Letztes Update am 28.04.2012, 08:02
Heinrich Traumüller wurde als abgängig gemeldet. Die Polizei griff ein, bevor er sich etwas antun konnte.
Bis dato hatte der Kriminalfall rund um Karl Heinz Grasser und den Verkauf der BUWOG, bei dem sein Trauzeuge Walter Meischberger bekanntlich eine Millionenprovision eingestrichen hat, vor allem einen strafrechtlichen Aspekt. Der Ex-Finanzminister steht bekanntlich im Verdacht, am Verkauf der 60.000 Bundeswohnungen im Jahr 2004 partizipiert zu haben. Grasser bestreitet jeden Vorwurf. Für KHG gilt die Unschuldsvermutung.
Seit Donnerstagabend ist die Korruptionsaffäre rund um den ehemaligen Finanzminister um eine tragische menschliche Komponente reicher: Heinrich Traumüller, Grasser einstiger Kabinettschef und zu Zeiten der BUWOG-Privatisierung dessen "Sprachrohr", wurde spät in der Nacht nach seiner Zeugenbefragung durch den Untersuchungsausschuss von Polizeibeamten auf dem Wiener Heldenplatz aufgegriffen, nachdem er zuvor von seiner Familie als abgängig gemeldet worden war. Offenbar hatten die Angehörigen des als besonders pflichtbewusst geltenden Beamten große Sorge, er könne sich etwas antun. Die Polizei fand Traumüller rechtzeitig. Er wurde laut KURIER-Informationen in stationäre psychologische Behandlung gebracht.
Heftiger Schlagabtausch
Im U-Ausschuss hatte sich in den Nachmittags- und Abendstunden des Donnerstags ein heftiger Schlagabtausch zwischen den Parlamentariern und Grassers einstigem Vertrauten entwickelt. Heinrich Traumüller war während des BUWOG-Deals Mitglied der Vergabekommission gewesen. Donnerstag war er sichtlich eingeknickt, als ihm von den gewohnt gut vorbereiteten Mandataren Peter Pilz (Grüne) und Stefan Petzner (BZÖ) die dubiosen Zusammenhänge um die BUWOG-Vergabe vorgehalten wurde. Mehrfach änderte Traumüller plötzlich seine Aussage, er wurde unruhig, wirkte angespannt, geriet ins Stottern. Gestand schließlich spät, aber doch ein, dass der damalige Minister Grasser deutlich mehr Insiderwissen in diesem Bieterverfahren gehabt haben soll, als bisher bekannt war.
Möglicherweise wurde Traumüller selbst erst in diesen Stunden bewusst, bei welchem Spiel er im Jahr 2004 eigentlich dabei gewesen war. Teilnehmer der Befragung berichten jedenfalls, dass der Spitzenbeamte am Ende der Einvernahme "psychisch völlig fertig gewirkt" habe.
Die Chronologie
Um die Zusammenhänge zu verstehen, empfiehlt sich ein Blick zurück auf die Chronologie der BUWOG-Vergabe: Am 4. Juni 2004 hatte die laut Grasser "unabhängige Vergabekommission" die Anbotsöffnung vorgenommen. Ergebnis: Die CA-Immo ist bereit, 922 Millionen Euro auf den Tisch zu legen, die später siegreiche Immofinanz, von der Grassers Spezi Meischberger letztlich die Millionenprovision kassieren sollte, offeriert damals lediglich 837 Millionen. Plötzlich wird eine zweite Bieterrunde ausgerufen. Und eine für den 8. Juni anberaumte Sitzung der Vergabekommission abgesagt.
Stattdessen findet im Finanzministerium am 7. Juni ein informelles Treffen einiger Mitglieder der Vergabekommission statt, an dem auch Finanzminister Grasser teilnimmt. Dabei erfährt auch Grasser laut Traumüller, wie dieser nun im U-Ausschuss kleinlaut eingestehen musste, dass das Limit der CA-Immo bei 960 Millionen Euro liege. Mitte Juni ist der Deal über die Bühne: Die BUWOG geht für 961 Millionen an die Immofinanz, die CA-Immo mit 960 Millionen leer aus. Und Grassers Freund Meischberger darf sich für die erfolgreiche Beratung der Immofinanz bereits die Hände reiben – er wird eine Millionenprovision abstauben.
Der Geheimnisverrat
Besonders spannend ist nun, was zwischen diesem 7. Juni 2004, also dem informellen Treffen von Mitgliedern der Vergabekommission samt Minister Grasser, und der finalen Anbotsöffnung der BUWOG-Vergabekommission am 13. Juni 2004 passierte. Für Vertreter des parlamentarischen Untersuchungsausschusses steht mittlerweile fest: Irgendjemand aus dieser kleinen, feinen Runde, die am 7. Juni im Finanzministerium tagte, müsse Grassers Trauzeugen Walter Meischberger mit der Information über das 960-Millionen-Limit der CA-Immo versorgt haben, damit dieser den Tipp an die Immofinanz weiter reichen konnte; es könne sich nur um eine Handvoll Personen handeln, inklusive Grasser.
Grasser dementiert jegliche Beteiligung und bestreitet alle Vorwürfe. Meischberger beteuert, er wisse nicht mehr, wer ihm die für ihn so wertvolle Zahl damals zugesteckt habe.
Laut KURIER-Informationen wird der damalige Grasser-Vertraute Heinrich Traumüller nach seiner jüngsten Offenbarung im Untersuchungsausschuss zum wichtigsten Zeugen der Staatsanwaltschaft im Fall KHG – eine neuerliche Einvernahme durch die Korruptionsermittler steht unmittelbar bevor. U-Ausschuss-Mitglied Stefan Petzner hatte bereits nach Traumüllers Befragung am Donnerstag gemeint: "Jetzt ist alles aufgeflogen. Der Verkauf der Bundeswohnungen war eine geschobene Partie mit dem Mastermind Grasser im Mittelpunkt. Ich rechne mit einer Anklage."
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