Die vom Korruptionsskandal rund um den Lobbyisten Peter Hochegger gebeutelte Telekom Austria (TA) will sich rund 20 Millionen Euro zurückholen. Und zwar, so TA-Chef Hannes Ametsreiter am Donnerstag „überall dort, wo Zahlungen keine Leistungen gegenüberstehen und wo wir eine juristische Möglichkeit sehen.“ Im Zuge dieser Schadenersatzforderungen gibt es laut Ametsreiter Strafanzeigen gegen rund 20 Personen.
Fast die Hälfte dieser Summe sind – so der TA-Boss – direkte Zahlungen an die Hochegger-Firma Valora. Ein Teil dieser Gelder sollen laut Aussagen von Zeugen im parlamentarischen Korruptionsunterausschuss an praktisch alle politischen Parteien geflossen sein.
In diesem Zusammenhang kündigte Ametsreiter eine weitere personelle Konsequenz an: TA-Kommunikationsmanager Michael Fischer wird vorerst beurlaubt. Der ehemalige ÖVP-Organisationsreferent soll per eMails Zahlungen der TA an die Partei urgiert haben. Ametsreiter: „Wir werfen ihm nichts vor, aber es hat sich eine ungünstige Optik entwickelt.“
Der zweite Brocken sind mit knapp zehn Millionen die Boni, die sich TA-Manager 2004 durch die Manipulation des Aktienkurses geholt haben. Diesem laufenden Verfahren hat sich die TA, wie berichtet, als Privatbeteiligter angeschlossen.
Rücktritt
Banger Blick in die Zukunft: TA-Boss Ametsreiter
Ametsreiter betonte, dass die TA die Korruptionsaffäre „in bester Kooperation“ mit der Staatsanwaltschaft restlos aufarbeiten werde. Er selbst denke dabei nicht an Rücktritt, auch wenn er von den Ermittlungsbehörden als Beschuldigter geführt wird. Die Ermittlungen seien auf eine alte anonyme Anzeige zurückzuführen, die Vorwürfe seien haltlos, die Ermittlungen würden seines Wissens demnächst eingestellt.
Den Deal mit der Bundeswettbewerbsbehörde, mit dem eine Kartellstrafe von 7,2 auf 1,5 Millionen Euro heruntergehandelt wurde, verteidigte Ametsreiter. Solche Gespräche zwischen Behörden und betroffenen Firmen seien ein „üblicher Prozess“, es sei nichts Unrechtmäßiges passiert. Außerdem habe das Kartellgericht die Strafe abgesegnet.
In Zukunft, beteuert Ametsreiter, seien Zahlungen wie in der Hochegger-Affäre nicht mehr möglich. Durch die Einführung neuer interner Regelungen müssen künftig „jedes Sponsoring über 100 Euro“ vom gesamten Vorstand abgesegnet werden. Alle Mitarbeiter müssten eine Schulung über „Compliance“ (rechtmäßiges Handeln, Anm.) absolvieren.
TA-intern soll der Skandal bis zur Hauptversammlung im Mai weitgehend aufgearbeitet sein. Bis dahin soll das deutsche Beratungsunternehmen BDO einen ausführlichen Bericht an den Aufsichtsrat abschließen.
Regelflut: Vorstand droht Überlastung
Das Vorhaben der Telekom, jedes Sponsoring ab 100 Euro im Vorstand beschließen zu wollen, könnte zum Scheitern verurteilt sein, meint Andreas Frohner. Er ist Chief Compliance Officer bei Daimler Buses und damit für das rechtmäßige Handeln der Mitarbeiter zuständig ist. „Als unmittelbare Maßnahme ist die Regel absolut okay. Aber auf Dauer kann das bei einem Unternehmen dieser Größe nicht funktionieren. Die Vorstände werden irgendwann an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen.“
Dauerhaft besser wäre es, präventiv mit Schulungen, Kontrollen und Hotlines für interne Aufdecker (Whistleblower) vorzusorgen als zu viele Regeln zu erlassen. Frohner spricht aus leidvoller Erfahrung. Nach Bekanntwerden eines Korruptionsfalles in den USA, der mit 185 Millionen Dollar Strafe endete, führte der Konzern weltweit 1900 Regeln ein. „Das war viel zu viel.“ Mittlerweile wurde kräftig ausgemistet und auf 1000 reduziert. „Wichtig sind Rahmen-, aber keine Detailregeln“, empfiehlt Frohner der TA. „Denn es gibt Situationen, die sind nicht schwarz/weiß.“
Bilanz: Tiefrote Zahlen, aber Aussicht auf Gewinn 2012
Der heimische Telekomriese kam 2011 auch wirtschaftlich massiv unter Druck. Nach einem Gewinn von 195 Millionen Euro im Jahr 2010 musste die TA 2011 einen Verlust von 252 Millionen Euro ausweisen. Der Hauptgrund dafür sind Abwertungen bei der weißrussischen Mobilfunktochter Velcom. Wegen der galoppierenden Inflation – innerhalb des vergangenen Jahres verdoppelten sich die Preise in Weißrussland – und der Abwertung der Landeswährung um 40 Prozent musste die TA 300 Millionen Euro abschreiben.
Der zweite größte Verlustbringer sind die sogenannten Restrukturierungskosten. Der Abbau beamteter Mitarbeiter im Festnetzbereich schlug sich wegen der dafür notwendigen Sonderabfertigungen mit 234 Millionen Euro in der Bilanz nieder. Auch heuer soll der Personalabbau weitergehen, dafür sind weitere 50 Millionen Euro notwendig. Die Aktionäre bekommen trotz des Verlustes dennoch eine Dividende, diese wird allerdings von ursprünglich angekündigten 0,76 auf 0,38 Euro je Aktie halbiert.
Dreistellig Die Verluste seien, so TA-Chef Ametsreiter und Finanzchef Hans Tschuden, auf einmalige Effekte zurückzuführen. 2012 soll die TA wieder einen Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe einfahren. Denn operativ sei das Unternehmen kerngesund, auch wenn die Umsätze in Österreich und auch bei einigen osteuropäischen Mobilfunktöchtern zum Teil deutlich gesunken sind. Für 2012 erwarten die TA-Chefs neuerlich rund 4,4 Milliarden Euro Umsatz.
Pecik Zugeknöpft ist die TA, was den neuen Großaktionär Ronny Pecik angeht, der mit dem ägyptischen Milliardär Naguib Sawiris knapp 20 Prozent hält. Endziel sind laut Pecik 25 Prozent, in der Branche wird über einen raschen Weiterverkauf spekuliert. Peciks Partner Sawiris will laut News die strategische Führung der Telekom, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
Telefonieren wird teurer
In Österreich steht die Telekom (A1) mit der Übernahme von Orange durch "3" vor einer neuen Wettbewerbssituation. Außerdem muss sie die Übernahme der Orange-Tochter Yesss! verkraften, die sich die Telekom zu Jahresbeginn 390 Millionen Euro kosten hat lassen.
Mit 1. April erhöht A1 die Preise für Festnetztelefonie, verteuert viele Zusatzservices und führt erstmals eine Indexklausel zur automatischen Anpassung der Preise an die Inflationsrate ein - viele Kunden reagieren verärgert (mehr dazu hier).