Letztes Update am 23.08.2012, 20:07
Was an Paul Ryans Hosen auszusetzen ist.
Vergessen scheinen die radikalen Ansichten des Republikaners - seine Hosenwahl macht ihn unwählbar, glaubt man US-Medien.
Die Kleiderwahl des republikanischen Vize-Kandidaten Paul Ryan emotionalisiert wie Mitt Romneys Umgang mit Haustieren oder die Frage (geht es nach den Republikanern) nach Barack Obamas Herkunftsland.
Dass sich die US-Presse mit der modischen Stilsicherheit bzw. dem Fehlen einer solchen bei den potentiellen First Ladies beschäftigt, könnte zwar als wenig fortschrittlich betrachtet werden, ist aber vor jedem Wahlkampf (und auch danach) ein wiederkehrendes Thema.
Zur Erinnerung: Michelle Obamas Kleiderwahl löst regelmäßig Freudenschreie wie Heulgesänge aus. Gemeinhin wird ihr Sinn für Mode aber geschätzt.
An dieser Stelle sei daraufhin hingewiesen, dass sich auch KURIER.at im Zuge des Wahlkampfes mit den Geschmack(losigkeiten) der beiden potentiellen First Ladies auseinandersetzen wird (müssen).
Bild: Ist Michelle Obamas Kleid ein Fashion-Go oder No-go? Die eigentliche Frage in der Wahlnacht 2008 - fragt man Fashionvictims.
Zurück zum Thema: Eher selten geraten die Präsidentschaftskandidaten bzw. deren Vize – bislang mehrheitlich Männer – in Modefragen in die Schusslinie vermeintlich scharfzüngiger Fashionexperten.
Deren vorrangige Aufgabe: Anhand der Krawattenwahl die Wählbarkeit des jeweiligen Politikers festzumachen.
Ausgerechnet der Vize von Mitt Romney ist nun in den Fashion-Fettnapf gestoßen worden, aus dem er unbefleckt nicht entkommen wird können. Paul Ryan – Vorzeigeathlet, gemeinhin als Feschak gehandelt, für einen Politiker geradezu jugendlich mit 42 Jahren – soll sich nicht anziehen können.
Die Kritik: Seine Hosen, seine Hemden, seine Anzüge seien einfach viel zu groß, attestieren Politblätter wie die New York Times und die Washington Post unisono.
Vergessen scheinen seine radikalen Ansichten in puncto Steuern, Abtreibung und Waffenbesitz. Die Hosenwahl ist es, die den Mann unwählbar macht, glaubt man der Berichterstattung einiger eigentlich als ernstzunehmend geltender US-Medien. Wahlkampfstrategie oder viel Lärm um nichts?
Die Washington Post befragte mehrere Politanalysten nach ihrer Meinung. Die einen attestieren Ryan strategisch gewählte Lässigkeit, die anderen sagen, dass er sich einfach keine Gedanken über sein Outfit gemacht hat - dumm gelaufen, quasi.
Die Fashion-Fraktion der New York Times empfiehlt Ryan sich einen Schneider zuzulegen: "Viele amerikanische Anzugträger glauben, dass die Kleidergröße in Zusammenhang mit ihrer Männlichkeit steht. Größe 42 wirkt für sie männlicher als 40." Das Online-Portal Jezebel.com beschreibt Ryans Hosen als "Dad-Pants".
Auch der britische Guardian geht davon aus, dass Ryan fälschlicherweise annehmen könnte, dass übergroße Kleidung in einem Zusammenhang mit Männlichkeit steht. Der Rat der britischen Fashion-Expertin: "Paul, steh über den Dingen, nimm dir nur Menschen deiner Größe vor und besorg´ dir einen Schneider."
Vielleicht ist das ganze Brimborium auch nur der banale Plan der Republikaner dem eher unscheinbar und fad wirkenden Mitt Romney doch noch ein wenig Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, sprich: "Der kann sich wenigstens g`scheit anziehen."
(KURIER)
Erstellt am 22.08.2012, 08:44