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"Ich liebe Pferdefleisch", sagt Herbert Stepic . Verwerflich sei aber, den Konsumenten "ein X für ein U vorzumachen"
"Ich liebe Pferdefleisch", sagt Herbert Stepic . Verwerflich sei aber, den Konsumenten "ein X für ein U vorzumachen" - Foto: jürg christandl

Letztes Update am 23.02.2013, 08:00

"Boni-Debatte überwiegend populistisch". RBI-Chef Herbert Stepic zur EU-Debatte über Banker-Boni und die Finanztransaktionssteuer.

KURIER: Wie sehr schmerzt der Konzernverlust im vierten Quartal?

Herbert Stepic: Es ist der erste in unserer Geschichte. Primär ging es um Bewertungsthemen, etwa eine Firmenwertabschreibung in der Ukraine. Dazu gab es hohe Kredit-Abschreibungen – auch aus Österreich, da aber mit sehr geringem Niveau.


Sind die Wertberichtigungen damit ausgeräumt?

Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Im ersten und zweiten Quartal könnte es weitere Wertberichtigungen geben. Ich hoffe aber auf Beruhigung im zweiten Halbjahr.

Sie zahlen eine Dividende trotz gesunkenem Ergebnis (mehr dazu hier).

Das mag der Markt gar nicht. Aber wir haben eine konstante Dividendenpolitik – auch, weil wir unseren Streubesitz betreuen wollen. Und auch Großinvestoren wollen Dividenden sehen.

Auch die Raiffeisenbanken?

Ja. Da gibt’s aber auch noch andere. Unser Ergebnis ist mit 725 Millionen gut. Die Deutsche Bank ist 15-mal so groß wie wir, hat aber ein vorläufiges Ergebnis von 665 Millionen. Wir haben im Vorjahr im Vergleich mit den Mitbewerbern am meisten verdient. Klar, dass wir die Aktionäre partizipieren lassen.

Stepic
Foto: jürg christandl
Und wann wird das Staatskapital zurückgezahlt?

Die Laufzeit geht bis 2017. Ich bin sicher, dass wir bis dahin eine deutliche Verbesserung der Märkte sehen. Vielleicht hätten wir schon einen Teil zurückgezahlt, wenn wir nicht so viel Bankensteuer zahlen müssten.

Jetzt kommt auch noch die Finanztransaktionssteuer dazu.

Die ist besonders „sinnvoll“. Sie schädigt den Börsenplatz, reduziert die Liquidität, macht Kreditaufnahmen über die Börse teurer, damit auch die Finanzierung von Unternehmen. Das ist nicht wie geplant ein Steuerungsmechanismus, sondern eine Budgetmaßnahme und in Zeiten, wo es eigentlich um Wachstum ginge, völlig falsch. Zudem wird die Umsetzung fast unmöglich.

Sie haben sich immer überraschend freundlich über die Putin-Regierung geäußert.

Russland ist der Krise mit Ausnahme einer Phase – zwischen 2008 bis 2009 – fast vollständig entronnen. Es hat am schnellsten reagiert und mehr als 80 Milliarden Dollar über die Banken in die Wirtschaft gepumpt. Die soziale Entwicklung ist gut, das Einkommen der Russen ist fast am stärksten gestiegen in ganz Osteuropa.

Aber es gibt auch die dunkle Seite: Politisch Missliebige werden gern weggesperrt.

Das entnehme ich der Presse. Ich bin auch nicht da, um einer Regierung zu applaudieren. Wenn ich für die dortige Volkswirtschaft positiv agieren kann, dann ist das schon sehr, sehr viel.

Ihr Geheimrezept für Russland?

Wir haben immer kundenorientiertes Brot- und-Butter-Geschäft gemacht. Von Beginn an haben wir auf russisches Personal gesetzt, es aber in westlichen Managementmethoden trainiert.

Welche Hoffnungsmärkte sehen Sie im Osten?

Russland (lacht). Die RBI ist in einer bevorzugten Situation, weil sie in 17 Ländern tätig ist. Daher können wir jede Wachstumsbewegung, die sich in den einzelnen Ländern abspielt, mitmachen. 2014 wird wieder Zentraleuropa stärker kommen, weil sich die EU erholen wird.

Bleibt die Ukraine ein Sorgenkind?

Die Ukraine macht mir viel weniger Sorgen als Ungarn. Dort ist die Situation noch, sagen wir, „umwölkt“. In Ungarn müssen wir unser Geschäft an die schwierigen Marktgegebenheiten anpassen.

Sind die Banken in Ungarn nicht auch mitschuld?

Der Fehler war, dass zu viele Banken Fremdwährungskredite vergeben haben. Und der Fehler Ungarns war, dass es nie – wie etwa Polen oder Rumänien – die Aufnahme von Frankenkrediten an das Einkommen der Kreditnehmer gebunden hat.

Sollen Bankerboni beschränkt werden, wie das in der EU gerade diskutiert wird?

Das wäre nur sinnvoll, wenn man damit erreicht, dass Banker, die in der Vergangenheit spekulativ negativ tätig waren, das in Zukunft nicht mehr könnten. Das trifft primär auf den Investmentbankbereich zu. Das, was jetzt in der EU diskutiert wird, ist wieder eine überwiegend populistische Maßnahme.

Stepic
Foto: jürg christandl
Sie sind ja auch als guter Esser bekannt ...

Die Frage fängt gut an ...

Vergeht Ihnen angesichts des Fleischskandals der Appetit?

Verwerflich ist, wenn man dem Konsumenten ein X für ein U vormacht. Aber ich liebe Pferdefleisch! Gute italienische Würste enthalten natürlich Pferdefleisch.

Wie lange wollen Sie in Ihrem Top-Job bleiben?

So lange meine Aktionäre das wollen.

Sie sind nicht amtsmüde?

Schaue ich so aus?

Nein, aber es gibt Gerüchte, dass Sie bald gehen.

Mein Vertrag läuft bis 2015, und ich plane, ihn auszudienen. Außer es passiert ein Wunder – woran ich nicht glaube –, dass sich der Markt so rasch stabilisiert, dass ich auch schon ein Jahr früher gehen kann.

Ein serbischer Journalist hat kürzlich behauptet, über die RBI laufe Geldwäsche.

Die Zeitung hat bereits zwei Entgegnungen gebracht. Das war eine echte Verleumdung.

Zur Person: Herbert Stepic
Stepic (66),  ist seit 2001 Chef der Raiffeisenbank International  und leidenschaftlicher Sammler afrikanischer Kunst. Er war einer der ersten Banker, der sich in  die osteuropäischen Märkte wagte. Mit Risikofreude und Durchsetzungskraft machte  Stepic, der als Osthändler begann, die RBI zur führenden Auslandsbank in zahlreichen Ländern Zentral- und Osteuropas.

 

(kurier) Erstellt am 23.02.2013, 08:00

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