Made in Australia statt in Austria

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Foto: APA/EPA/LUKAS COCH Weinernte in Down Under. Australien gehört zu den großen Weinexporteuren. Bekannt sind vor allem sehr kräftige Weine.

Österreichische Winzer produzieren erfolgreich in Australien, China oder in Südafrika.

Verwechslungen sind nicht immer ein Problem. Bei der Winzer-Familie Salomon passt Austria genauso wie Australia. Seit 222 Jahren widmet sich die Familie in Stein an der Donau der Produktion hochwertiger Weißweine. Seit fast 14 Jahren erntet Bertold Salomon in seinem Salomon Estate in South Australia Rotweintrauben. Etwa 70.000 bis 75.000 Flaschen werden dort jährlich abgefüllt. Die Konsumenten zahlen dafür zwischen 12 und 35 Euro. Beim Spitzenprodukt beträgt der Preis etwa 90 Euro.

Dass ein Österreicher im Weinbaugebiet Finniss River aktiv wird, war der auflagestärksten Tageszeitung des Kontinents, The Australian, eine Geschichte wert. Als "The Waltzing Winemaker " wurde Salomon in der Sonntagsbeilage vorgestellt. Österreich-Klischees bringen manchmal auch Vorteile. Der Auslandseinsatz von Bertold Salomon geht weiter. In Neuseeland wurde ein Joint Venture gegründet.

Das internationale Engagement heimischer Weinbauern ist kein Zufall. Immer mehr Winzer arbeiten in jungen Jahren im Ausland. Sie haben daher kein Problem mit Projekten außerhalb Österreichs. Im globalen Weinmarkt mit geringen Transportkosten steigen die Chancen, dass sich solche Engagements rentieren.

Namensgebung

Wer seinen Namen auf dem Weinetikett abdrucken lässt, möchte auch sicherstellen, dass die Qualität des Flascheninhalts sein Image nicht beschädigt. Bertold Salomon weilt daher im Herbst in Österreich, im Frühjahr in Australien. Der Chef muss zur Lesezeit vor Ort sein.

Einen guten Ruf zu verlieren hat auch Laurenz Moser V. Zwecks Ankurbelung des Absatzes der Sorte Grüner Veltliner ist er einst nach China geflogen. Jetzt steht sein Name auf einer Flasche Rotwein. Moser ist Kooperationspartner von Changyu, dem ältesten Weinguts Chinas. Dort wächst am Chateau Moser XV ein Chateau Moser XV (85 Prozent Cabernet Sauvignon, 10 Prozent Merlot und fünf Prozent Syrah). Auch ein Moser Family Cabernet Sauvignon ist käuflich zu erwerben. Mittlerweile ist die gesamte heimische Weinszene bemüht, die Exporte nach China zu erhöhen.

Wertsteigerung

Europäische Namen am Etikett steigern in China Nachfrage und Verkaufswert. Während in Österreich eine Flasche Chateau Moser XV um 50 Euro zu haben ist, werden in China bereits 100 Euro und mehr dafür gezahlt.

Das neueste Projekt von Moser ist der Anbau von Grünen Veltliner in der Türkei, genauer in Kappadokien ( Zentral-Anatolien). Dort wird schon seit Tausenden Jahren Wein angebaut. Der Winzer und Weinhändler ist überzeugt, dass die Türkei ein Zukunftsmarkt ist.

Doch nicht alle Projekte im Ausland sind von Dauer. Leo Hillinger hat zwar den Wein-Anbau in Deutschland aufgegeben. Die Überschneidung der Erntezeiten in Deutschland und Österreich hat dafür den Ausschlag gegeben. "Man muss vor Ort sein", lautet Hillingers Begründung. Die Kooperation in Südafrika hat er jedoch beibehalten. Etwa 30.000 Flaschen Cape Hill werden jedes Jahr abgefüllt. Der Verbraucherpreis beträgt wohlfeile 9,99 Euro.

Nachgefragt

„Ich wollte immer in die weite Welt hinaus“

Salomon…
Foto: /Salomon

Bertold Salomon, Winzer mit Stammsitz in Stein an der Donau, sagt im KURIER-Gespräch über ...

... Australien: Ich wollte immer in die weite Welt hinaus und  habe  zuerst  in den USA bei einer Weinimportfirma gearbeitet.  Später war ich bei Schlumberger im Vorstand und der Erste, der mit einer Tochterfirma von Schlumberger australischen Wein kommerziell nach Österreich importiert hat.  Ich  bin  dann mit den Kindern nach Australien auf Urlaub gefahren, bevor sie mit der Schule begonnen haben. Da ist die Liebe zu Australien ausgebrochen.

... Weinernte: Eine der wichtigsten Entscheidungen in Australien ist die Frage, wann ernte ich? Man muss den richtigen Zeitpunkt erwischen. Die Weinlese ist in Australien im März und April. Man braucht sehr gute Mitarbeiter. Es gibt leider kein „Work and Travel“-Abkommen zwischen Australien und Österreich.

... Beruf Winzer: Mein Bruder hat das väterliche Weingut übernommen. Ich war in der Erbfolge nicht vorgesehen, aber mein Bruder hat mich zum Wein gebracht. Ich habe bis zu seinem zu frühen Tod viel von ihm lernen können. Man muss im Wein leben, man kann das nicht nur als Geschäft führen.

... europäischen Weinstil: Ich will die Reife, aber nicht die Überreife. Unsere Weine sind in der Stilistik kühler. Wir nehmen nicht  zu viel neues Holz. Das Ziel ist Struktur und Langlebigkeit. Keine Rotweine, die nur in der Jugend beeindrucken, aber dann mit zehn Jahren wegbrechen. Ich möcht australische Rotweine machen, die sich mit den besten Weinen aus  der Region nördliche Rhóne messen können. 

(kurier) Erstellt am
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