Sneaker-Trend: Bloomberg erstellt seit 2008 den Oregonian Sneaker Index. Dort enthalten etwa die weltweite Nummer eins Nike und der deutsche Rivale adidas.
Sneakers, oder einfach Sportschuhe, wie sie in den 90er-Jahren genannt wurden, haben tatsächlich einen eigenen Börsen-Index: Den Bloomberg Oregonians Sneaker Index. Enthalten sind 34 Sportartikelhersteller wie US-Konzern Nike und sein größter Konkurrent adidas. Seit Beginn 2010 ist der Sneaker-Index um 60 Prozent gestiegen. Wesentlich stärker als manch anderer Index: Der Bloomberg World Index legte im Vergleichszeitraum nur acht Prozent zu.
Für adidas sieht es derzeit hervorragend aus. "Unser Unternehmen war nie gesünder als jetzt", ließ Vorstandschef Herbert Hainer Ende 2011 die Süddeutsche Zeitung wissen. Die Zahlen geben ihm recht: In den vergangenen zwölf Monaten schaffte die Aktie des deutschen Unternehmens aus Herzogenaurach ein Plus von knapp 23 Prozent. Für 2011 hatte der Konzern einen Überschuss von 660 Millionen Euro und einen Anstieg des Umsatzes ohne Währungseffekte um annähernd zwölf Prozent in Aussicht gestellt. 2012 erhofft sich Finanzchef Robin Stalker weitere Umsatzsteigerungen. Argumente dafür gibt es genug.
Olympia und EM
Erstens stehen die zwei Großereignisse Olympia und die Fußball-Europameisterschaft an. Nirgendwo sonst haben Sportartikelhersteller eine derartige Bühne, um ihre Produkte zu präsentieren – von athletischen Körpern in Szene gesetzt. Während Olympia für die Branche eher einen Prestigegewinn bedeutet, zieht bei wichtigen Fußballmeisterschaften der Umsatz von Fanprodukten, Trikots, Schuhen und Bällen massiv an. Sechs Teams, die mit den Streifen von adidas dribbeln werden, haben sich für die EM in Polen und der Ukraine qualifiziert, darunter auch der Titelverteidiger Spanien, Mitfavorit Deutschland und das Gastgeberland Ukraine. "Bei der Fußball-WM 2010 hatten wir einen gesamten Fußball-Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Sie können davon ausgehen, dass wir diesen Wert 2012 übertreffen werden", sagt adidas-Finanzchef Stalker selbstsicher.
Argument Nummer zwei: In diesen Tagen eröffnet adidas in Hamburg das erste Geschäft seines Mode-Labels für Frauen zwischen zwölf und 19 Jahren: Neo. Bisher ist die auf Lifestyle ausgerichtete Linie nur in Russland, China und Indien erhältlich. WestLB-Analyst Thomas Effler sieht hierin durchaus Potenzial. Drittens gewinnt adidas weiter Marktanteile. "In den USA mit Reebok, aber vor allem auch in den Schwellenländern", sagt Analyst Effler. In Russland hält adidas laut Effler mit 40 Prozent bereits die Marktführerschaft, adidas-Vorstandschef Herbert Hainer rechnet bis 2015 mit einem Wachstum von mindestens zehn Prozent jedes Jahr. Nike, weltweit die Nummer eins der Branche, tut sich hier vergleichsweise schwer.
Die Konkurrenz
Nike und adidas liefern sich schon seit Längerem ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Spitzenposition in den wichtigsten Märkten. Trotz der ehrgeizigen Bestrebungen der adidas-Manager ist es bisher jedoch nicht gelungen, den Weltmarktführer einzuholen. Auch Nike profitiert von der wachsenden Kauflust in den Schwellenländern – allen voran China – und den Sportereignissen in diesem Jahr. Die Bestellungen für Waren, die bis zum April ausgeliefert werden, summierten sich bei Nike auf 8,9 Milliarden Dollar, ein Plus von 13 Prozent. Die Aktie legte in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 20 Prozent zu. Bis auf Japan konnte Nike in allen Märkten mehr absetzen. In Nordamerika legten die Umsätze im zweiten Quartal um 21 Prozent auf gut zwei Milliarden Dollar zu, der operative Gewinn stieg zweistellig. Für das im Mai 2012 auslaufenden Geschäftsjahr erwartet Nike einen Umsatzanstieg von rund 18 Prozent.