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Michael Landesmann, Leiter des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche WIIW.
Michael Landesmann, Leiter des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche WIIW. - Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

Letztes Update am 07.03.2013, 17:34

Lange Durststrecke für Mittel- und Osteuropa. Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche: Europa droht ein "verlorenes Jahrzehnt".

Von Polen über Rumänien bis zu den Balkan-Staaten stehen die Aussichten auf ein kräftiges Wirtschaftswachstum, das auch zur Schaffung neuer Jobs führt, schlecht: „Diese Ländern hängen mit ihren Exporten sehr stark von der EU ab. Und für Euroland sind wir mittelfristig pessimistisch“, sagt Michael Landesmann, Leiter des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche WIIW.

Landesmann befürchtet, dass Europa „ein verlorenes Jahrzehnt“ drohe, also zehn Jahre ohne Wachstum und mit fallenden Preisen wie in Japan. Der Grund liege in der nicht aufgearbeiteten Bankenkrise und in den viel zu langsamen Reformen.

Die anhaltende Krise der Eurozone trifft die Balkan-Staaten besonders hart: Serbien, Bosnien und Kroatien, die einen großen Teil ihrer Exporte in die südeuropäischen Krisenländer liefern. Der inländische Konsum sei viel zu schwach, um die Rückgänge bei den Ausfuhren aufzufangen, sagt Vasily Astrov vom WIIW. Etwas besser seien Länder wie Rumänien und die Slowakei dran, die vor allem nach Deutschland lieferten. Und Deutschland stecke zumindest nicht mehr in einer Rezession.

PK WIIW "AKTUELLE WIRTSCHAFTSLAGE UND MITTELFRISTI
Vasily Astrov vom WIIW - Foto: APA/HELMUT FOHRINGER
Für heuer prognostiziert das WIIW für diese Länder Wachstumsraten von „um die ein Prozent“, in Slowenien und Kroatien schrumpfe die Wirtschaft sogar weiter. Für den Arbeitsmarkt sind das schlechte Nachrichten. „Die Länder brauchen ein durchschnittliches Wachstum von drei Prozent, um die Beschäftigung zu erhöhen“, betont Astrov.

Einzelne Länder wie etwa Serbien hätten seit Jahren eine rückläufige Beschäftigung. „Die Zahl der Jobs in Serbien ist in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent gesunken“, sagt Astrov. Positive Ausnahme ist Albanien, das von seinen Ölexporten profitiert.

Stark bleibt laut WIIW die russische Wirtschaft dank der Öl- und Gaseinnahmen. Das zieht die baltischen Staaten mit, deren Exporte stark auf den russischen Markt ausgerichtet sind.

Banken-Einigung

Kroatien und Slowenien haben sich am Donnerstag im langjährigen Streit um die pleite gegangene Ljubljanska Banka geeinigt. Dabei ging es um kroatische Spareinlagen. Die Einigung macht den Weg frei, dass Slowenien als letzter EU-Staat den kroatischen EU-Beitritt ratifiziert.

(kurier) Erstellt am 07.03.2013, 17:34

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