Friday, May 25, 2012

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Thema: Finanzierung

Dividenden: Auf Ausschüttung setzen

Unternehmen, die Aktionäre mit soliden Zahlungen an ihrem Erfolg teilhaben lassen, bringen auch in schwachen Marktphasen Erträge.

Letztes Update am 16.02.2012, 09:13


Der Salzburger Kranhersteller Palfinger, der Schweizer Pharmariese Roche, der US-Spielwarenkonzern Mattel und viele andere Unternehmen haben dieser Tage eine Sache gemeinsam: Sie erfreuen ihre Aktionäre mit einer Anhebung der Dividende (ausgeschütteter Teil des Gewinns). Die Schuldenkrise hat zwar insbesondere in Europa die Aktienkurse im Vorjahr stark nach unten getrieben. Doch die Unternehmen selbst haben großteils gut verdient. Denn die Wirtschaft lief vor allem im ersten Halbjahr gut. Anleger in Werte des Frankfurter DAX-Index dürfen sich für das Vorjahr auf Dividenden von insgesamt 27 Milliarden Euro freuen – die zweithöchste Ausschüttungsrate aller Zeiten. Nur 2007 lief mit 27,2 Milliarden Euro noch besser, 2010 waren es 25,6 Milliarden.


Kranhersteller Palfinger aus Salzburg

Karola Gröger von M&G Investments gibt daher eine klare Empfehlung ab. „Im Portfolio sollten sich dividendenstarke Titel finden.“ Ist ein Investor auf Einzelaktien aus, dann rät Denise Kissner, Produktspezialistin bei der Fondsgesellschaft DWS, bei der Auswahl auf Werte mit einer nachhaltigen Dividendenpolitik zu achten. „Es kommt nicht auf die Dividendenrendite allein an. Wichtig ist auch, ob regelmäßig gezahlt wird und wie hoch die Ausschüttung im Verhältnis zum Gewinn ist.“ Die höchsten Dividendenrenditen (prozentuale Ausschüttung bezogen auf den aktuellen Kurs der Aktie) in Europa weisen unter anderen die spanische Telefonica (zwölf Prozent), Total und Vivendi aus. Norbert Janisch, Fondsmanager bei Raiffeisen Capital Management, schränkt aber ein. „Gute regelmäßige Dividendenzahlungen sind wichtiger als hohe Dividendenrenditen.“

Auf nachhaltige Steigerungen würden hingegen laut Kissner solide Bilanzen und hohe Cashbestände schließen lassen. Auch eine Verpflichtung zur Steigerung wie bei Johnson&Johnson lockt Dividendenjäger. Klassische Dividendenwerte kommen aus etablierten Branchen wie Versorgung, Telekom, Healthcare und nicht zyklischer Konsum. Dazu gesellen sich auch vereinzelte Werte aus anderen Bereichen wie IT (z.B. Intel).

Fonds

Wer keine Einzelaktien kaufen will, kann auch über Investmentfonds mit Schwerpunkt Dividendentitel investieren. Kissner: „Sie sind für alle konservativen Aktienanleger geeignet, die gerne eine regelmäßige Ausschüttung wollen.“ Sie würden derzeit auch mehr bieten als Anleihen. Dividendenfonds seien auch für den langfristigen Vermögensaufbau im Rahmen eines Sparplans geeignet. „Die Dividendenzahlung bietet einen gewissen Ausgleich bei Abwärtsbewegungen“, ergänzt Janisch. Anleger sollten wie bei Aktienfonds üblich „ein paar Jahre“ investiert bleiben.

M&G legt bei ihrem Fonds Global Dividend den Fokus auf „Dividendensteigerer“. Von den rund 50 enthaltenen Titeln konnten viele in den vergangenen 15 Jahren ihre Dividende jährlich steigern, darunter Coca-Cola, Novartis, Wal-Mart oder Nestlé. Einige enthaltene Werte sind aus Brasilien. Kröger: „Dort müssen Unternehmen, die einen Gewinn erzielen, 25 Prozent davon ausschütten.“ In Japan hingegen seien Dividenden unüblich. Der M&G-Fonds konnte in den vergangenen drei Jahren 20,5 Prozent per anno zulegen und zählt damit zu den besten seiner Zunft.

Der DWS Top Dividende kommt auf 9,7 Prozent per anno seit Auflage 2003. Risikoaverse Anleger können die Dividendenstrategie mit einem Garantieprodukt absichern.

Zu hohe Dividenden schaden

In der Vorwoche kündigte der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück an, das Doppelte des im Vorjahr erzielten Gewinns auszuzahlen. Das treibt zwar die Dividendenrendite nach oben, erfreut aber Fachleute wenig. „Generell sollte die Dividende durch den Gewinn gedeckt sein“, sagt Denise Kissner von DWS. Zu hohe Ausschüttungen könnten sich in späteren Jahren rächen, falls es wegen nicht vorhergesehener wirtschaftlicher Probleme keinen Kapitalpuffer für eine stabile Dividende gebe. In dem Fall müsste die Auszahlung gekürzt werden. Das freut Aktionäre nicht und hat oft einen Kursrutsch zur Folge – wie auch nach Kürzungen bei Flughafen Wien oder Telekom Austria. Oftmals ist bei Unternehmen mit Staatsanteil eine zu hohe Ausschüttung auch politischer Wille, um mehr Einnahmen fürs Budget zu lukrieren.

Unternehmen, die wenig von Konjunkturzyklen abhängig sind, können laut Fondsmanagern durchaus gefahrlos bis zu drei Viertel ihres Jahresgewinns ausschütten. Alle anderen sollten sich auf rund ein Drittel beschränken. Für RCM-Fondsmanager Janisch gibt es aber auch Ausnahmen. „Eine höhere Ausschüttung ist sinnvoller als eine überbewertete Akquisition.“ Und ein hoher Cashbestand bringt bei den derzeit niedrigen Zinsen auch nicht viel.

Dividendenrenditen im zweistelligen Prozentbereich (je nach Börsensituation zum Teil auch schon darunter) werden oftmals als problematisch angesehen. Denn dann gibt es zum einen nur noch wenig Spielraum nach oben für Erhöhungen. Zum anderen könnte der tiefe Aktienkurs auf Probleme des Unternehmens hindeuten.


Letztes Update am 16.02.2012, 09:13


Artikel vom 09.02.2012 14:32 | KURIER | Robert Kleedorfer | « zurück zu Finanzierung


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