Letztes Update am 10.05.2012, 21:16
Insider-Infos, Scheinrechnungen, Zahlung über Zypern: Lobbyist Hochegger legte im Parlament Skandal-Deals offen.
Da sag’ noch einer, im Parlament würde nur gestritten und gezankt. Am Donnerstag im U-Ausschuss passierte genau das Gegenteil. Die Abgeordneten waren voll des Lobes füreinander: der Grüne Peter Pilz dankte SPÖ-Fraktionsführer Hannes Jarolim für die präzisen Fragen, FPÖ-Mann Walter Rosenkranz wiederum beglückwünschte Pilz, und man kann sagen: Das Lob war nicht unberechtigt.
Denn nach der dritten Ein-vernahme von Peter Hocheg-ger war klar, dass bei der Privatisierung der 58.000 staatlichen BUWOG-Wohnungen nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist.
Gemeinsam mit dem umstrittenen Lobbyisten erarbeiteten die Abgeordneten eine präzise Chronologie der Ereignisse in der ersten Juni-Hälfte 2004.
Insider-Info
über diverse Scheinrechnungen. - Foto: dapd
Demnach wurde Hochegger ein oder zwei Tage vor Angebots-Ende von Geschäftspartner Walter Meischberger verständigt, dass die Immofinanz mehr als 960 Millionen Euro bieten muss. Pikant daran: Diese Information wurde, wie mehrere Zeugen im Ausschuss bestätigten, zuvor bei einer Sitzung im Finanzministerium referiert, war geheim, und laut Einschätzung der Justiz maximal sieben Personen zugänglich.
Am 8. Juni, um 10 Uhr , traf Hochegger den Chef der Immofinanz, Karl Petrikovics. Petrikovics war zu diesem Zeitpunkt noch überzeugt, dass 930 Millionen Euro genügen würden, um zu gewinnen. Hochegger sagte dem "Bitzler" Petrikovics, mit dem er erst kurz zuvor einen Vertrag über eine Erfolgsprovision abgeschlossen hatte, dass die Immofinanz die 960er-Grenze überspringen müsse – was sie mit 961 Millionen Euro tat.
Bei der BUWOG-Privatisie-rung ist also klar, was die "Leistung" von Hochegger und Meischberger war, für die sie 10 Millionen Euro Provision kassierten: Sie hatten die Insider-Info, die den Zuschlag sicherte.
Gute Kontakte
Bei der Affäre um den Linzer Terminal Tower kassierten die beiden ebenfalls: 200.000 Euro von der Porr Solutions, die gemeinsam mit unter anderem der Raiffeisen Landesbank OÖ an der Errichtung des Hochhauses am Linzer Bahnhof beteiligt war.
Was Meischberger und Hochegger für ihr Geld taten? Mutmaßlich nicht viel – außer Finanzminister Karl-Heinz Grasser davon zu überzeugen, die Finanzlandesdirektion OÖ in den Tower zu übersiedeln.
Wie aus Ausschuss-Unterlagen hervorgeht, soll Grasser den Abschluss des Deals unmittelbar vor Unterzeichnung des Mietvertrages für kurze Zeit verzögert haben – so lange, bis Meischberger und Hochegger von den Vermietern als "Berater" engagiert wurden.
Über die 200.000 Euro wurden Scheinrechnungen gestellt, das Geld über eine Hochegger-Firma auf Zypern abgewickelt – wie die BUWOG-Provision.
Gerhard Pipal, Projektleiter im Finanzministerium, erzählte im Ausschuss, das Verhalten von Grasser, sprich die Verzögerung, habe ihn "schockiert", sie sei logisch nicht erklärbar gewesen.
Erhellendes hatte auch Josef Wailzer zu berichten. Er war es, der auf Seiten der Verkäufer damit beauftragt wurde, eine "Studie" zu verfassen – die dann als Leistungsnachweis für Meischberger herhalten durfte.
Sowohl Wailzer wie Pipal sagten im Ausschuss, sie fühlten sich aus heutiger Sicht "missbraucht".
Ludwig Scharinger, bis vor Kurzem Boss der RLB Oberösterreich, die sowohl am BUWOG-Deal als auch am Terminal Tower beteiligt war, will von alldem nichts mitbekommen haben. "Provisionen an externe Berater waren bei uns nicht erlaubt", sagte er im Ausschuss. Was seine Geschäftspartner (Immofinanz, Porr) taten – dazu habe er keine Wahrnehmungen.
Diskussion
Causa Grasser