Friday, May 25, 2012

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Thema: eurokrise

Faymann zu Griechen-Paket: Geld "nur geborgt"

Nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon in Brüssel steht das zweite Hilfspaket. Doch Anleger zeigen sich unbeeindruckt, Ökonomen hegen Zweifel.

Letztes Update am 21.02.2012, 16:42


Werner Faymann stellt sich nach dem Ministerrat der Presse: "Keine Geschenke"

In den vergangenen zwei Jahren und in dieser Nacht habe ich gelernt, dass Marathon wirklich ein griechisches Wort ist", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn am Dienstag in Brüssel. Mehr als 13 Stunden berieten die Euro-Finanzminister die Nacht hindurch, dann war klar: Mit Milliardenkrediten und einem Schuldenverzicht privater Gläubiger wird Griechenland erneut in letzter Minute vor dem Staatsbankrott bewahrt.

Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger haben sich am Dienstag nach dem Ministerrat zufrieden mit dem Abschluss des Griechenland-Pakets gezeigt. Gleichzeitig verwies der SPÖ-Chef darauf, dass es sich bei den Hilfen unverändert "um Kredite und nicht um Geschenke" handle. Das jetzige Hilfspaket sehe er daher auch nur als wichtigen Teilschritt, gelöst sei damit jedoch noch nicht alles. Spindelegger unterstrich die Notwendigkeit, Griechenlands Staatsschuldenlast auf 120 Prozent zu drücken. Die Reaktionen weiterer Politiker lesen Sie hier.

Zum zweiten Mal nach 2010 gewähren die Euro-Partner Athen somit ein Hilfspaket, das jetzt 130 Mrd. Euro umfasst, nach dem 110 Mrd. Euro schweren ersten Paket. Als Geldgeber soll sich auch wieder der Internationale Währungsfonds (IWF) beteiligen, er knüpft dies jedoch an Bedingungen und will erst im März entscheiden. Im Gegenzug muss Griechenland mehr Kontrollen akzeptieren und einen Teil seiner Budgethoheit abgeben. Auch das von Deutschland geforderte Sperrkonto gehört dazu. Die Eckpunkte des zweiten Hilfspakets.

Einigung lässt Anleger kalt

Hellas ist also vorerst gerettet, doch an den europäischen Aktienmärkten zeigten sich die Anleger am Dienstag weitgehend unbeeindruckt. Der Dax verlor 0,3 Prozent auf 6927 Punkte, der EuroStoxx notierte 0,4 Prozent schwächer.

„Die Einigung auf die neuen Milliardenhilfen hatte sich in den vergangenen Tagen bereits angedeutet und war keine Überraschung mehr“, sagte ein Händler. Der Dax hat allein seit Freitag gut drei Prozent zugelegt.

Ökonomen zweifeln


Geld für Athen: Experten sind nicht überzeugt.

Doch die Beschlüsse haben das Risiko einer Griechenland-Pleite nach Einschätzung einiger Ökonomen längst nicht gebannt. „Entscheidend sind nicht die beschlossenen Reformmaßnahmen und die finanziellen Zusicherungen, sondern die Umsetzung der Reformen sowie eine zunehmende Wettbewerbsfähigkeit des Landes“, meint Helaba-Analyst Christian Schmidt.

Ähnlich analysierte Volkswirt Christian Schulz von der Berenberg Bank: „Unserer Meinung nach bleibt die Gefahr hoch, dass sich Griechenland in die wirtschaftliche Depression spart, in die Insolvenz schlittert und aus der gemeinsamen Währung austreten muss“. Um die Rettungschancen zu erhöhen, müsse sich der Schwerpunkt der Bemühungen allmählich von der Sparsamkeit hin zu Strukturreformen verschieben. Allerdings habe die Politik nun Zeit gewonnen. „Wäre das Treffen gescheitert, hätte schon heute der Sturm auf die Banken beginnen können“, glaubt Schulz. Das hätte in kürzester Zeit in die ungeordnete Insolvenz und zum Euro-Austritt führen können. Zudem habe Europa erneut verhindert, dass die Krise große Länder wie Italien oder Spanien erfasse.

EU-Währungskommissar Olli Rehn sprach von einer "beispiellosen Solidarität der Euro-Partnerstaaten Griechenlands".

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich ebenfalls zufrieden mit den Beschlüssen: "Ich glaube, dass wir das insgesamt gut zustande gebracht haben."

Das Hilfspaket sei "mit zwei großen Kraftanstrengungen" beschlossen worden, erklärte Finanzministerin Maria Fekter am Dienstag. Für Österreich begrüße sie, fügte Fekter hinzu, dass "wir nicht die ganze Zinsreduktion alleine mit den Triple-A-Ländern schultern müssen".

Der britische Finanzminister George Osborne hat das Rettungspaket als "wirklich signifikanten Schritt" zur Lösung der Krise in der Eurozone gewürdigt. "Natürlich ist die Lösung der griechischen Situation nur ein Teil der Lösung für die Krise der Eurozone", sagte Osborne.

Der griechische Ministerpräsident Lucas Papademos hat die Einigung als ein "historisches Ereignis" bezeichnet: "Das Übereinkommen gibt Griechenland die Möglichkeit, die Ungewissheit zu überwinden und das Vertrauen in die griechische Wirtschaft wieder zu festigen."

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos betonte: "Wir haben ein besseres Ergebnis erzielt, als wir erwartet hatten." Das Übereinkommen versetze Griechenland in die Lage, damit aufzuhören, immer neue Schulden anzuhäufen. "Nun können wir die Wirtschaft des Landes wieder in die richtige Spur bringen und unsere Würde zurückgewinnen."

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker bezeichnete das zweite Rettungspaket als beispiellos. Die Hilfe für Griechenland garantiere auch den Verbleib des Landes in der Eurozone. Das Hilfspaket nütze nicht nur Griechenland, sondern der gesamten Eurozone. Es werde erfolgreich sein.


Letztes Update am 21.02.2012, 16:42


Artikel vom 21.02.2012 06:39 | apa, rts, dpa ,afp | ps, sho | « zurück zu Wirtschaft


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