Weniger Infarkte durch Rauchverbote

Weniger Infarkte durch Rauchverbote
Der positive Einfluss von Maßnahmen zum Nichtraucherschutz sei klar beweisbar, so Kardiologen auf ihrem Europakongress.

Gesetze zum Nichtraucherschutz führen zu beeindruckend weniger Herzinfarkten." So kommentiert der Präsident der Österreichischen Kardiologengesellschaft, Univ.-Prof. Burkert Pieske (MedUni Graz), neue Studienergebnisse, die Freitag auf dem Europäischen Kardiologenkongress in München präsentiert wurden: In Bremen reduzierte sich durch die Rauchverbote im öffentlichen Raum die Häufigkeit der gefährlichsten Herzinfarkt-Form um insgesamt 16 Prozent. Passivraucher profitierten ganz besonders: Bei ihnen verringerte sich der Anteil dieser Infarktform um 26 Prozent, bei Rauchern um 4 Prozent.

Die Untersuchung aus Bremen bestätigt die Ergebnisse einer Studie, bei der die Gesundheitsdaten von 3,7 Millionen Versicherten (Deutsche Angestellten Krankenkasse) fünf Jahre lang beobachtet wurden: Nach Einführung der Nichtrauchergesetze wurde ein Rückgang der stationären Krankenhausaufnahmen aufgrund von Angina Pectoris ("Brustenge") um 13,3 Prozent und aufgrund von akuten Herzinfarkten um 8,6 Prozent registriert. Wie Rauchen die Gesundheit schädigt, zeigen andere neue Studienergebnisse:

Auch Menschen, die nur kurze Zeit rauchen, haben bereits ein deutlich höheres Risiko für Diabetes-Vorstufen als Nichtraucher.

Aktives und passives Rauchen kann bereits bei Jugendlichen zu einer Zunahme der Wanddicke der Halsschlagader führen.

Passivrauchen erhöht auch bei gesunden Nichtrauchern das Risiko eines Verschlusses von Blutgefäßen.

Herzmuskel-Veränderung

Auf dem Kongress wird auch das Thema Übergewicht diskutiert. Wie es sich bereits bei Kindern und Jugendlichen auf den Gesundheitszustand auswirkt, zeigen Daten aus München und Leipzig: Übergewichtige Mädchen hatten drei Mal so häufig erhöhte Blutfettwerte wie normalgewichtige.

Die Pumpfunktion der linken Herzkammer kann im Kindesalter durch Übergewicht verschlechtert werden. "Deshalb ist es besonders wichtig, bei der Prävention möglichst früh anzusetzen", sagt Univ.-Prof. Otmar Pachinger, Präsident des Österreichischen Herzfonds. Dieser ist Sponsor eines großen Projekts zur Adipositas-Prävention im Kindesalter.

Nach wie vor sind Herz-Kreislauferkrankungen die häufigste Todesursache – obwohl das Sterberisiko in den vergangenen 30 Jahren um 70 Prozent abgenommen hat. Bei rechtzeitiger Behandlung ist ein Herzinfarkt nur noch in vier Prozent aller Fälle tödlich – früher waren es 20 Prozent, sagt Prof. Eckart Fleck, Direktor der Kardiologie am Deutschen Herzzentrum in Berlin. Doch noch immer nehmen viele Menschen Infarktsignale wie Schmerzen in der Brust, Unwohlsein oder Atemnot nicht ernst: "Wenn wir mehr Aufklärung hätten, wäre eine noch effektivere Behandlung möglich." Und diese werde immer wichtiger: Denn in den kommenden Jahren wird – durch das steigende Lebensalter – die Zahl der Herzkrankheiten deutlich zunehmen.

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