Roiss: "Österreich kann auf Schiefergas verzichten"

Die OMV hat das Kapitel Schiefergas geschlossen. Aber das werde teuer, so Konzern-Chef Gerhard Roiss.


Was ist Shale-Gas? Der Rohstoff wird aus Einlagerungen in Gesteinen wie Schiefer, engl. Shale, gewonnen - deshalb "Shale Gas".  (Förderung in Pennsylvania, USA) Was ist der Unterschied zur konventionellen Gasförderung? Schiefergas ist chemisch identisch mit herkömmlichem Erdgas. Es ist jedoch wesentlich schwerer zugänglich.  (Shale-Gas-Förderung in Texas, USA) Wie wird gefördert? Das Gas wird unter Einsatz von Druck und  Chemikalien aus den Gesteinsschichten herausgepresst. Dieses relativ  neue Verfahren erhöhte in den vergangenen Jahren die Gasförderung  kräftig. Wie sieht es mit den Kosten aus? Das Verfahren gilt als schwieriger und kostspieliger als die Erschließung herkömmlicher Gasfelder.  (Förderung in Pennsylvania, USA) Worin liegen die Gefahren? Bei Umweltschützern und  Bürgerinitiativen stößt diese Energiequelle zudem wegen Umwelt- und  Gesundheitsbedenken auf Ablehnung.  (Protest gegen Schiefergas-Förderung in Barjac, Frankreich) Warum wird dennoch gefördert? Schwindende herkömmliche Reserven an Gas und Öl sowie moderne Fördertechniken machen Shale-Gas zunehmend attraktiv.  (Förderung in Polen) Von welchen Mengen sprechen wir hier? Nach Schätzungen der  Internationalen Energieagentur gibt es in Europa unkonventionelle  Gasreserven von 35.000 Milliarden Kubikmetern.   (Förderung in Polen) Und wo innerhalb von Europa? Schätzungen von verschiedenen  US-Experten zufolge verfügt Polen über das größte Vorkommen an  Schiefergas in Europa. Die mutmaßlich Gas enthaltenden Gesteinsschichten  ziehen sich von der polnischen Ostseeküste bei Gdansk in einem Streifen  Richtung Südosten des Landes. Und wo wird - außerhalb Europas - fieberhaft gebohrt? Hauptprofiteure von der Erschließung von unkonventionellen Gasquellen  sind unter anderem die USA, China, Kanada und Australien.  (Förderung in Pennsylvania, USA) OMV-Boss Gerhard Roiss hat Schiefergas "aufgegeben".

Das Thema Schiefergas hat die OMV aufgegeben“, versichert Konzern-Chef Gerhard Roiss gegenüber dem KURIER. „Alle Ressourcen diesbezüglich sind auf null gestellt. Es gibt in der nächsten Fünfjahresplanung keinen einzigen Posten zu Shale-Gas-Österreich.“ Einen Zusammenhang mit den herannahenden Wahlen stellte er in Abrede. „Unsere Politik ist nicht, den Schalter vor der Wahl umzulegen und nach der Wahl wieder retour.“

Laut Roiss kann „Österreich es sich leisten, auf Schiefergas zu verzichten“. Aber das werde teuer, denn man verzichte auf Einnahmen und Investitionen. Europa hingegen könne es sich nicht leisten. „Die EU-Eigenproduktion von konventionellem Gas wird massiv zurückgehen, die Abhängigkeit von Importen entsprechend weiter steigen.“

Europa fällt zurück

Darüber hinaus sei leistbare Energie vor allem für die energieintensive Industrie ein entscheidender Standortfaktor. Europa drohe im Wettbewerb mit den USA, wo seit Jahren auf günstiges Schiefergas gesetzt wird, immer stärker zurückzufallen.

Auch beim Klimaschutz könne Gas, als sauberste fossile Energie, punkten. Roiss: „Europa gibt gerne vor, Vorreiter in Sachen Umweltschutz zu sein. Aber Faktum ist, dass in den USA Kohlekraftwerke reduziert werden und Gaskraftwerke voll fahren.“ In Europa sei das Gegenteil der Fall. Würde man die Kohlekraftwerke in Europa durch Gas ersetzen, würden die CO2-Emissionen um 18 Prozent sinken.

(kurier) Erstellt am

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