Letztes Update am 26.06.2012, 06:57
45 Jahre Bankomat - Codewort: "Cash wie Candy“.
Die Erfindung eines schrulligen Schotten gibt`s heute zwei Millionen Mal weltweit – der Bankomat als Objekt vieler Begierden.
Die Erfindung eines schrulligen Schotten gibt`s heute zwei Millionen Mal weltweit – der Bankomat als Objekt vieler Begierden.
Klingt buchstäblich süß, wie der einstige Army-Fallschirmjäger, Geldtransport-Experte und Hobby-Erfinder aus Schottland, John Shepherd-Barrons, vor 45 Jahren die Idee für den Bankomaten entwickelte: Er wollte „Cash wie Candy", also an sein eigenes Bargeld immer und überall frei herankommen – so wie er die Schokolade aus den Sweets-Automaten holte.
Am 27. Juni 1967 hob der Schauspieler Reg Varney in Enfield Town im Norden Londons als erster Mensch dieser Welt einen (!) Schein vom – vielbestaunten – Gerät der Barclay`s Bank ab.
Mittlerweile gibt es nahezu zwei Millionen Bankomaten rund um den Erdball. In Österreich, wo die Ära der Apparate 1980 begann, wird heute rund 200 Millionen Mal pro Jahr von knapp 8000 Bankomaten Wunder-Bares behoben – solange der Vorrat und die eigenen Guthaben dafür reichen.
Für Kunden, deren Kredit überzogen ist, wurden längst Witze und Schüttelreime erfunden. Etwa: „Ich brauche bereits vier Kirschen in einer Reihe, um Geld zu kriegen" oder gar „Weil ich um Geld trotz Manko bat / verhöhnte mich der Bankomat". Hier aber nun die seriöseren Fragen und Antworten.
Wie funktionierte der erste Bankomat? Plastikkarten waren dafür noch nicht erfunden. Um an Geld zu kommen, wurde ein Scheck zugeführt, der mit einer leicht radioaktiven Substanz (Carbon 14) beschichtet war, die von der Maschine "erkannt" und mit einem PIN-Code abgeglichen wurde.
Was heißt "Bankomat" in anderen Sprachen? Die Franzosen sagen Billeterie, die Griechen nennen es amtlich übersetzt "Mechanischer Transaktionsapparat", die Spanier Cajero Automatico (automatischer Kassierer), Türken (Paramatik) wie Ungarn (Penzautomata) Geld-Automat. Und in der Jugendsprache heißt`s "Schottergott".
Wie entstand der vierstellige Zifferncode? Der Legende nach, weil die Ehefrau des Erfinders, Caroline, bei einer Plauderei in der Küche ihren Mann von einem sechsstelligen Code abbrachte: Sie konnte oder wollte sich nicht mehr als vier Zahlen merken.
Wo sind die Rekord-Bankomaten der Welt? Der höchstgelegene Bankomat der Welt steht angeblich in Tibet (5000 Meter Seehöhe), der tiefstgelegene am (westjordanischen) Ufer des Toten Meeres (400 Meter unter Meeresniveau). Am allerersten Bankomat in der Enfield High Street erinnert nur eine unscheinbare Plakette an die "Geschichtsträchtigkeit" des Schauplatzes.
Gründer-Vater Shepherd-Barron meinte in einem seiner raren Interviews, er hätte in einem abgelegenen thailändischen Dorf das Ausmaß seiner Erfindung erkannt, als ein armer Bauer vom uralten Traktor stieg und ein Bündel zerknitterter Scheine behob. "Wir haben die Welt verändert", soll er da seiner Frau – ganz Understatement – zugeflüstert haben.
Wie sieht es mit Österreichs Bankomat-Kriminalität aus? Seit dem 1. Juni 2010 gibt es eine temporäre, nationale Sonderkommission zur Prävention und Bekämpfung – bis Mitte Mai 2012 erfolgten 74 Angriffe auf Bankomaten, von denen freilich nur 27 geklärt werden konnten.
Spätere Genie-Streiche Shepherd-Barrons blieben bescheiden, etwa sein Unterwasser-Tonbandgerät mit Killerwal-Geräuschen, das Seehunde von seiner Lachszucht fernhalten sollte. Sie wurden angelockt!
(kurier)
Erstellt am 25.06.2012, 19:20