Letztes Update am 02.05.2012, 18:01
Der WU-Professor hat bei der entscheidenden Sitzung jedoch selbst nicht teilgenommen.
Der WU-Professor Stefan Bogner hat die Vergabe der Abwicklung der Buwog-Privatisierung an die US-Investmentbank Lehman Brothers am Mittwoch im Korruptions-Untersuchungsausschuss verteidigt. "Ich war immer der Meinung, dass Lehman der Bestbieter war", sagte Bogner. Der im Vergleich zur österreichischen CA-IB um drei Mio. Euro höhere Preis sei durch die bessere Qualität des Angebotes wett gemacht worden und außerdem gerechtfertigt, weil man damit eine der führenden Investmentbanken für eine Privatisierung nach Österreich bekommen habe: "Uns schien der Preis nicht überhöht zu sein."
Nach Ansicht Bogners wären Lehman Brothers durchaus in der Lage gewesen, die Privatisierung der Buwog alleine durchzuführen. Warum später die CA-IB von Lehman als Subunternehmer beauftragt wurde, konnte Bogner nicht erklären. Ein wesentliches Auswahlkriterium war laut Bogner, "dass sie mir eine bestmögliche Investorenansprache garantieren". Man habe für die Durchführung der Privatisierung einen Partner gebraucht, der den besten Zugang zu Investoren hat.
Die Internationalität der Investmentbank sei zwar kein explizites Auswahlkriterium, aber die internationalen Erfahrungen wichtig für die Zielerreichung gewesen. Nach Darstellung des BZÖ-Abgeordneten Stefan Petzner hatte der Lobbyist Walter Meischberger damals klargestellt, dass nur ein österreichischer Bieter zum Zug kommen würde. Das sei auch nachvollziehbar, so Petzner, denn die "ausländerfeindliche FPÖ, als die manche sie sehen", habe natürlich kein Interesse daran gehabt, die Buwog an Ausländer zu verkaufen. Die Internationalität des Bewerbers sei also irrelevant gewesen.
Bei den Sitzungen habe es eine "dynamische Diskussion" gegeben, von "Schreiduellen" würde er aber nicht sprechen, sagte Bogner. Er selbst habe aber nur an der Sitzung am 5. September 2002 teilgenommen, nicht am entscheidenden Treffen am 6. September. An eine Abstimmung am 5. September kann sich Bogner nicht erinnern, somit auch nicht daran, dass eine solche Abstimmung ursprünglich mit 9:0 Stimmen für die CA-IB ausgefallen wäre. Den damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser habe er bei solchen Sitzungen nie gesehen, "auch nicht davor oder danach", so Bogner.
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