Airlines tricksen bei Emissionshan­del

Kondenzstreifen treffen sich in einem Stern vor bl…
Foto: boroviczeny stephan

Einer Studie zufolge verrechnen die Fluglinien Kosten, für die sie gar nicht aufkommen müssen.

Fluggesellschaften profitieren auf Kosten der Passagiere von der geplanten Aussetzung des Emissionshandels (EHS) für die Luftfahrt. Das zumindest legt ein Bericht der Organisation Transport & Environment nahe, der am Dienstag präsentiert wurde. Zwischen 243 und 486 Millionen Euro sparen die Airlines, indem sie den Fluggästen gar nicht anfallende EHS-Kosten in Rechnung stellten.

Die Fluglinien würden sich zunutze machen, dass der EHS für die Luftfahrt für 2012 wahrscheinlich rückwirkend ausgesetzt wird. Ursprünglich sollten sie für jede Tonne CO2 zahlen, die die Flieger in die Luft blasen. Weil sich Länder wie China und die USA massiv wehrten, schlug die EU-Kommission vor, eine internationale Lösung zu suchen und für 2012 bei Interkontinentalflügen zunächst auf das EHS zu verzichten; die Zustimmung von Europaparlament und Regierungen für die Aussetzung gilt als wahrscheinlich.

Kosten schon eingeplant

Fluggesellschaften hatten die erwarteten Zusatzkosten aber schon eingeplant und Tickets verteuert, berichtet Transport & Environment. Auch in einem weiteren Punkt habe zumindest ein Teil der Unternehmen getrickst, vermutet der verbrauchernahe Verband: indem die Unternehmen viele Zertifikate ohnehin umsonst bekamen, aber ihren Wert auf die Tickets aufschlugen. Der Sprecher von EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard forderte die Airlines auf, bei den Tarifen für "größtmögliche Transparenz" zu sorgen.

Ziel des EHS, der für die Industrie schon 2005 eingeführt wurde, ist der Klimaschutz. Indem die Unternehmen, die klimaschädlichen Gase emittieren, dafür zahlen müssen, sollen sie zur Verminderung angehalten werden.

Das Jahr 2012 war mit "nur" 496 Toten das sicherste in der Luftfahrtgeschichte. Das geht aus der Sicherheitsbilanz des Unfalluntersuchungsbüros JACDEC hervor. Die Unfallanalysten haben zudem ein Ranking der 60 sichersten Airlines weltweit erstellt - für die Rangliste bitte weiterklicken. Im JACDEC-Sicherheitsranking 2012 hat die Finnair den Spitzenreiter des Vorjahres, Japans All Nippon Airways (ANA), verdrängt. Als sicherste Fluggesellschaft der Welt liegt Finnair vor Neuseelands Air New Zealand und der Cathay Pacific aus Hongkong. Alle drei hatten seit 30 Jahren weder Flugzeugverluste noch Unfalltote. Die deutsche Lufthansa, Air Berlin und die erstmals berücksichtigte Condor folgen auf den Plätzen elf, 23 und 34. Österreichische Fluglinien sind übrigens nicht gelistet. Air Berlin rutschte wegen mehrerer Zwischenfälle ab - von Rang neun auf 23. "Eine gefährliche Begegnung mit einem Ultraleichtflugzeug bei Zweibrücken, ein aufgrund eines geplatzten Reifens beim Start in Hamburg beschädigter Airbus A320 sowie die Triebwerksexplosion bei einer A330 in Thailand wirken sich negativ aus", begründen die Analysten die Wertung. Die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) musste aufgrund einer Ungeschicklichkeit eines Co-Piloten (er löste unabsichtlich einen Sturzflug aus) und Problemen mit dem Boeing-"Dreamliner" Platz eins hergeben. ANA liegt nun auf Rang 12. Für die Erstellung der Liste werden nicht nur sämtliche Flugzeug-Totalverluste erfasst, sondern auch schwere Zwischenfälle in den vergangenen zehn Jahren. Schlusslichter sind Air India (58)... ...die brasilianische TAM Airlines (59)... ... sowie die aus Taiwan stammende China Airlines (60). Weltweit sank die Zahl der Totalverluste von Flugzeugen - nach Ansicht der Autoren vor allem dank verbesserter Standards bei Ausbildung, Flugzeugtechnik und Luftraumüberwachung. Sie fiel von 45 auf 44 Flugzeuge. Im Bild: Flugzeugunglück in Moskau im Dezember 2012 Riskant bleiben vor allem Regionalgesellschaften in Konfliktländern. Die sichersten Luftfahrt-Regionen liegen in Europa, aber auch Nord- und Lateinamerika. Afrika, Russland, Pakistan oder Nepal mit seinen riskant anzufliegenden Airports sind Problemgebiete. Im Bild: Flugzeugabsturz im Sudan Die meisten Unfälle ereigneten sich mit Flugzeugtypen, die seit Jahren nicht mehr gebaut werden - vor allem robusten, aber betagten Antonow- oder Fokker-Propellermaschine. Im Bild: Antonow-Maschine in Russland Hingegen ging kein einziges der heute in der Produktion befindlichen Flugzeugtypen von Airbus- oder Boeing nach der 2012-Statistik bei einem Unfall verloren.
(apa / aho ) Erstellt am

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