Schon viel vergossene Milch

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Foto: /GuidoVrola/iStockphoto Nach dem Wegfall der Milchquoten haben viele Bauern ihre Liefermenge erhöht

Die Milchproduktion steigt und steigt. Das Überangebot lässt die Erzeugerpreise purzeln.

Die Liefermengen der heimischen Milchbauern an die Molkereien sind deutlich gestiegen. "Angebotsseitig ist mehr da als im Vorjahr", bestätigt Josef Braunshofer, Geschäftsführer der Berglandmilch. Die als Genossenschaft organisierte Berglandmilch ist mit einem Jahresumsatz von rund 900 Millionen Euro die größte Molkerei Österreichs.

Bei den großen Molkereien beträgt das Plus bei der Milchmenge rund zehn Prozent. Bei kleineren Molkereien sind es sogar 20 Prozent.

Die Nachfrage ist allerdings nicht gestiegen. Im Gegenteil: Die Sanktionen der EU gegen Russland wegen der Annektion der Krim hat Moskau zu einem Einfuhrverbot von landwirtschaftlichen Produkten aus der EU motiviert. Das betrifft nicht nur Milch sondern auch Milchprodukte wie Käse.

Der Markt reagiert wie immer. Wenn das Angebot steigt und die Nachfrage gleich bleibt oder sinkt, dann sinken auch die Preise. Niedrigere Erzeugerpreise motivieren manche Milchbauern dazu, die sinkenden Einkommen durch Mehrproduktion zu kompensieren. Die zusätzliche Milchmenge drückt die Preis weiter nach unten. Das ergibt eine Preisspirale, die sich weiter nach unten dreht.

Bauer gegen Bauer

In Norddeutschland hat das bereits zu massiven Konflikten bei den Milchbauern geführt. Die Solidarität innerhalb der Berufsgruppe ist aufgebraucht. Jene deutschen Landwirte, die ihre Liefermengen kaum angehoben haben, beschuldigen Milchbauern, die nun deutlich mehr Milch an die Molkereien liefern, die Preise zu ruinieren. Unter den Milchproduzenten gilt mittlerweile der Grundsatz: Rette sich, wer kann.

Alle in einem Boot

Bauernbundpräsident Jakob Auer hat daher die Milchbauern daran erinnert, dass sie "alle in einem Boot sitzen". Weniger könne in der aktuellen Situation auch mehr sein, zumal die genossenschaftlichen Molkereien "nicht mehr in der Lage sind, die Überproduktion abzusetzen".

Das Problem wird von Milchbauern in Ländern wie Irland oder den Niederlanden verschärft, die ihre Produktionsmengen nach dem Wegfall der Produktionsquoten in der EU deutlich angehoben haben. Der Verdrängungswettbewerb in der EU wird härter.

Die österreichischen Milchbauern haben schlechte Karten. Kleine Strukturen und alpines Gelände sind Voraussetzungen, die automatisch zu höheren Produktionskosten führen. 2015 haben zwischen fünf und sechs Prozent der Milchbauern aufgegeben. Die einzige Chance der heimischen Milchbauern ist eine höhere Qualität als die Konkurrenz zu erzeugen.

Die aktuelle Marktsituation ist Thema beim EU-Agrarministerrat Mitte März. Im Baltikum ist der Erzeugermilchpreis noch tiefer gesunken als in Österreich. Agrarminister Andrä Rupprechter und Bauernbundpräsident Auer erwarten sich von der EU neuerliche Maßnahmen zur Stabilisierung des Milchmarktes. Wie weit die EU-Kommission dazu bereit sein wird, ist offen. Grundsätzlich strebt die Kommission eine Anpassung der Agrarpreise an den Weltmarkt an.

Das Ende der Quote

Mehr Marktwirtschaft in der EU-Milchwirtschaft

EU-Agrarkommissar Phil Hogan hat es bei seinem Wien-Besuch im Jänner  klargestellt: Exportsubventionen für Milch kann es keine mehr geben. Die Welthandelsorganisation (WTO) hat derartige Förderungen verboten. Die Quotenregelung, mit der festgelegt wurde, wie viel Milch in jedem EU-Land produziert werden darf, ist im April 2015 ausgelaufen. Die EU-Kommission hat auch klargestellt, dass eine Wiedereinführung nicht infrage kommt.

Das war das  Ende eines Modells, das Anfang der 80er-Jahre eingeführt worden war.  In den 70er-Jahren  war die Milchproduktion  deutlich höher als die Nachfrage. Die Überschüsse, auch bekannt als Milchseen und Butterberge, mussten mit hohem finanziellem Aufwand vom Markt genommen werden. Schließlich wurden zur Begrenzung der Produktion Kontingente eingeführt. Wer mehr produzierte, musste  eine sogenannte Superabgabe bezahlen. Die zugeteilten Quoten lagen etwa 10 bis 20 Prozent über dem Verbrauch. Es gab  daher  weiter  Subventionen für den Absatz sowie Richtpreise für Milch.

In einigen EU-Ländern wurden die Milchquoten von den Bauern wie Eigentum gehandelt. Die Quoten  wurden an Betriebe, die mehr produzieren wollten, verpachtet oder verkauft.   

(kurier) Erstellt am
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