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Wenn das Christkind nicht klingelt © Bild: Christandl, Gnedt, Boroviczeny
Wenn das Christkind nicht klingelt
22.12.2011

Wenn das Christkind nicht klingelt

Am 24. Dezember feiern Christen die Geburt Jesu. Wie Muslime, Juden und Buddhisten in Österreich das Fest begehen.

© Bild: Jürg Christandl

Geduldig posiert Marina Jahn zwischen der goldenen Buddha-Statue und einem grünen Plastik-Weihnachtsbaum für den KURIER-Fotografen. Buddha und Baum – passt das zusammen? „Na klar“, sagt die 64-jährige Pensionistin. Unter einem Bodhi-Baum habe Buddha die Erleuchtung gefunden, und Dana, das friedvolle Geben, sei eine der wichtigsten buddhistischen Tugenden; ähnlich der christlichen Tradition, einander zu Weihnachten zu beschenken.

Religion

Zwischen 20.000 und 30.000 Buddhisten leben in Österreich; genaue Zahlen weiß niemand, da man als Buddhist in keine Religionsgemeinschaft eintreten muss. Marina Jahn fühlt sich der Theravada- Tradition zugehörig, die in weiten Teilen Südostasiens verbreitet ist. „Eigentlich wollte ich nur Meditieren lernen, aber dann bin ich langsam in die Religion hineingewachsen.“ Mittlerweile sind auch ihr Mann und die drei erwachsenen Kinder Buddhisten. „Weihnachten ist daher für uns kein religiöses Fest, sondern ein Freudentag mit der Familie.“

Stille Nacht

Gefeiert wird daheim dennoch wie früher: Man zieht sich festliche Kleidung an, schmückt den Weihnachtsbaum mit Engerln, legt Geschenke darunter und singt Weihnachtslieder – „nur ,Stille Nacht‘ lassen wir aus.“ Und statt Gansl oder Karpfen gibt’s Tempura , Gemüse im Teigmantel.

Viele Menschen seien erstaunt, dass Buddhisten Weihnachten feiern, sagt Jahn, die Vizepräsidentin der Buddhistischen Religionsgemeinschaft in Österreich ist. „Weihnachten ist hier einfach so omnipräsent – egal, ob im Fernsehen, im Radio, in Schulen, Geschäften oder auf den Straßen. Da haben wir beschlossen: Unsere Kinder sollen davon nicht ausgeschlossen sein. Wir haben keine Berührungsängste mit Weihnachten – so wie andere Religionen.“ Sagt’s und lächelt wieder für den Fotografen.

Islam

© Bild: Martin Gnedt

Zeliha Cicek arbeitet als Religionslehrerin in einer Sonderpädagogischen Schule in Wien-Landstraße. Dort bringt sie ihren Schülern, die großteils aus Bosnien, Afghanistan und der Türkei stammen, die Lehren des Islam näher. Diese Woche stand aber ein christliches Fest auf dem Stundenplan: Weihnachten. „Ich habe den Kindern gesagt, dass zu Weihnachten die Geburt Christi gefeiert wird. Wir Muslime haben andere Feiertage, an denen es Geschenke gibt.“ Anschließend sah sich die Klasse die Bibel-Geschichte als Zeichentrickfilm an.

Nein, zur Familie Cicek wird am 24. Dezember nicht das Christkind kommen. Die Kinder Osman (17), Elif (11) und Muhamed Zahid (4) haben keine Weihnachtsbriefe an die Fenster geklebt, Vater Hasan (40) hat keinen Baum besorgt und Mutter Zeliha (35) keine Weihnachtskekse gebacken. Nicht einmal ein Weihnachtsstern schmückt die Wohnung – dafür ein großes Bild der Kaaba in Mekka, dem zentralen Heiligtum des Islam.

Kein Punsch

Trotzdem freut sich die Familie Cicek auf Weihnachten, „auf die Ferien, das doppelte Gehalt und die Aktionen in den Geschäften“, sagt Mutter Zeliha Cicek. Gerne schlendert sie auch über den Christkindlmarkt auf dem Rathausplatz – Punsch ist für Muslime aber tabu. Die 35-Jährige trägt daheim Kopftuch, aber keine Socken und Schuhe. Ehemann Hasan schläft im Nebenraum. Auch heute fuhr er wieder bis 6 Uhr Früh sein Taxi durch die Nacht. Am 24. Dezember kommt wie jeden Samstag die Großfamilie zusammen. Der Bruder, ein Bäcker, wird dann seine selbst gemachten Kekse servieren – und die mag Zeliha Cicek an Weihnachten wirklich gerne.

Judentum

© Bild: Stephan Boroviczenycall. +43(0)6889092400sboro@live.de

Den Heiligen Abend wird Rafael Schwarz auf der Couch vor dem Fernseher verbringen – soferne ein spannender Film läuft. Vielleicht wird er danach noch einen Club besuchen, „doch erfahrungsgemäß ist es schwierig, am 24. Dezember auszugehen“.

Der 34-Jährige ist Auktionator im Dorotheum, Autor des Buches Darf man Juden Ezzes geben? und einer von ca. 12.000 bis 14.000 Juden in Österreich. Weihnachten ist für sie ein Tag wie jeder andere – außer, er fällt wie heuer mit Chanukka , dem achttägigen, jüdischen Lichterfest zusammen, das an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem erinnert. Jeden Tag wird ein Licht mehr angezündet, bis am Ende alle acht Kerzen des Chanukka-Leuchters brennen. Ähnlich wie zu Weihnachten beschenken Eltern ihre Kinder zu diesem Fest gerne mit Playmobil und Playstation, während die Kleinen für Mama und Papa basteln. Auf den Tisch kommen dann in Öl gebackene Speisen wie Krapfen – und danach die Spielkarten. Kwitlach heißt diese jüdische Form von Black Jack.

Der Advent ist für Rafael Schwarz eine entspannte Zeit. „Als Außenstehender bin ich amüsiert über den Stress, den alle haben.“ Bevor er es sich am 24. Dezember abends auf der Couch gemütlich macht, spaziert er jedes Jahr durch die Wiener Innenstadt – „wunderschön, alles menschenleer.“