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KURIER
ING-DiBa-Chef Roel Huisman hat leicht lachen: Eine halbe Million Österreicher vertrauen seinem Institut. Nun peilt er die nächste halbe Million an - Foto: Kurier

Letztes Update am 06.08.2012, 15:06

ING-DiBa-Chef: "Bankkunden sind sehr loyal". Die Direktbank ING DiBa ging 2004 mit 50.000 Kunden an den Start. Bis dato hat sie diese Zahl verzehnfacht.

Die Sparzinsen sind im Keller. Österreichs führende Direktbank ING DiBa bietet mehr als viele Konkurrenten. Dennoch sei es schwierig, neue Kunden zu gewinnen, sagt Chef Roel Huisman zum KURIER.

KURIER: Sie haben vor Kurzem das Ziel, eine halbe Million Kunden zu schaffen, erreicht. Was ist das nächste Ziel?
Roel Huisman: Die nächste halbe Million (lacht) . Aber natürlich ist das langfristig gemeint. Wie schnell das geht, wissen wir nicht. In unserer Studie gibt es ein enges Potenzial von 1,1 Millionen Direktbankkunden und erweitert zusätzliche zwei Millionen in Österreich. Intern haben wir aber kein Wachstumsziel. Wir gehen nicht auf Kundenzahl, sondern auf profitables Wachstum.

Wie soll das gelingen?
Wir müssen noch einfacher, attraktiver und zugänglicher werden. So haben wir Mobile Banking und neue Kreditprodukte gelauncht, die Financial Education, etwa über Facebook, ausgebaut und vor Kurzem die gesetzlich vorgeschriebene Kundenlegitimation vereinfacht. Jetzt müssen die Dokumente nicht mehr unterschrieben per Post an uns zurückgeschickt werden, sondern können im Internet hochgeladen werden.

Wie viele Kunden verlassen ING DiBa eigentlich wieder?
Das sind nicht viele. Natürlich gibt es eine kleine Gruppe, die sucht immer die besten Angebote am Markt. Aber im Allgemeinen, und das kennzeichnet den österreichischen Markt, sind die Kunden sehr loyal. Das hat einen Vorteil, wenn sie schon unsere Kunden sind. Aber der Nachteil ist, dass man sehr viel Mühe hat, Neukunden zu akquirieren. Auch wenn hohe Preise und Gebühren immer am meisten als störend genannt werden, bleiben die Menschen ihrer Bank treu. Das ist ähnlich wie beim Wechseln des Strom- und Gasanbieters. Wir müssen also noch mehr Anreize schaffen, damit die letzte emotionale Hürde zum Wechseln übersprungen wird.

Der Wechsel zur DiBa wird vor allem mit den höheren Sparzinsen beworben. Dennoch bleibt auch bei Ihnen nach Abzug der Kapitalertragssteuer und Inflation nichts übrig. Sind nicht auch Ihre Kunden unzufrieden?
Im Allgemeinen verstehen Kunden, dass es für die Banken in diesem Zinsumfeld einfach nicht möglich ist, mehr anzubieten. Natürlich gibt es auch verwunderte Kunden, die mehr erhofft haben. Wir versuchen, das Bestmögliche anzubieten, das können wir mit der schlanken Struktur besser als so mancher Wettbewerber. Im Durchschnitt aller Banken sind es 0,64 Prozent täglich fällig, bei uns 1,5 Prozent.

Aber dennoch bleibt die Rendite unterm Strich negativ. Warum also noch sparen?
Es macht immer Sinn, Geld auch variabel verfügbar zu haben, um flexibel zu sein; etwa, falls ein Gerät im Haushalt kaputt wird. Die Alternative wäre, das Geld daheim in bar zu lagern, das wären 100 Prozent Realverlust in Bezug zur Inflation. Und ein Sicherheitsrisiko ist es auch. Aktien und andere Wertpapiere haben noch viel größere Risiken bezüglich Realverlusten. Die klassische Staatsanleihe etwa ist entweder renditelos oder sie haben eine hohe Rendite, aber auch extreme Risken. Die Situation ist eine Herausforderung für Anleger.

Und Sparguthaben mit Bindung?
Festgeld wäre eine Alternative, aber nur dann, wenn man länger auf das Geld verzichten kann. Wir merken auch ein steigendes Interesse der Kunden daran. Manche Banken sind hier bereit, negative Margen bei längeren Bindungen in Kauf zu nehmen, weil sie Liquidität brauchen. Wir nicht. Sparen macht also weiterhin Sinn, aber nicht alles auf täglich fällig setzen, sondern auch Bindungen überlegen.

