Die Biowaffe Rizin ist entschärft

Foto: IMBA/point of view

Mit einer neuen Methode ist es Wiener Forschern gelungen,einen Ansatzpunkt für ein Gegengift zu finden.

Rizin gilt als eines der stärksten Pflanzengifte der Welt: Das Terrornetzwerk Al Kaida etwa arbeitete an Sprengkörpern mit dem Inhaltsstoff der Samen der Rizinusstaude. "US- und russisches Militär suchen seit Jahrzehnten erfolglos nach einem Ansatz für ein Gegengift. Wir haben einen solchen dank einer revolutionären Technologie in wenigen Wochen gefunden", sagt Univ.-Prof. Josef Penninger vom Wiener Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die entsprechende Forschungsarbeit erscheint Freitag in der Fachzeitschrift Cell Stem Cell.

IMBA-Wissenschafter Ulrich Elling hat ein Protein (Eiweiß, Anm.) identifiziert, das eine Voraussetzung dafür ist, dass Rizin tödlich wirken kann. Denn Zellen, in denen aufgrund einer Gen-Mutation dieses Protein Gpr107 nicht produziert wird, sind immun gegen das Gift. Elling: "Nach unseren Erkenntnissen könnte man rasch ein Gegengift entwickeln, indem man etwa ein sogenanntes ,small molecule' bastelt, welches dieses Protein blockiert." Mit bisherigen Methoden hätte es möglicherweise einige Jahre gedauert, jene Zellen aufzuspüren, die durch eine bestimmte Gen-Mutation vor Rizin geschützt sind: Man müsste dazu etwa Mäuse züchten, bei denen eines oder mehrere Gene abgeschalten werden - und könnte dann an deren mutierten Zellen die Wirkung des Giftes testen.

Penningers Team hat jetzt eine Methode angewandt und weiterentwickelt, die im September von Forschern um den Österreicher Anton Wutz (Cambridge) erstmals vorgestellt - und die parallel dazu auch am IMBA entwickelt wurde: Dabei ist es möglich, embryonale Stammzellen von Mäusen mit nur einem Chromosomensatz herzustellen. Penninger: "Bis vor Kurzem hätte jeder gesagt, dass das unmöglich und gegen die Biologie ist. Denn laut Lehrbuch benötigt eine Säugetierzelle zwei Chromosomensätze (von Mutter und Vater, Anm.), um lebensfähig zu sein."

In Zellen mit einfachem Chromosomensatz können sofort Gen-Mutationen erzeugt und ihre Auswirkungen untersucht werden - weil jedes Gen nur einfach vorliegt. "Bei einem doppelten Chromosomensatz - wo jedes Gen doppelt vorhanden ist - ist das viel aufwendiger."

Krebswirkstoffe

Foto: IMBA/point of view

Deshalb arbeiten Genetiker gerne mit Hefezellen, die einen einfachen Chromosomensatz besitzen: "Aber wir machen medizinische Forschung, deshalb sind für uns Säugetierzellen wichtiger." Penninger will jetzt die Methode für die Entwicklung von Medikamenten gegen Krebs oder Querschnittlähmung einsetzen: "Krebs-Wirkstoffe töten die Krebszellen, aber einige entkommen und werden widerstandsfähig. Wir können in Zukunft unzählige Mutationen von Krebszellen herstellen, diese mit dem Medikament in Kontakt bringen und schauen, welche überleben. Dann wissen wir, was diese Zellen in ihrer Erbsubstanz angeschalten haben, um widerstandsfähig zu sein. Das müssen wir ausschalten - dann wirkt das Medikament weiter."

(kurier) Erstellt am
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