Airbus A380: Riesenvogel im Anflug auf Wien

The first class section of an Emirates airlines Ai…
Foto: AP/Kamran Jebreili Airbus A380: Ready for boarding

Emirates will ab 1. Juli täglich mit dem Superjumbo starten. Vorbereitungen am Flughafen laufen auf Hochtouren.

Lange hat’s gedauert, aber jetzt soll alles sehr schnell gehen. Emirates hat offiziell um die Genehmigung für den Einsatz des Airbus A380 angesucht. Als Start-Termin steht im Antrag an die Flugsicherung Austro Control der 1. Juli. Die Aufsteiger vom persischen Golf wollen mit dem Großraumflugzeug den täglichen Nachmittagsflug ab Wien und die Morgen-Rotation ab Dubai bedienen.

Die Entscheidung der Austro Control dürfte nicht lange auf sich warten lassen. Im Kabinett von Verkehrsminister Gerald Klug heißt es, die Sache werde "zeitnah" erledigt. Insider rechnen mit wenigen Wochen. Wird auf jeden Fall spannend.

Emirates will die Drei-Klassen-Konfiguration mit 489 Sitzen anbieten. 399 Plätze in der Holzklasse, 76 Flachbett-Sitze in der Business Class und 14 Privatsuiten in der First Class.

FILE - This file photo taken Sunday, May 4, 2014, … Foto: AP/Kamran Jebreili Wer das nötige Kleingeld hat – Schlafzimmer im A380 von Etihad Die Ankündigung, ab Mai mit dem A380 in Prag zu landen, dürfte den Flughafen Wien zusätzlich beflügelt haben. Die Start- und Landepiste ist A380-tauglich, im Dezember erhielt der Airport die Linien-Konzession für das derzeit größte Verkehrsflugzeug. Der Riesenvogel kann direkt am Terminal über zwei Fluggastbrücken (Finger) andocken.

Allerdings nur auf einer Ebene. Die First- und Business-Passagiere in der oberen Etage müssen die Treppe im Flugzeug benutzen. Bequemer wäre ein zweistöckiger Terminal. Dessen Bau dürfte wegen der Genehmigungsverfahren allerdings ein gutes Jahr dauern und würde mehr als zehn Millionen Euro kosten.

Auch die Spezialfahrzeuge, um den Flieger mit knapp 80 Meter Flügelspanne, 72,7 Meter Länge und 24 Meter Höhe am Vorfeld zu bewegen, sind vorhanden. Offen ist noch der Standort einer Lounge.

Norbert Kettner, Chef des Wien Tourismus, sieht den A380 als "Gewinn. Wien ist groß genug, sowohl für den Home-Carrier AUA als auch für Middle-East-Airlines". Die spendablen Gäste aus den Emiraten lassen sich den Österreich-Aufenthalt wesentlich mehr kosten als die Russen, die wegen der Sanktionen ausbleiben.

Der Wegfall der Visa-Pflicht wirkte wie ein Turbo. Die Zahl der Besucher aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) schnellte im Vorjahr um 42 Prozent auf 57.000 Gäste hinauf.

Der Home-Carrier verfolgt den Höhenflug der arabischen Konkurrenz naturgemäß mit wenig Begeisterung. AUA-Sprecher Peter Thier kommentiert nur knapp: "Es kommt nicht auf die Größe an. Punkto Qualität fühlen wir uns sehr gut ausgestattet".

In den vergangenen Jahren hatte die AUA, unterstützt von der Mutter Lufthansa, bei den Behörden mit dem Argument "Vermeidung von Überkapazitäten" erfolgreich gegen den hochprofitablen Erzrivalen (zuletzt mehr als eine Milliarde Euro Netto-Gewinn) lobbyiert. Während der A380 schon in halb Europa landete, wurde der Einsatz in Wien per Bescheid immer wieder ausdrücklich verboten. Seit fünf Jahren muss Emirates der heimischen Luftfahrtbehörde außerdem penibel jedes Monat alle Anschlussflüge der knapp 394.000 Dubai-Passagiere melden.

Um nachzuweisen, ob Emirates die Direktverbindungen der AUA gefährde. Gemessen an den AUA-Langstrecken-Passagieren liegt der Anteil an Emirates-Kunden, die über Dubai zu AUA-Destinationen weiterfliegen, jedoch nicht einmal bei fünf Prozent. Andererseits musste die AUA ihre Dubai-Flüge im Vorjahr wegen Verlusten einstellen.

Emirates ist nicht der einzige Wüstenflieger, der auf Wien setzt. Qatar hebt täglich nach Doha ab, die Air-Berlin-Tochter Niki nach Abu Dhabi. Von dort verteilt Etihad, die Air Berlin vor der Pleite rettete, die Passagiere weltweit weiter.

Die Strategie der Scheich-Airlines geht auf. Passagiere von Europas Flughäfen absaugen und über die Wüsten-Drehkreuze in die eigenen Langstrecken-Netze umleiten.

Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung 2012 Foto: dapd/Ronny Hartmann Eigene Bar für die First-Class-Klientel im A380 von Emirates Für die EU-Fluglinien sind die Golf-Carrier die Erzfeinde, denen sie unfaire Subventionen durch ihre staatlichen Eigentümer vorwerfen. Auch die großen US-Airlines machen gegen Emirates & Co. mobil. Lufthansa-Chef Carsten Spohr forderte kürzlich stärkere politische Unterstützung, bis hin zu "Marktzugangsbeschränkungen". Das gelte auch für Turkish Airlines. Die EU-Kommission reagierte und will mit den Golfstaaten neue Abkommen aushandeln. Sollten sich unfaire Beihilfen nachweisen lassen, könnten die Landerechte beschränkt werden.

Direkte Subventionen konnten bis jetzt nicht bewiesen werden. Doch die Emirate haben, im Gegensatz zu Europas Regierungen, Luftfahrt als prioritäre Wachstumsindustrie definiert, der alle Hindernisse aus dem Weggeräumt werden. Nachtflugverbote, Baubeschränkungen für Airports oder Ticketsteuern sind undenkbar. Die Arbeits-Bedingungen sind freilich auch nicht mit Europa vergleichbar. Meint der Lufthansa-Boss: Man könne gegen jeden privaten Wettbewerber bestehen, nicht aber "gegen die reichsten Staaten der Welt".

(kurier) Erstellt am
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