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KURIER
Prestigeträchtiges Großprojekt auf den ehemaligen Schlachthöfen. - Foto: Media Quarter Marx

Letztes Update am 28.04.2012, 17:28

Fußball, Medien und gute Geschäfte. Media Quarter Marx: Die Stadt Wien hofft inständig, dass der ORF nach St. Marx übersiedelt. Dort wurde ein Firmengeflecht mit bemerkenswerten Hintergründen gesponnen.

Die Begeisterung für Fußball verbindet. Da werden oft Seilschaften geknüpft, die auch im Geschäftsleben hilfreich sind. So wie bei jenem Team, das im Media Quarter Marx die Fäden zieht. Auf dem riesigen Gelände der ehemaligen Wiener Schlachthöfe wächst ein Medien- und TV-Zentrum mit enormen Ausmaßen.

Doch der Reihe nach. Rakhat Aliyev, damals noch kasachischer Botschafter in Österreich, hat ein Faible für Fußball. Sein Sohn trainierte mit persönlichem Coach eifrig beim First Vienna FC 1894 auf der Hohen Warte, die kasachische Botschaft dribbelte dort, und man hatte hochfliegende Pläne mit dem Nationalteam Kasachstans. Präsident der Vienna war Adolf Wala , ehemals Präsident der Oesterreichischen Nationalbank. Den Vereinsmanager machte Christian Bodizs . Der, mit Walas Sohn über Tennis befreundet, werkte zuvor als Croupier und Manager für die Concord Card Casino und gründete selbst ein Poker-Casino. Das verkaufte er bald, das Casino wurde in die Pleite gespielt, der Konkurs mangels Masse abgelehnt. Mit im Bunde noch Andreas Lenzinger , Bodizs-Freund, Ex-Tennishallenbetreiber und Versicherungsverkäufer.

Dann kam die Stadt Wien ins Spiel. Das Rathaus wollte das Media Quarter weiter ausbauen und suchte über seine Technologie-Agentur ZIT private Partner – Public Private Partnership nennen sich solche Geschäftsmodelle. Der Private wurde mit der VBM Beteiligungsmanagement GmbH gefunden. ZIT (40 Prozent) und VBM (60 Prozent) gründeten den Immobilienentwickler, die Media Quarter Marx Errichtungs- und VerwertungsgesellschaftmbH MQM. Lenzinger wird einer der beiden Geschäftsführer.

Eigentümer der VBM sind heute Bodizs und Lenzingers Ehefrau Johanna, Wala war nur am Beginn mit an Bord. Die Stadt Wien lässt sich für ein derartiges Großprojekt mit der Firma eines ehemaligen Croupiers und der Frau eines Tennishallen-Betreibers ein? Einzige Immobilien-Expertise hatte wohl nur Wala, der als Notenbanker für die Tochter IG Immobilien Invest zuständig war.

Vizebürgermeisterin Renate Brauner spielt die heiße Kartoffel an Claus Hofer , von der Stadt entsandter ZIT-Geschäftsführer, weiter. Man habe Investoren, Banken, Baufirmen angesprochen, "aber niemand war so schnell und flexibel wie die VBM, die legte das beste Angebot". Eine Ausschreibung sei nicht notwendig gewesen. Man sei sehr erfolgreich – 85 Prozent der Fläche vermietet und mehr als sechs Prozent Rendite.

Wie die VBM ihren Teil an den 62 Millionen Investitionen finanziert, verrät Bodizs nicht. Dass zwischendurch Geld von Aliyev in der VBM steckte, gibt Bodizs allerdings zu. Aliyev stand, erklärt Bodizs, hinter der A.V. Maximus Holding AG , in deren Aufsichtsrat Wala saß. Bodizs gründete 2007 für die Maximus in München treuhändig die Firma IFF . Mit dem Zweck, Aliyevs Beteiligungen in Kasachstan in einer deutschen Gesellschaft zu bunkern. Die Maximus überwies 1,56 Millionen Euro Stammkapital.

Die Pläne mit der IFF zerschlugen sich, da Aliyevs beträchtliches Vermögen in Kasachstan beschlagnahmt wurde. Aliyev hatte sich mit seinem damaligen Schwiegervater, Staatspräsident Nursultan Nasarbajew, politisch überworfen. Die Kasachen stempelten ihren Ex-Botschafter zum Schwerverbrecher, er habe zwei Manager seiner Nurbank entführen und ermorden lassen. Aliyev präsentiert sich als politisch Verfolgter und bestreitet alles, es gilt die Unschuldsvermutung. Österreich lehnte Aliyevs Auslieferung ab, er habe keinen fairen Prozess zu erwarten. Derzeit wird gegen ihn hierzulande, quasi für die kasachischen Behörden, wegen des Verdachts auf Mord, erpresserische Entführung, Erpressung und Geldwäsche ermittelt. Aliyev, nicht mehr in Österreich, wurde von den heimischen Ermittlern an seinem geheimen Aufenthaltsort befragt.

Andrea Hodoschek
Andrea Hodoschek - Foto: KURIER - Boroviczeny

Da die IFF ihr Kapital also nicht mehr benötigte, flossen 1,475 Millionen Euro als Kredit zur VBM. Ein mündlicher Vertrag genügte. Die VBM kaufte sich damit zur Hälfte in die Marx Media Vienna ein, die in St. Marx inzwischen als technischer Dienstleister für TV-Produktionen fünf Studios hat. Dort werden "Willkommen Österreich", "Stermann und Grissemann" und ATV-Formate produziert. Die Beteiligung an der Marx Media, inzwischen 65 Prozent, wurde aus der VBM in die neu gegründete MMF Beteiligungsmanagement übersiedelt, je ein Drittel daran halten Wala, Lenzinger und Bodizs. Nach außen hin scheint eine Anwältin auf. Mit zehn Prozent mischt Martin Kraml , Ehemann der Ex-EU-Abgeordneten Karin Resetaris , noch bei der Marx Media mit, 25 Prozent gehören der Telekom.

Das Darlehen der IFF wurde 2008 zurückgezahlt, beteuert Bodizs. Aliyev habe heute weder Geld noch eine Beteiligung im Umfeld des Media Quarters, versichert sein Anwalt Otto Dietrich. Wala legte seinen Aufsichtsrat bei der Maximus 2009 zu- rück. Warum er das Mandat überhaupt annahm? Ein Anwalt habe ihn gebeten, auf die Einhaltung des Aktienrechts zu schauen. Aliyev habe er seit Jahren nicht mehr gesehen. In die VBM sei er, sagt Wala, nur gegangen, weil er um Starthilfe gebeten wurde. Die Stadt habe niemanden gefunden, der "bei dem sehr erfolgreichen Projekt mitmachen wollte". Bodizs ist außerdem auch Chef über die Gastronomie in St. Marx.

Sollte der ORF nach St. Marx übersiedeln, würde das Grundstück nicht von der MQM, sondern von der Stadt zur Verfügung gestellt. Für die MQM würde der ORF als Nachbar den Standort freilich immens aufwerten und weitere Mieter anlocken. Demnächst zieht der Wiener Privatsender PULS 4 ins MQM, die Wiener Zeitung kommt auch. Das zur Wiener SPÖ gehörende Echo-Medienhaus ist schon dort. Nicht ganz freiwillig, heißt es. Den Mitarbeitern dürfte der Umzug nicht guttun, ein Schamane beseitigt jetzt Verstimmungen.

(kurier) Erstellt am 28.04.2012, 15:01

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