Letztes Update am 29.06.2012, 10:04
Malaysia: Börsegang der Palmölbauern.
Der Palmölproduzent Felda Global legte den zweitgrößten Börsegang des Jahres hin. Umweltbedenken bleiben aufrecht.
Einen Gewinnsprung von 20 Prozent am ersten Handelstag: Davon konnte Facebook nur träumen. Felda Global hingegen gelang Selbiges.
Der nunmehr privatisierte Palmölproduzent aus Malaysia feierte am Donnerstag sein Börsendebüt in Kuala Lumpur, sammelte umgerechnet 2,5 Milliarden Euro ein und legte damit nach Facebook den zweitgrößten Börsegang des Jahres hin.
Nutznießer sind auch jene, die bisher kaum vom weltweiten Palmöl-Boom profitieren konnten: die kleinen Palmölbauern.
Wie von der malaysischen Regierung versprochen, fließt ein Fünftel der Erlöse an Tausende Landwirte, die zudem vergünstigte Felda-Aktien zugesprochen bekamen.
Mit dieser Aktion, die freilich auch im Lichte der herannahenden Parlamentswahlen (Bild: Kuala Lumpur) zu sehen ist, könnte ein Gesellschaftswandel im südostasiatischen Land eingeleitet werden.
In der Vergangenheit war es vielmehr Usus, dass Bauern enteignet wurden, um dann als billige Lohnarbeiter auf den Plantagen ausgebeutet zu werden.
Palmöl ist das weltweit wichtigste Pflanzenöl. Der mit Abstand größte Teil wird in der Lebensmittelherstellung verarbeitet.
Laut Schätzungen enthält jedes zweite Produkt im Supermarktregal Palmöl. Auch in Kosmetika und Biodiesel findet es Verwendung.
Die Nachfrage nimmt weiter zu; in vergangenen Jahrzehnt haben sich die Preise verdreifacht. Österreich bezog im Vorjahr rund 50.000 Tonnen Palmöl.
Die Kehrseite des Booms sind Rodungen enormen Ausmaßes.
Schätzungen gehen davon aus, dass allein in Indonesien, das gemeinsam mit Malaysia für mehr als 80 Prozent der weltweiten Produktion verantwortlich zeichnet, seit den 1950ern eine Fläche, die doppelt so groß ist wie Deutschland, abgeholzt wurde.
Neben Flora und Fauna - hier wird ein Orang Utan wegen Rodungen umgesiedelt - leidet auch das Klima. Wegen der Brandrodungen ist Indonesien schon drittgrößter CO2-Emittent hinter China und den USA.
Ein Gütesiegel, das auch Felda Global führt, soll nachhaltig produziertes Palmöl garantieren. Laut NGOs sind die Auflagen aber zu weich und die Kontrollen mangelhaft.
(kurier)
Erstellt am 29.06.2012, 07:21