Letztes Update am 30.04.2012, 06:17
Wie die Asfinag-Chefs in der Inseratenaffäre unter Druck gesetzt wurden.
Freitag der vergangenen Woche ließ der Grüne Peter Pilz mit einer Forderung in der Inseratenaffäre aufhorchen: "Ich möchte, dass der Zeitungsherausgeber Wolfgang Fellner als Auskunftsperson in den Untersuchungsausschuss kommt", erklärte der Aufdecker. Der Österreich-Chef sei "ebenso klug, schön und sauber wie Ex-Finanzminister Grasser. Wer, wenn nicht er, kann uns erklären, wie das mit dem Inseratengeschäft wirklich funktioniert", sagte Pilz.
Auslöser der Offensive waren KURIER-Enthüllungen, wonach Fellner in den letzten Jahren gehörig Druck ausgeübt hatte, um an den schmackhaften Werbekuchen der staatseigenen Asfinag zu kommen. Dabei soll sich der Medienmacher laut einem ehemaligen Asfinag-Vorstand auch auf angebliche Vereinbarungen mit dem damaligen Verkehrsminister und heutigen Bundeskanzler Werner Faymann berufen haben.
Dem Vernehmen nach bereitet sich der U-Ausschusses bereits auf eine Einvernahme Fellners vor: Abgeordnete haben mittlerweile Unterlagen ausgegraben, die in der Tat auf höchst eigenwillige Methoden in der Inseraten-Akquise von Österreich schließen lassen.
Am 23. Mai 2011 tagt in Wien das Aufsichtsratspräsidium der staatlichen Autobahngesellschaft. Dabei beschweren sich die beiden Asfinag-Vorstände über den Druck, der via Österreich ausgeübt würde. Tatsächlich war in Fellners Medium nur drei Tage zuvor eine Brandschrift unter dem Titel "Wut über Baustellen-Chaos" erschienen. Darin wurden auch die Asfinag-Geschäftsführer massiv attackiert: "Das Chaos hat zwei Namen: Alois Schedl und Klaus Schierhackl. Die beiden Vorstände leiten die Autobahnbetreiber seit 2007. Mit wenig Erfolg. Laut Branchen Insidern kassiert das Unglücksduo eine Jahresgage von rund 200.000 Euro – pro Person! (...) Und das, obwohl die Schulden des Konzerns immer weiter explodieren."
Pech für Fellner: Laut Protokoll stärkten die Asfinag-Aufsichtsräte den Managern den Rücken: "Aus aktuellem Anlass wird auch vereinbart, dass bis auf Weiteres keine Medienkooperationen mit ,Österreich" vorgenommen werden, da offensichtlich eine Kampagne gegen die Asfinag läuft."
Nachsatz: "Wenn derzeit Inserate in ,Österreich" nicht notwendig und im Budget nicht vorgesehen sind, kann eine negative Berichterstattung zu keiner anderen Beurteilung führen."
Hintergrund
Österreich hat "zögerlich gelernt, Demokratie zu sein"
Kommentar
Wahrheitspflicht
Diskussion
Inseratenaffäre
Staatsanwältin muss weitere 75.000 Aktenseiten prüfen
Ob es zu einer Anklage kommt, kann erst nach Dursicht der 150 Aktenordner entschieden werden.