Österreicher plündern Sparbücher

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Foto: dpa/Peter Kneffel

Im ersten Halbjahr 2013 zogen die Österreicher fast eine Milliarde Euro ab.

Die Österreicher müssen auf das Sparen verzichten, um ihre Lebenskosten decken zu können. Weil die verfügbaren Einkommen kaum steigen, ist die Sparquote seit 2009 ständig gesunken: Wenn generell weniger im Börsel ist, kann auch weniger auf die hohe Kante gelegt werden.

Im ersten Halbjahr 2013 haben Herr und Frau Österreicher sogar ihre Girokonten und Sparbücher geplündert: Fast eine Milliarde – genau 925 Millionen Euro – an Einlagen wurden abgezogen.

Ein Teil wird offenbar als Bargeld gebunkert: Der Cash-Betrag stieg um 669 Millionen Euro an. Kein Wunder: Bei den aktuellen Niedrigzinsen verlieren die Guthaben ohnehin an Kaufkraft, wenn man die Inflation abzieht. Somit gewinnt die Matratze oder der Wandsafe als Bargeldbunker an Attraktivität.

Hoffen auf Konsum

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) wertet das als Signal, dass die Konsumenten demnächst mehr Geld ausgeben werden. Dass die Österreicher weniger sparen, unterstütze somit die Erholung der Wirtschaft. „Wir erwarten ein deutliches Anziehen des privaten Konsums“, sagt OeNB-Chefvolkswirtin Doris Ritzberger-Grünwald. Im ersten Halbjahr war davon freilich noch keine Rede. Im Gegenteil: „Der private Konsum ist um 1,3 Prozent eingebrochen“, sagt WIFO-Experte Marcus Scheiblecker. Solange die Österreicher nicht auf höhere Einkommen zählen können oder sogar um ihren Arbeitsplatz bangen, werden sie nicht die Spendierhosen anziehen. Wer Geld zur Verfügung hatte, investierte dieses eher in reale Werte als in Finanzanlagen. Die Preise für Wohnimmobilien hätten in Österreich viel später als im restlichen Euroraum zu steigen begonnen. Seit 2003 haben sie dafür gleich um fast 60 Prozent angezogen. Eine Blase sei das aber nicht, beruhigt die OeNB. Die Wohnbaukredite seien nämlich nicht so dramatisch gestiegen.

„Blutleere Erholung“

Dass die Spareinlagen sinken, kommt in Österreich nicht allzu häufig vor: Seit 1995 war das nur drei Mal der Fall. In absoluten Zahlen ist der Rückgang allerdings überschaubar: Seit Anfang 2013 sind die Spareinlagen von 146 auf 143,7 Milliarden Euro gefallen.

Bei den Unternehmen ergibt sich ein gegenteiliges Bild: Sie bunkern immer mehr Geld bei den Banken – zuletzt rund 53 Milliarden Euro. Für Christian Helmenstein, Ökonom der Industriellen-Vereinigung, ist das bedenklich. „Nötige Investitionen bleiben aus, weil die Stimmung und die Ertragserwartungen nicht gut genug sind.“

Die Erholung werde üblicherweise zunächst von Exporten, dann von Investitionen und zuletzt vom Konsum getragen. Jetzt drohten neue Belastungen für die Unternehmen: Stichworte Gruppenbesteuerung, Energieabgabe oder Bonus-Malus-System. Die Erholung drohe damit „sehr blutleer“ auszufallen, warnt Helmenstein.

Kommentar

Zu arm zum Sparen

.Sparbuch-Sparen ergibt angesichts der tiefen Zinsen seit geraumer Zeit keinen Sinn. Das erkennen die Österreicher und ziehen teilweise Vermögen ab. Viele gönnen sich mit dem Geld etwas oder sorgen mit Immobilienkäufen langfristig vor. Doch dann gibt es noch all jene, deren Realeinkommen laufend weniger wird. Sie müssen auf ihr Erspartes zurückgreifen, um halbwegs über die Runden zu kommen. Ist auch das eines Tages aufgebraucht, wird es eng. Die hohe Abgabenquote in Österreich erschwert das Sparen und die Vorsorge für finanzielle Notfälle. Die einfallslosen Steuerpläne der künftigen Regierung deuten nicht darauf hin, dass sie an dem Zustand etwas ändern möchte.

Österreichs Banken

Gewinne in Osteuropa – aber nicht überall

Die Lage ist stabil, aber die Ertragslage verschlechtert sich laut Nationalbank

Karin Hrdlicka, OenB, Österreichische Nationalbank…
Foto: OENB/NELSON

Österreichs Banken verdienen in Osteuropa Geld – aber nicht in allen Ländern. In Summe spielten die Geldinstitute im ersten Halbjahr 2013 rund 1,4 Milliarden Euro ein. Davon entfiel der Großteil auf Russland (500 Mio. Euro) und Tschechien (450 Mio. Euro). Rumänien, Slowakei und Türkei sind ebenfalls positiv. In Ungarn und Slowenien gab es hingegen Verluste, heißt es in einem OeNB-Bericht. Die Zahl der faulen Kredite in Ost- und Südeuropa steigt noch immer – besonders in Kroatien, Rumänien, Slowenien und Ungarn. Insgesamt drohen den heimischen Banken in der Region 15,3 Prozent der Kredite auszufallen (zuletzt 14,8 Prozent). Unter den Fremdwährungskrediten wackeln sogar 20,2 Prozent. Keine Hypo-InsolvenzWeil die Gewinne wegen der niedrigen Zinsen geringer ausfallen, müssen die Banken sparen. Dennoch sei Österreichs Bankensystem stabil, so OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny. Das hätten die Ratingagenturen bestätigt – es werde wegen der Debatte über Problemfälle wie die Hypo Alpe-Adria aber gern übersehen. Bei dieser sei eine Insolvenz oder ein Schuldenschnitt kein Thema, so Nowotny. Die Republik als Eigentümerin müsse für Stabilität sorgen. Für die Zusammenarbeit mit der EZB bei der Aufsicht über Großbanken erhält die Nationalbank eine neue Hauptabteilung. Leiterin wird Karin Hrdlicka, seit 2002 OeNB-Finanzmarktexpertin.

(kurier) Erstellt am
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