DSDS: Pensionist klagt RTL nach Verspottung

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Foto: RTL Screenshot Ein Screenshot des Videos: Der Urlauber Herbert P. schwimmt ahnungslos an der Jury vorbei durch die Dreharbeiten und findet sich später im Fernsehen wieder.

Ein Niederösterreicher fand sich nach dem Urlaub im TV wieder. Als Monster bloßgestellt. RTL wollte ihn mit 9000 Euro abspeisen, jetzt kommt es zum Prozess.

Als der 69-jährige Niederösterreicher Herbert P. nach dem Urlaub auf den Malediven seinen Wagen zum Service in Tulln stellte, prusteten die Mechaniker: "Mir ham ihna im Fernsehen g’sehn, ha­haha!"

Überall, wo P. hinkam, schüttelten sich seine Bekannten, aber mitunter auch wildfremde Leute, vor Lachen: "Hahaha, das Monster aus der Tiefe."

"Sogar der Chef meiner Lebensgefährtin hat uns darauf angesprochen", erzählt der pensionierte Zahntechniker dem KURIER. "Und mein Cousin aus Deutschland hat angerufen, von dem ich schon lange nichts mehr gehört hab. Alle haben sich über mich lustig gemacht."

Was war denn dermaßen komisch, dass alle so aus dem Häuschen sind? Der TV-Sender RTL mit Sitz in Köln hatte im November 2010 auf den Malediven "Deutschland sucht den Superstar 2011 – Recall" gedreht – und Herbert P. gefunden. Dieser hatte damals als Spätfolgen seines Berufs Lungenprobleme, und sein Arzt riet zur Meerluft. Herbert P. bezog mit seiner Lebensgefährtin im Resort "Sun-Island" einen Bungalow, ging schwimmen und tauchte, völlig ahnungslos, mitten in den Dreharbeiten auf.

Monate später strahlte RTL das "auf das Schlimmste zusammengeschnittene" (Herbert P.) Intermezzo als Pausenfüller aus, unterlegt mit einer aus Horrorfilmen bekannten Musik.

Unberechenbar

Anwalt Foto: KURIER/Schaffer Hans Peter Anwalt Josef Wegrostek klagt für Herbert P. weitere 21.000 € ein.

Der Vorspann: "Und jetzt, grausam, gefährlich, gefräßig – das Monster aus der Tiefe." Eine Stimme aus dem Off sagt: "Es ist unberechenbar, jetzt geht es an Land." Man sieht Herbert P., nur mit einem Augenbalken notdürftig verdeckt, wie er aus dem Wasser steigt.

Am Strand sitzt die Jury von "Deutschland sucht den Superstar". Moderator Dieter Bohlen sagt: "Der sieht aus wie ’ne Flasche Bier." Co-Moderatorin Fernanda Brandao fügt hinzu: "Ja, aber das finden kleine Mädels toll"... Und später: "Wäh, guck mal, der ist auch noch behaart, iih."

Anfangs wollte Herbert P. gar nicht mehr aus dem Haus gehen, aus Angst, dass ihn jemand erkennt und auf die TV-Sendung anspricht. Noch heute erlebt es der 69-Jährige manchmal, dass ihm Leute hinterher rufen: "Ah, das Monster kommt."

Er kann sich davon nur schwer erfangen. "Ich hab’ einen Nervenarzt gebraucht."

RTL zahlte freiwillig 9000 Euro Entschädigung und fand das "äußerst großzügig bemessen". Mithilfe seines Anwalts Josef Wegrostek klagt Herbert P. im Landesgericht Korneuburg nun weitere 21.000 Euro Schmerzensgeld ein. Die anerkannte Gerichtspsychiaterin Gabriele Wörgötter attestiert Herbert P., dass bei ihm "durch den herabwürdigenden TV-Beitrag ein krankheitswertiges psychiatrisches Störungsbild ausgelöst wurde". Wegen der Kränkung hat er 50 Tage psychische Schmerzen erlitten.

"Als ich aus dem Urlaub kam, war ich der fröhlichste Mensch ..., und dann das", sagt der Niederösterreicher: "Ich konnte nicht schlafen, lag jede Nacht wach, nur wegen so einem Blödsinn."

(kurier) Erstellt am
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