Fastfood-Geschäfte in der Nähe fördern Übergewicht

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Foto: cc by Jef Poskanzer from Berkeley, California, USA

Je mehr Anbieter von Kebab und Pizzaschnitten sich am Weg befinden, desto dicker sind die Menschen in der Umgebung. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft fordert Steuern auf Dickmacher.

Döner Kebab, Nudelbox oder die Pizzaschnitte zum Mitnehmen gibt es mittlerweile an fast jeder Straßenecke. Auch in Österreich sprießen die Fastfood-Geschäfte an allen Straßenecken, in U-Bahnstationen und im Umfeld von Betrieben. Eine britische Studie belegt nun, dass wohnortnahe Schnellrestaurants und Geschäfte an Verkehrsknotenpunkten und beim Arbeitsplatz die Rate an Übergewichtigen steigern. Je mehr solcher Geschäfte sich in der Umgebung der Wohnung, der Arbeitsstätte oder auf dem Weg dorthin befinden, desto dicker sind die Menschen. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) forderte mit Hinblick auf diese wissenschaftliche Studie erneut eine Steuer auf stark zucker- und fetthaltige Lebensmittel.

Eindeutiger Zusammenhang

Die Studie wurde in der britischen Grafschaft Cambridgeshire durchgeführt. Epidemiologe Thomas Burgoine von der Universität Cambridge hat dort für 5.442 Erwerbstätige im Alter zwischen 29 und 62 Jahren die Zahl der Fastfood-Outlets in der Umgebung von Wohnung, Arbeitsweg und Arbeitsplatz bestimmt und mit den Ernährungsgewohnheiten sowie dem Körpergewicht verglichen.

Das Ergebnis: Es bestand eine eindeutige Abhängigkeit zwischen dem Imbiss-Angebot und dem Körpergewicht. "Die Bewohner mit den meisten Imbiss-Gelegenheiten waren fast doppelt so häufig übergewichtig wie Bewohner aus Gegenden mit den wenigsten Fastfood-Läden, erklärte Erhard Siegel, Präsident der DDG. Im Durchschnitt hatten die Bewohner der untersuchten Region (Fenland) 32 Gelegenheiten, sich mit Fastfood zu versorgen.

Übergewicht gehört neben Bewegungsmangel zu den wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren für erhöhte Blutzucker- und Blutdruckwerte. Zusammen mit hohen Blutfetten fördern sie das metabolische Syndrom, das oft mit einem Typ-2-Diabetes einhergeht. "Die heutigen Essgewohnheiten sind eine wichtige Ursache für den Anstieg der chronischen Krankheiten geworden", so DDG-Geschäftsführer Dietrich Garlichs.

Steuer auf Zucker und Fett?

Der DDG-Geschäftsführer sieht politischen Handlungsbedarf. "Niemand kann ernsthaft fordern, Fastfood-Läden zu verbieten", stellte Garlichs in einer Aussendung der Gesellschaft fest. Aber die Politik ist aufgerufen, die Entscheidung für eine gesunde Kost einfacher und attraktiver zu machen. "Wir können beispielsweise durch eine Zucker-Fett-Steuer auf besonders kalorienhaltige Lebensmittel dafür sorgen, dass gesunde Ernährung günstiger ist als etwa Pommes frites.

Andere Länder sind offenbar schon weiter, ergänzte DDG-Präsident Siegel. In den USA sei es an vielen Orten vorgeschrieben, für Imbisse die Kalorienmenge anzugeben. In New York dürfen öffentliche Lokale keine ungesunden Transfette verwenden. Auch in Großbritannien bemüht sich die Regierung um gesünderes Fastfood - die Londoner Verwaltung hat Richtlinien zur Regulierung von Fastfood-Geschäften herausgegeben. In Finnland, Ungarn und Frankreich gibt es bereits Steuern auf hochkalorische Lebensmittel.

Wo es bereits Steuern gegen Dickmacher gibt

Auch für zuckerhaltige Getränke wurde eine Steuerreform verabschiedet. Softdrinks kosten künftig pro Liter einen Peso (knapp sechs Cent) mehr. Präsident Pena Nieto spricht von einer "Übergewichtsepidemie". Viele Mexikaner fühlen sich durch die neuen Verbote bevormundet, die Getränkehersteller protestieren. In Frankreich wird seit 2012 die sogenannte "Cola Steuer" erhoben. Die Abgaben betreffen alle mit Zucker oder Süßstoff angereicherten Getränke. Unsicher ist noch, ob die im Oktober diskutierte Red-Bull-Steuer eingeführt wird. Sie könnte eine 0,25-Liter-Dose um rund 25 Cent teurer machen und Schätzungen zufolge rund 60 Millionen Euro pro Jahr in die Staatskasse spülen. Bis 2008 war Red Bull in Frankreich komplett verboten. Erst als der Konzern den Inhaltsstoff Taurin  durch Arginin ersetzte, wurde der Energy Drink zugelassen. Angebliche Gesundheitsschäden hatten bis Anfang 2009 auch zu einem Verbot in Dänemark und Norwegen geführt. Im März 2013 wurde die Maßnahme jedoch von einem Gericht ausgebremst. Die übergroßen zuckerhaltigen Softdrinks sind im Big Apple nach wie vor erlaubt. Einige Städte in Italien haben Kebab- und Fast Food-Lokalen den Kampf angesagt. In Venedig dürfen beispielsweise keine neuen Kebab-Schnellimbisse mehr eröffnen. Allerdings weniger, um Fettleibigkeit zu verringern, vielmehr gehe es darum, dass die Imbissbuden nicht zur Architektur passen würden, heißt es aus dem Gemeinderat.

(apa/kurier) Erstellt am
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