Letztes Update am 03.08.2012, 12:39
Streik in Europas größtem Stahlwerk.
Teile eines Stahlwerks im süditalienischen Taranto wurden geschlossen. Nun gingen aus Furcht vor kompletter Schließung Tausende auf die Straße.
Sechs Abteilungen des größten Stahlwerks Europas wurden geschlossen. Aus Angst um ihre Arbeitsplätze gehen seit Tagen Tausende Beschäftigte im süditalienischen Taranto auf die Straße.
Der Stahlkonzern Ilva soll durch Emissionen aus dem Werk im süditalienischen Taranto in den vergangenen 13 Jahren den Tod von 386 Menschen verursacht haben, vermuten Staatsanwälte. Der 86 Jahre alte Eigentümer Emilio Riva, sein Sohn Nicola und sechs Manager wurden vergangene Woche verhaftet, sechs Abteilungen geschlossen.
Nun fürchten die Arbeiter – 11.500 Menschen beschäftigt der Stahlkonzerns - die komplette Schließung des Werks und halten aus Furcht um ihre Arbeitsplätze seit Tagen Proteste ab.
Laut einem Gewerkschaftssprecher würde eine Schließung zahlreiche Familien ruinieren. In der Stadt beträgt die Arbeitslosigkeit elf Prozent, das Stahlwerk ist der größte Arbeitgeber.
"Ein Stahlwerk wird nicht saniert, indem die Produktion stillgelegt wird. Man muss Investitionen für die öffentliche Gesundheit planen, aber das Werk in Betrieb halten", erklärte die Chefin des Gewerkschaftsverbands CGIL, Susanna Camusso.
In einer für Italien derart schwierigen Wirtschaftskonjunktur wäre die Schließung des Ilva-Werks eine unerträgliche Belastung.
Der Präsident des Ilva-Konzerns, Bruno Ferrante, signalisierte Dialogbereitschaft. "Wir müssen über die Kosten bestimmter Schritte zur Reduzierung der Emissionen nachdenken, aber wir können darüber diskutieren", betonte Ferrante.
Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft wurden in Taranto wesentliche Umweltauflagen nicht erfüllt, sodass unter anderem Dioxin emittiert wurde.
Umweltminister Corrado Clini versicherte, dass die Regierung Monti und der Ilva-Konzern die Sanierung des verseuchten Geländes um das Stahlwerk vereinbart hätten. "Wir müssen um jeden Preis die Produktion retten", erklärte der Politiker.
Der Ilva-Konzern zählt zu den zehn stärksten Stahlgruppen der Welt. Das 1905 gegründete Unternehmen besitzt in Italien und im Ausland 36 Produktionsstätten und beschäftigt 21.711 Personen. 2011 meldete der Konzern unter Kontrolle der Familie Riva Umsatz von 10 Mrd. Euro.
(apa/js)
Erstellt am 03.08.2012, 12:37