Burning Gears 2010
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Mittwoch, 17. März 2010

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Strom-Sheriffs kassieren mit Gewalt

    Paramilitärische Praktiken seiner Kontrollore erschüttern Tschechiens mächtigen Stromkonzern CEZ und die Politik.

    Temelin, Techniker Wird auch vom CEZ-Konzern betrieben: Das umstrittene tschechische Atomkraftwerk Temelin DruckenSendenLeserbrief
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    Schwarze Kampfmontur, die Waffe im Anschlag, nächtlicher Hausfriedensbruch: So jagt eine Spezialtruppe des tschechischen Stromkonzerns CEZ Bürger, die Strom illegal abzapfen oder ihre Rechnungen nicht zahlen.

    Videoaufnahmen, die tschechischen Medien zugespielt wurden, haben die bisher geheimen Aktivitäten des privaten Terrorkommandos ans Licht gebracht - und sorgen nun für gewaltige Erschütterungen in der Prager Politik.

    Die Aufnahmen - von den Ordnungshütern selbst gemacht - zeigen nicht nur das paramilitärische Training der Truppe auf einem Schießplatz, sondern auch brutale Einsätze: Wohnungen werden gestürmt, Menschen bedroht und mit Gewalt zu nächtlichen Verhören abtransportiert. In einem Fall kommt es sogar zum Selbstmord eines Schuldners vor laufender Kamera.

    "Ein Skandal, der CEZ-Konzern kann sich nicht einfach als Staatsmacht aufspielen", empört sich der sozialdemokratische Ex-Innenminister Frantisek Bublan. Gemeinsam mit anderen Parlamentariern fordert er eine eingehende Untersuchung der Fälle und eine sofortige Auflösung des CEZ-Kommandos.

    Ausbildungsvideo Paramilitärischer Drill: Das Strom-Kommando bei einer ÜbungDoch davon ist vorerst nicht die Rede. CEZ-Vorsitzender Martin Roman räumte in ersten Stellungnahmen zur Affäre zwar Fehler ein, gibt sich aber ansonsten ziemlich gelassen. Er denke nicht daran, die Auflösung der Sonderabteilung NTZ ("Nicht technische Verluste") einzuleiten. Man werde aber in Zukunft bei solchen Einsätzen immer die Polizei rufen und für die Anwesenheit eines unabhängigen Beobachters sorgen. Der bisherige Chef der Truppe wurde suspendiert. Er hatte bei einem Einsatz sogar seine private Pistole dem vermeintlichen Stromsünder vor die Nase gehalten.

    Die Regierung stärkt dem mächtigen Stromkonzern vorerst den Rücken. Premier Jan Fischer erklärte nach Gesprächen mit dem CEZ-Vorsitzenden, dieser habe ihm versichert, dass die Ausbildung nicht mehr im paramilitärischen Stil stattfinde und dass die Einsätze strikt in Einklang mit dem Gesetz erfolgen würden. Innenminister Martin Pecina stellt sich sogar noch deutlicher hinter den Konzern: "Irgendjemand muss gegen diese notorischen Schuldner vorgehen. Wir sind nicht in der Ukraine, wo sich jeder an das Stromnetz anschließen kann, ohne dafür zu zahlen."


    Beste Kontakte

    Die Zurückhaltung der Politiker kommt für Beobachter in Prag nicht überraschend. Der halbstaatliche Energiegigant CEZ - er betreibt auch das AKW Temelin - ist der mächtigste Konzern des Landes mit besten Kontakten in die tschechische Spitzenpolitik. CEZ-Vorsitzender Roman unterhielt vor allem zur Führung der konservativen ODS gute persönliche Beziehungen. Für einen handfesten Skandal sorgte dieses Netzwerk im vergangenen Sommer, als der Energie-Boss seinen Sommerurlaub in der Toskana gleich mit mehreren ODS-Spitzenpolitikern verbrachte. Wer das alles zahlte, blieb bis heute unklar.

    Artikel vom 08.02.2010 18:37 | KURIER | Konrad Kramar


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