Deutlich mehr Übernahmen in Österreich

Größter Deal im ersten Halbjahr: Immofinanz kauft Paket an der CA Immo
Zahl der Transaktionen stieg um 38 Prozent auf 182

Die Zahl der Übernahmen nimmt in Österreich deutlich zu. Das zeigt die erste Ausgabe der künftig halbjährlich erscheinenden Analyse „M&A-Index für Österreich“ des Unternehmensberaters EY. Die Anzahl der Transaktionen mit österreichischer Beteiligung stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 38 Prozent von 132 auf 182. Der Gesamtwert legte von 2,0 auf 2,8 Milliarden Euro zu – das Durchschnittsvolumen der Deals blieb hingegen mit rund 15 Millionen Euro nahezu gleich.

Dabei stieg vor allem die Zahl der ausländischen Investoren, die bei österreichischen Unternehmen einstiegen. Gleichzeitig nahmen auch die Investitionen heimischer Unternehmen im Ausland zu. Von den 182 Deals fällt der Großteil (37 Prozent) in die Kategorie „Inbound“ – dabei erwerben ausländische Investoren Unternehmen oder Unternehmensanteile in Österreich. Fast gleich hoch (36 Prozent) ist der Anteil an Transaktionen, bei denen österreichische Investoren bei ausländischen Unternehmen eingestiegen sind („Outbound“). Bei 27 Prozent waren sowohl Käufer als auch Zielunternehmen aus Österreich.

Im ersten Halbjahr gaben strategische Investoren gegenüber Finanzinvestoren den Ton an: Bei 169 von 182 Transaktionen waren Unternehmen, die ihr eigenes Geschäftsmodell durch einen Kauf stärken oder neue Geschäftsfelder erschließen wollen, die Käufer – das entspricht einem Anstieg um rund 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Demgegenüber stehen 13 Deals, bei denen Finanzinvestoren als Käufer tätig wurden.

Unter Zugzwang

„Durch die Digitalisierung sind Unternehmen jeglicher Größenordnung unter Zugzwang, ihre Geschäftsmodelle gegebenenfalls anzupassen“, sagt Robert Hufnagel, Geschäftsführer M&A Advisory bei EY Österreich. „In vielen Fällen können sie die nötigen Innovationen nicht aus dem Unternehmen heraus entwickeln und suchen deshalb nach Übernahmezielen mit entsprechendem Know-how.“ Gleichzeitig würden sich viele aber auch zu radikalen Maßnahmen, wie Abspaltungen ganzer Geschäftssparten, gezwungen sehen. „Beide Entwicklungen befeuern Übernahmen von Unternehmen oder Unternehmensanteilen, sagt Hufnagel.

Dementsprechend gab es auch im sich momentan besonders stark wandelnden Industriesektor die meisten Transaktionen mit österreichischer Beteiligung (40), gefolgt von der Immobilien- und Baubranche (36) und dem Technologie-Bereich (28). Das höchste Gesamtvolumen floss mit insgesamt 1,5 Mrd. Euro aber im Immobiliensektor – fast zwei Drittel davon (955,2 Millionen Euro) entfielen alleine auf die zwei größten Deals: Für den Erwerb von 26,5 Prozent der CA Immo investierte die Immofinanz 603,7 Millionen Euro, für den Kauf von 18,5 Prozent der BUWOG zahlte der niederländische Finanzinvestor Sapinda 351,5 Millionen Euro.

Gute Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen für einen starken Transaktionsmarkt dürften weiter positiv bleiben, erwartet Eva-Maria Berchtold, Partnerin und Leiterin des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY: „Momentan ist gerade aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen enorm viel Liquidität im Markt. Investoren suchen nach renditeträchtigen Anlagen und damit nach attraktiven Übernahmezielen.“ Auch wenn eingetrübte Konjunkturaussichten und die momentane Unsicherheit auf den Finanzmärkten für einen kurzfristigen Dämpfer sorgen könnten, werde das Klima für Übernahmen und Zukäufe vielversprechend bleiben.

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