Veltliner für die weite Welt

Laurenz Moser: "In Dubai gibt es hundert 5-Sterne-Hotels. Wir sind in 60 davon drinnen"
Foto: KURIER/Gnedt

Der Österreicher Laurenz Moser will Veltliner im Ausland salonfähig machen und setzt im Gegenzug auf Bio-Wein aus China.

Wer sich den Luxus eines Abendessens im höchsten Gebäudes der Welt, dem Burj Khalifa in Dubai, gönnt, wird staunen: Neben anderen edlen Tropfen findet sich auf der Weinkarte mit Grünem Veltliner durchaus Vertrautes. Schuld daran ist Laurenz Maria Moser und seine Firma Laurenz V. Der Enkel des berühmten Kremser Winzers Lenz Moser hat sich zum Ziel gesetzt, dem österreichischen Veltliner zu Weltruhm zu verhelfen.

Der Weg dorthin stimmt offenbar: 400.000 Flaschen hat er im Vorjahr abgesetzt und damit 1,5 Millionen Euro Umsatz erzielt. "Wir exportieren in 40 Länder und haben einen Exportanteil von 90 Prozent", erzählt Moser. Laurenz-V-Weine sind in den Kaufhäusern KaDeWe in Berlin ebenso zu finden wie bei Harrod's oder dem Top-Lokal Nobu in London.

Die Trauben dafür stammen von rund 100 Winzern aus dem Kamptal und dem Weinviertel, bei der Vinifizierung helfen Top-Winzer wie Fred Loimer. Bei der Gründung 2005 hätten ihm die Kollegen von der Fokussierung auf nur eine Sorte abgeraten. "Aber ich habe bei den Amerikanern gelernt, dort heißt es: Mach weniger, aber mach es gut."

Gut vernetzt

"Wir haben fünf, sechs Hauptmärkte", erklärt Moser das Verkaufsgeschäft, neben Deutschland seien das auch die USA oder die Arabischen Emirate: "In Dubai gibt es hundert 5-Stern-Hotels. Wir sind in 60 drinnen."

Beim Vertrieb nutzt Moser seine alten Kontakte: Jahrelang war er in Europa für den Vertrieb von Robert Mondavi zuständig, einem der bekanntesten Weingüter der Welt. Mit dem deutschen Nachfolgeunternehmen TxB handelt Moser mit Weinen aus der ganzen Welt und will nun mit China überraschen.

Bio-Wein aus China

Geht es nach Moser, soll den Weinliebhabern in Europa das Stirnrunzeln und die hochgezogene Augenbraue bei dem Thema bald vergehen. "Wir haben eine Firma gefunden, wo wir Rotwein importieren." Westlich von Peking gelegen, kooperiert er nun mit dem größten chinesischen Weingut.

2005 reiste Moser zum ersten Mal nach China auf der Suche nach Partnern und stieß auf die Changyu Pioneer Wine Company, die stolze 1500 Verkaufsmitarbeiter hatte. Beim Import-Deal haperte es anfangs, erzählt Moser: "Wir hatten Qualitätsprobleme." Zu tanninhältig, zu Säure-lastig wäre der Rotwein-Cuvee gewesen. 15-mal war Moser seither bei seinem Partner und begleitete auch die Umstellung zu einem der ersten biologischen Weinbaubetriebe in China: "Nach der Bioumstellung passt die Qualität".

300.000 Flaschen des Bio-Cuvees aus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc verkauft er heute in alle Welt, derzeit noch hauptsächlich an China-Restaurants. Doch Moser ist zuversichtlich, dass die Nachfrage kräftig steigen wird und will mit einem Eiswein aus China bald für noch mehr Überraschung sorgen.

Im Gegenzug vertreiben die chinesischen Partner seinen Grünen Veltliner im Reich der Mitte: "China läuft sensationell, das Land hat einen unglaublichen Weinhunger", meint er. Zum Vergleich: Der Durchschnittskonsum in China liegt derzeit noch bei 0,4 Liter pro Kopf und Jahr, in Österreich sind es 30.
Gerade mal die Hälfte sind es in den USA, wo Moser ebenfalls große Pläne hat: "Wir sind angetreten, den Grünen Veltliner weltweit aus der Esoterik-Ecke zu holen."

(kurier) Erstellt am
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