Letztes Update am 14.08.2012, 14:05
Italien bangt um seine Luftfahrt.
Nach dem Aus von Wind Jet fürchtet Italien um seine nationale Luftfahrt. Eine Allianz mit Alitalia ist im Vorfeld gescheitert.
Am Sonntag hat die italienische Fluglinie Wind Jet ihre Flüge eingestellt. Grund für Vito Riggio, Präsident der italienischen zivilen Luftfahrtbehörde ENAC, Alarm zu schlagen: "Das ganze nationale Luftfahrtsystem [...] droht zu verschwinden."
Zahlreiche Passagiere saßen am Sonntag auf dem römischen Hauptstadtflughafen Fiumicino fest.
Grund: Die italienische Fluglinie Wind Jet hatte ihre Flüge wegen massiven finanziellen Schwierigkeiten einstellen müssen. Die gestrandeten Passagiere mussten auf andere Airlines ausweichen.
Die sizilianische Wind Jet wurde 2003 gegründet und war mit einem Anteil von 6,2 Prozent die sechstgrößte Fluglinie im Land. Die Airline war auf Flüge im süditalienischen Raum spezialisiert.
Im vergangenen Jahr beförderte die Gesellschaft mit einer Flotte aus 12 Airbussen 2,8 Millionen Passagiere.
Im April hatte Alitalia bekanntgegeben, das gesamte Aktienpaket an Wind Jet übernehmen zu wollen.
Uneinigkeiten über den Kaufpreis ließen Alitalia-Chef Andrea Ragnetti sein Angebot überdenken – er zog es zurück und verzichtete auf die Übernahme. Auch die Kartellbehörde hatte Bedenken geäußert, weil die Übernahme ihrer Ansicht nach die Konkurrenz auf neun nationalen Routen gefährdet hätte.
Nach dem Aus für Wind Jet, befürchtet Italien negative Auswirkungen auf die gesamte nationale Luftfahrt.
"Hier geht es nicht nur um Wind Jet, oder um Alitalia. Das ganze nationale Luftfahrtsystem droht wegen der Konkurrenz von irischen und englischen Lowcost-Gesellschaften zu verschwinden", warnte der Präsident von Italiens ziviler Luftfahrtbehörde ENAC, Vito Riggio, im Interview mit der römischen Tageszeitung Il Messaggero am Montag.
"Die einzige Lösung ist, die Effizienz der Dienstleistungen zu steigern und besonders sparsam zu sein", sagte Riggio. Er bezweifelt, dass Wind Jet vor der Pleite gerettet werden könne. "Für eine Rettung muss man Geld auftreiben und ich sehe nicht woher diese Summe kommen kann", sagte Riggio.
Auf Partnersuche ist derzeit auch insolvente Fluggesellschaft American Airlines (AA) – in Kürze will sie über eine mögliche Fusion mit einem ihrer Konkurrenten entscheiden.
"Wir sind mittendrin im Prozess", sagte der Chef der American-Airlines-Mutter AMR, Tom Horton, der Financial Times. AMR war im vergangenen November nach anhaltenden Verlusten in die Insolvenz geflüchtet.
Wegen der überalterten Flugzeugflotte aus teils 20 Jahre alten Spritschluckern hatte AA besonders mit den stark gestiegenen Treibstoffpreisen zu kämpfen.
Für eine Partnerschaft kamen für die drittgrößte US-Fluggesellschaft mindestens fünf Fluggesellschaften in Frage: US Airways, JetBlue Airways, Alaska Air Group, Republic Airways mit seiner Marke Frontier Airlines sowie Virgin America.
Die Gewerkschaften haben sich vor längerem für einen Zusammenschluss mit US Airways ausgesprochen. Auch für Boss Tom Horton ist dies eine "eine attraktive Option".
US Airways wirbt seit Monaten bei Gläubigern, Personal und Geschäftsführung von American Airlines für die Fusion. Am Umsatz gemessen würden sich damit die drittgrößte und fünftgrößte US-Fluggesellschaft zusammenschließen.
Interesse an einer kleinen Beteiligung an American Airlines zeigt auch der Mutterkonzern von British Airways und Iberia, die ^ (IAG).
Im Juni erst haben sich die südamerikanischen Fluggesellschaften LAN und TAM zum weltweiten Branchenzweiten nach Marktwert zusammengeschlossen.
Beide Airlines hatten ihre Fusionspläne zur Latam Airlines Group erstmals im August 2010 bekanntgegeben.
Die Fusion fällt in einen Zeitraum, wo sich weltweit Airlines angesichts des scharfen Wettbewerbs und anziehender Kerosinkosten verstärkt zusammentun.
(apa, dpa, rts, afp)
Erstellt am 14.08.2012, 13:37