Wirtschaft US-Kandidat wird neuer Chef der Weltbank Diskussion Weitere Artikel Letztes Update am 17.04.2012, 06:15 Bildergallerie drucken An Instapaper senden US-Kandidat wird neuer Chef der Weltbank. Der Medizin-Professor Jim Yong Kim wurde erwartungsgemäß zum Nachfolger von Robert Zoellick gekürt. Vollbild Zurück Bild von / Weiter Schliessen Vollbild Nach fünf Jahren an der Spitze räumt der US-Amerikaner Robert Zoellick (Bild) seinen Stuhl... Denn die Weltbank hat den US-Kandidaten Jim Yong Kim zum neuen Präsidenten ernannt. Er werden seine fünfjährige Amtszeit am 1. Juli antreten, teilte die Organisation am Montag mit. Kim leitet derzeit die Elite-Universität Dartmouth im Staat New Hampshire. Er ist Mitbegründer der humanitären Einrichtung "Partners in Health", die sich seit 25 Jahren für die medizinische Behandlung von Armen in der Welt einsetzt. Zudem war der Arzt einst Direktor der Aids- und HIV-Abteilung bei der Weltgesundheitsorganisation WHO. Eines bleibt damit unverändert: Seit der Gründung der Bretton-Woods-Institution (Bild: Gründungsort, Mount Washington Hotel, New Hampshire) Weltbank im Jahr 1945 standen stets Männer, stets US-Amerikaner an der Spitze. Jahrzehntelang teilte sich der Westen die Posten der beiden Bretton-Woods-Institutionen auf: In Washington wurde über die Weltbank-Spitze entschieden, Europa bekam dafür die Führung der Schwesterorganisation IWF (derzeit die Französin Christine Lagarde, links). Erstmals wurden aber im Vorfeld auch einem nicht-amerikanischen Kandidaten Chancen eingeräumt. Denn seit Jahren wächst unter den 187 Mitgliedsländern der Widerstand gegen das transatlantische Bollwerk - vor allem die aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien und Südamerika machen ihren Führungsanspruch deutlich. So ging erstmals in der Geschichte der Weltbank nicht nur der US-Kandidat ins Rennen, sondern… …in Person der nigerianischen Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala eine vielversprechende Kandidatin aus Afrika. "Ich weiß, was es bedeutet, zum Strom zu laufen, um Wasser zu holen. Was es bedeutet, wenn Menschen arm sind und nicht genügend zum Essen haben", sagte die 57-Jährige mit den Abschlüssen der Elite-Unis Harvard und dem Massachusetts Institute of Technology bei einer ihrer Vorstellungsrunden. Nicht zuletzt kennt die Afrikanerin die Weltbank nach Jahren in hohen Positionen in- und auswendig. Sie gilt als die "perfekte Insiderin", meint die Washington Post. "Sie würde Dinge von Anfang an zum Laufen bringen", schrieben Dutzende Ex-Manager der Weltbank in einem offenen Brief und forderten ihre Wahl. Als klarer Favorit allerdings galt weiterhin Jim Yong Kim. Die Nominierung des weitgehend unbekannten Akademikers durch die US-Regierung erfolgte überraschend, nachdem Wunschkandidaten wie US-Außenministerin Hillary Clinton, Finanzminister Timothy Geithner und der einstige Präsidentschaftskandidat John Kerry desinteressiert abgewunken hatten. Die Entscheidung von US-Präsident Barack Obama, einen Medizin-Professor statt eines Finanzexperten für die Spitze der Bank zu nominieren, sorgte für Verwunderung. Viele halten den Ansatz aber auch für originell. "Der Leiter der Weltbank sollte ein umfassendes Verständnis über die Rolle der Entwicklungshilfe in der Welt haben", meinte Obama. Acht Länder in 13 Tagen bereiste der US-Kandidat für die Weltbank-Präsidentschaft, um Regierungschefs und Finanzminister rund um den Globus von sich zu überzeugen... ... mit Erfolg: Er "ist ein Profi von internationalem Format, der mit der praktischen Arbeit vertraut ist und Führungsposten in großen internationalen Organisationen innehatte", sagte der russische Finanzminister Anton Siluanow. Ähnlich sehen das Schwellenländer wie Brasilien und Indien. Der frühere kolumbianische Finanzminister José Antonio Ocampo, der ebenfalls ins Rennen um den Posten ging, gab am Wochenende entmutigt auf. Die Weltbank steht nicht ganz so stark im Licht der Öffentlichkeit wie der IWF. Wer sich also fragt, worin ihre Aufgaben liegen - es ist die Entwicklungshilfe. Schwerpunkte sind die Förderung von Infrastruktur, Privatwirtschaft und Umweltprojekten sowie der Kampf gegen Armut und Krankheiten. Ursprünglich war ihr Ziel, nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau zu fördern und in Zusammenarbeit mit dem IWF stabile Währungen zu schaffen. (KURIER, apa/Stefan Hofer, js) Erstellt am 23.03.2012, 07:57 Diskussion Kommentare aktualisieren Weitere Artikel zum Thema Wirtschaft Weltbank muss sich für neue Leitung entscheiden Wer folgt auf Robert Zoellick? Erstmals matcht sich ein Kandidat der USA mit der Konkurrenz. Eurokrise Weltbank-Chef mit Herz für Griechen Der neue Weltbankchef Jim Yong Kim stellt den Griechen Hilfe in Aussicht. Das war unter seinem Vorgänger Robert Zoellick undenkbar. Erderwärmung Kurs auf 4 Grad plus bis 2100 Ein Weltbank-Bericht sieht den Klimawandel als größte Herausforderung für soziale Gerechtigkeit. Marktplatz Weltbank-Experte: "Hoffnung, dass Blase nicht platzt" Chinas Wirtschaft steht vor erheblichen Problemen. Bekommen Regierung und Zentralbank die Risiken in den Griff? 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