Profitgierige Unternehmen prämiert

Der Public Eye Award zeichnet besonders augenscheinliche Fälle von Profitgier und Umweltsünden aus.

In Davos, wo derzeit das Weltwirtschaftsforum stattfindet, haben Greenpeace Schweiz und die unabhängige NGO Erklärung von Bern (EvB) den "Public Eye Award" - eine Negativ-Auszeichnung für besonders augenscheinliche Fälle von Profitgier und Umweltsünden durch Unternehmen - verliehen. Für den "Schmähpreis", wie Greenpeace und EvB die Auszeichnung auf ihrer eigenen Homepage bezeichnen, waren in Summe sieben Unternehmen nominiert. Ab August konnten Vorschläge an die Jury gerichtet werden – im Anschluss wurde online abgestimmt. Hier die Preisträger: Platz Sieben des Publikumspreises geht mit 1.380 Stimmen an: Alstom. Das französische Energie- und Transportunternehmen wird in der Begründung als „Bestechungs-Profi“ bezeichnet. „Das Vorgehen des Konzerns hat offenbar System: Alstom offerierte wiederholt lokalen Politikern Schmiergeld, um an Aufträge zu kommen. Die Häufigkeit der bekannt gewordenen Fälle legt die Frage nahe, ob es sich dabei um eine bewusst gewählte Geschäftsstrategie handelt.“ Weiter heißt es: „Der Name der Alstom Gruppe taucht auch im Zusammenhang mit korrupten Praktiken und schlechter Geschäftsführung auf, die in Australien, Frankreich, Ungarn, Großbritannien, Polen und den USA Gegenstand von Ermittlungsverfahren sind.“ Platz Sechs mit 1.518 Votes: Lonmin. Der weltweit drittgrößte Minenproduzent mit Sitz in Südafrika wird dafür kritisiert, Polizei und Armee instrumentalisiert zu haben, einen Streik gewaltsam zu brechen. Manager sollen das südafrikanische Bergbauministerium dazu aufgerufen haben, gegen streikende Minenarbeiter der Marikana-Mine die „entsprechenden Massnahmen“ zu ergreifen. 34 protestierende Arbeiter – sie wollten mehr Lohn - wurden daraufhin von der Polizei erschossen, 78 wurden schwer verletzt, 10 Menschen starben im Lauf der weiteren Proteste. Platz Fünf geht an Coal India mit 2.188 Stimmen: Der mit 400 Millionen Tonnen weltweit größte Kohleförderer betreibe 90% aller Kohleminen in Indien und würde weiterhin neue Kohlekraftwerke bauen wollen, was Indien zum drittgrößten CO2-Emittenten der Welt machen würde, wird kritisiert. „Die Kohleminen zerstören den Lebensraum vieler Groß-Säugetiere und rauben Stammesvölkern die Lebensgrundlage und die Heimat, was sie zu einem Leben in bitterster Armut zwingt“, so die Begründung. Mindestens 239 Kohleminen des Konzerns seien ohne Umwelterlaubnis in Betrieb. Zudem ließe die düstere Bilanz mit 205 Toten und 699 Schwerverletzten allein im Jahr 2010 auf katastrophale Arbeitsbedingungen schließen. Mit 2.918 Votes wurde Repower auf Platz vier gewählt: „Der Schweizer Energiekonzern Repower plant gegen den entschlossenen Widerstand der lokalen Bevölkerung, der Behörden und im Widerspruch zur Gesetzgebung im italienischen Kalabrien ein gigantisches Kohlekraftwerk." Der geplante Bau liegt mitten im Herrschaftsgebiet der `Ndrangheta, der weltweit stärksten und gefährlichsten Mafia. Um das Kohlekraftwerk zu verwirklichen, wird Repower nach Einschätzung von staatlichen Antimafia-Behörden mit ihr geschäften müssen, soweit sie dies noch nicht tut.“, so die Begründung. 6.667 Stimmen bescherten dem englischen Sicherheitsdienstleister G4S Platz drei: Die größte Privatarmee der Welt umfasst über 650.000 Beschäftigte. Oft seien die Sicherheitskräfte schlecht ausgebildet, schlecht bezahlt und vorbestraft, so die Kritik. Der in 125 Ländern tätige Konzern sei in zahlreiche Verletzungen von internationalem Recht und Menschenrechten verwickelt. „So betreibt G4S in den besetzten Palästinensergebieten Checkpoints und Gefängnisse für Israel und macht sich damit mitschuldig an der illegalen Siedlungspolitik Israels und an der Folter von PalästinenserInnen in Israelischen Gefängnissen. Weiter sind mehrere Todesfälle bekannt, die sich bei von G4S durchgeführten Ausschaffungen (Anm.: Abschiebungen) ereignet haben.“ Platz zwei des Publikumspreises (10.691 Stimmen) und gleichzeitig mit dem Jury-Award ausgezeichnet wurde: Goldman Sachs. Der „Vampir des Finanzkapitals“  ist laut Begründung „zentraler Akteur in der finanzgetriebenen Globalisierung, die die Profite von wenigen mit explodierender Ungleichheit und der Verarmung breiter Schichten bezahlt.“ Jury-Mitglied Andreas Missbach, Finanzexperte der Erklärung von Bern, sagt dazu: "Die Derivate-Deals von Goldman, die Griechenland in die Eurozone schummelten, verpfändeten die Zukunft der Griechinnen und Griechen. Zudem sind die Manager von Goldman Sachs Meister der Drehtür - durch den Wechsel in politische und öffentliche Ämter sichern sie der Bank die Geschäfte von morgen." Michael Baumgartner, Jury-Vorsitzender der "Public Eye Awards" ergänzt: "Goldman Sachs ist nicht nur einer der Hauptgewinner der Finanzkrise. Mit großem Vorsprung ging der Publikumspreis mit 41.800 Stimmen an den Ölkonzern Shell.  Der „Öljäger in der Arktis“ habe sich der hochriskanten Suche nach fossilen Brennstoffen“ verschrieben und „riskiere so neue CO2-Emissionen.“ Die Bohrungen hätten entsprechend „Auswirkungen auf die biologische Vielfalt.“ So öffne „Shell das einst völlig eisbedeckte Meer der Arktis von Alaska.“ Zudem reiße die Firma den kanadischen Nordwäldern den Boden unter den Füssen weg, um an den ölhaltigen Teersand zu kommen, „sie saugt Öl aus dem tiefsten Bohrloch der Welt fast zweieinhalb Kilometer unter einer Ölplattform im Golf von Mexiko und quält Mensch und Natur im Niger Delta. Wo immer es besonders kontroverse, risikoreiche und schmutzige Formen von Öl zu holen gibt: Shell ist garantiert dabei.“
Für fünf Tage mutiert Davos wieder zum Nabel der kapitalistischen Welt. Ein Blick in die Schweizer Alpen.  "Resilient Dynamism“, zu Deutsch: "Widerstandsfähige Dynamik". Unter diesem sperrigen Slogan treffen sich Spitzenpolitiker und Topmanager aus aller Welt wieder zum "World Economic Forum", kurz WEF. Die Jahrestagung (23.-27. Jänner 2013), bei der Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur über aktuelle weltpolitische Probleme debattieren, findet heuer bereits zum 43. Mal statt. (Bild: Schauspielerin Charlize Theron) Veranstaltungsort ist seit jeher das 11.000-Einwohner-Städtchen Davos in Graubünden. Beschaulich, möchte man meinen. Doch ein Blick hinter die Kulissen der Weltbühne zeigt auch ein anderes Bild. Denn während Mitarbeiter die letzten Vorbereitungen treffen und... ... jeder Winkel noch auf Hochglanz gebracht wird,... ...nehmen im Freien Männer mit anderen Kalibern Stellung.
  Hier patrouilliert ein Schweizer Soldat hinter Stacheldraht mit Fernglas. Nicht der einzige. Insgesamt werden mehr als 5000 Schweizer Polizisten und Soldaten Flugplätze, Straßen und Gebäude sichern. Damit dann beim "jährlichen Klassentreffen der globalen Eliten im Schnee", wie die Neue Zürcher Zeitung die Tagung nannte, auch nichts passiert. Hochbewacht, das Herzstück der Veranstaltung: das Kongress-Zentrum. Um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten, werden zudem Kampfjets den Luftraum überwachen (Ein Eurocopter 635 der Schweizer Armee setzt zur Landung an). Auch das Österreichische Bundesheer ist im Einsatz: Eurofighter werden sicherstellen, dass sich keine unbekannten Flugzeuge über dem Territorium Österreichs dem Konferenzort in der Schweiz nähern können. Österreich wird übrigens diesmal nicht so hochrangig vertreten sein, dasselbe gilt für die USA und China.
 
(apa, KURIER) Erstellt am

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