Die EZB hat die Leitzinsen auf ein Rekordtief gesenkt. Wie geht es weiter?
Die Hälfte aller Experten sagt eine weitere Zinssenkung voraus und niemand erwartet eine Erhöhung für die nächsten Monate. Wir haben kurzfristig keinen Handlungsbedarf, auch wenn es auf die Margen drückt.

Wie läuft das Kreditgeschäft?
Es geht mit einem Plus von 58 Prozent stark voran. Das liegt auch an den seit sieben Monaten angebotenen festverzinslichen Krediten von bis zu zehn Jahren Laufzeit. Sie haben schon einen Anteil von 40 Prozent bei den Neuabschlüssen. Sie bringen den Kunden mehr Planbarkeit bei den Rückzahlungen. Und die Bonität hat im Gegensatz zu anderen Banken keine Auswirkung auf die Zinshöhe. Sie ist immer gleich.

Wie wird die Eurokrise weitergehen?
Wir müssen uns freuen, wenn das wirtschaftliche Niveau so bleibt und nicht weiter runtergeht. Es gibt viele politische Risiken. Der Euro wird aber nicht zusammenbrechen.

Zur Person: Roel Huisman

Karriere Der 1973 in den Niederlanden geborene Roel Huisman ist seit 1999 in der ING Group tätig. Er zeichnete für Projekte im Bereich E-Business, Einkauf und Zahlungsverkehr verantwortlich. Ab 2006 war er als Manager für den Bereich „Produktmanagement Zahlungsverkehr" zuständig. Seit November 2010 ist er Chef der ING-DiBa Austria. Sein Vertrag läuft noch zwei Jahre. Seine Frau und die drei Kinder leben auch in Wien.

Einlagensicherung Als Tochter der ING-DiBa Deutschland gilt die deutsche Einlagensicherung von theoretisch bis zu 1,35 Mrd. Euro je Kunde. Bei Österreichs Banken sind es für Privatkunden 100.000 Euro je Sparer und Bank.

 

Zinsvergleich: Bei Direktbanken mehr zu holen

Sie haben in der Regel keine Filialen, einen persönlichen Kundenbetreuer gibt es daher auch nicht und erreichbar sind sie nur im Internet oder per Telefon bzw. Fax. Die Direktbanken sind mit der zunehmenden Verbreitung des Internet auch in Österreich auf dem Vormarsch. Pionier war die Linzer Quelle Bank, die 1991 auf zunächst telefonischen Direktvertrieb umgestellt hat. Der richtige Durchbruch erfolgte erst mit der Übernahme durch die ING DiBa im Jahr 2004.

Ihr Erfolg, auch dank hohem finanziellen Einsatz in Marketing und Werbung (Niki Lauda), hat zahlreiche Nachahmer auf den Plan gerufen. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie aufgrund ihrer schlanken Struktur höhere Zinsen bieten können als die etablierten Filialbanken. Diese sind zum Teil nachgezogen und haben eigene Direktbank-Töchter gegründet bzw. bieten reine Online-Sparformen an.

Im aktuellen Zinsvergleich führt bei täglich fälligen Einlagen die Denizbank (sie gehört seit kurzem der russischen Sberbank) mit 1,75 Prozent per annum vor der Denzel Bank (1,65 Prozent) und der Bawag-Tochter easybank (1,55 Prozent). Darüber hinaus gibt es bei der ING DiBa und der direktanlage.at ein halbes Jahr lang Bonuszinsen für Neukunden von 2,25 bzw. 2,10 Prozent. Zieht man die Inflation und die Kapitalertragssteuer ab, bleibt unterm Strich zwar überall ein Verlust. Doch fällt dieser bei Direktbanken deutlich geringer aus. Denn die meisten Filialbanken bieten nur magere 0,125 Prozent. Bei Sparbüchern mit einjähriger Bindung führt die Vakifbank (2,125 Prozent) vor der Denizbank und der Wiener Privatbank (je 2,1 Prozent). Bei den meisten Filialbanken sind es zwischen 0,75 und 1,25 Prozent.

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(kurier) Erstellt am 06.08.2012, 14:58