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Daniel Vasella, einer der bestbezahlten Manager der Schweiz, hat "verstanden, dass die Entschädigung als ungerechtfertigt hoch empfunden wird".
Daniel Vasella, einer der bestbezahlten Manager der Schweiz, hat "verstanden, dass die Entschädigung als ungerechtfertigt hoch empfunden wird". - Foto: APA/LAURENT GILLIERON

Letztes Update am 19.02.2013, 21:54

Beruhigungspille für 58 Millionen. Der scheidende Aufsichtsrats-Boss Vasella verzichtet unter Druck auf seine Abfindung.

72 Millionen Franken, umgerechnet gut 58 Millionen Euro. Damit könnte man sich etwa eine Flotte von mindestens 580 tipptopp ausgestatteten Porsche Cayenne zulegen. Oder per Abfindung einen Topmanager sechs Jahre lang davon abhalten, bei der Konkurrenz anzuheuern. Letzteres hatte der Schweizer Pharmakonzern Novartis vor.

58 Millionen Euro groß hätte der „goldene Fallschirm“ für den scheidenden Aufsichtsrats-Chef Daniel Vasella sein sollen. Hätte, denn in letzter Sekunde wurde dieser Fallschirm wieder eingepackt. Die öffentliche Empörung über die Riesenabfindung war derart groß, dass sich Vasella am Dienstag dem Druck beugte. Der 59-Jährige, einer der bestbezahlten Manager der Schweiz, verzichtete auf die Abfindung. „Ich habe verstanden, dass viele Menschen in der Schweiz den Betrag für das Konkurrenzverbot als ungerechtfertigt hoch empfinden, obwohl ich die Absicht hatte, den Nettobetrag für wohltätige Zwecke zu spenden“, sagte Vasella am Dienstag.

Machtfülle

Vasella, der in seinen jüngeren Jahren als Oberarzt in Bern im Einsatz war und 1988 in die Industrie wechselte, hat immer wieder polarisiert. Als aus der Fusion der Pharma-Konzerne Sandoz und Ciba-Geigy im Jahr 1996 Novartis entstand, rückte Vasella als Vorstandschef an die Spitze des neuen Riesen auf. Dass er drei Jahre danach dann auch noch die Führung des Aufsichtsrates übernahm, brachte ihm immer wieder Kritik ein. Denn damit war er sein eigener Kontrolleur geworden – in einer Welt ordentlicher Unternehmensführung ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Machtfülle wurde auch mehr als ordentlich entlohnt. In Spitzenzeiten soll Vasella einschließlich Aktien und Optionen 40 Millionen Franken (gut 32 Millionen Euro) pro Jahr kassiert haben. Schweizer Medien schätzen, dass er seit der Jahrtausendwende in Summe fast 400 Millionen Franken (324 Mio. Euro) von Novartis bekommen hat. Das empörte nicht nur die Neidgenossen unter den Eidgenossen.

Nachdem die Kritik an der Personalunion Oberboss und Oberaufseher immer härter wurde, trat Vasella vor drei Jahren als Vorstandsvorsitzender zurück. Bei der Novartis-Hauptversammlung diesen Freitag wird er sich auch nicht mehr der Aufsichtsrats-Wahl stellen.

Auch wenn Vasella jetzt auf die Millionen-Entschädigung verzichtet: Allein die Möglichkeit, dass derartig astronomische Beträge möglich sind, wird der sogenannten „Abzocker“-Initiative wohl noch regeren Zulauf bringen. Am 3. März findet in der Schweiz eine Volksabstimmung über Managergehälter statt. Befürworter der Initiative wollen erreichen, dass Aktionäre künftig bindend über die Einkommen von Managern abstimmen können.


EU-Richtlinie

Beschränkung für Banker-Boni

Sonderzahlung darf nicht höher sein als Jahresgehalt.

Brüssel macht ernst bei der Begrenzung der Banker-Boni. Am Dienstag wurden die Verhandlungen zwischen EU-Parlament, Kommission und Mitgliedsstaaten fortgesetzt. Nachdem man sich bei Details nicht einig wurde, soll kommende Woche erneut verhandelt werden.

Kern der Richtlinie: Boni sollen ab 2014 nicht höher sein als das jährliche Grundgehalt. In Ausnahmefällen dürfen sie das Doppelte betragen – vorausgesetzt, die Shareholder treffen eine entsprechende Entscheidung.

„Es muss Fairness, Gerechtigkeit und Transparenz geben“, sagt ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas, der für das Parlament verhandelt. „Wir nehmen niemandem etwas weg, aber wir wollen das Risiko minimieren.“

Viele sehen hohe Sonderzahlungen als Mitauslöser der Finanzkrise, weil riskante Geschäfte belohnt wurden.

Eingesetzt hat sich dafür vor allem das EU-Parlament, das die Boni-Richtlinie mit seiner Zustimmung zu den strengeren Banken-Regeln („Basel III“) verknüpfte. Bedenken gibt es in erster Linie aus Großbritannien.

Applaus bekommen die Mandatare vom deutschen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Er forderte am Dienstag in Brüssel, Banken generell stärker in die Pflicht zu nehmen: Die nächsten Banken-Rettungen sollen nicht mehr mit Steuergeld, sondern aus einem Fonds von Banken-Mitteln bezahlt werden. So wäre die Politik gegenüber den Banken nicht mehr „erpressbar“ .

(kurier) Erstellt am 19.02.2013, 17:16

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