, Fotografien und Texten mit dem Thema der Kitschkunst und nehmen auch das Museum als geschmacksbildende Instanz ins Visier.

Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks
16. Mai bis 15. September 2013
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg