Buch-Piloten haben Lust am Lesen

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Foto: Buch-Piloten Buch-Piloten

Beim Projekt "Buchpiloten" schreiben Volksschüler Geschichten und haben Spaß am Lesen.

In den kommenden Tagen bekommen die 330 JungautorInnen des Buch-Piloten Projektes ihre Schul-Zeugnisse. Dieses Zeugnis der 3. oder 4. Schulstufe, hat entscheidende Bedeutung für ihren weiteren Bildungsweg. Die Buch-Piloten Crew vergibt aus diesem Anlass und mit voller Überzeugung an alle SchülerInnen die Bestnote „sehrsehrgut +++“, für ihre Buch-Begeisterung.

Seit Mitte April haben, bei diesem in Österreich erstmals stattfindenden Sprach-Begeisterungs-Projekt Buch-Piloten, 330 Volksschulkinder aus dem 16. und 17. Wiener Gemeindebezirk ihr eigenes erstes Buch geschrieben, illustriert, produziert und vorgetragen. Am 22. Juni werden nun alle Erstlingswerke auf www.buch-piloten.org, weltweit als e-book publiziert. Erste Gespräche über eine Ausweitung der Idee finden bereits statt. Anfragen zu dem Open Source Projekt, das ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen ist, gibt es von Wien über Vorarlberg bis in den hohen Norden Deutschlands.
Wieso? Peter Pelinka bringt es in einem ORF-Interview auf den Punkt: „Wenn man die Begeisterung der Kindern sieht, dann zeigt sich, dass die beste Form Kinder zum Lesen zu bringen das Verfassen eigener Geschichten ist.“ Und Armin Thurnher legt im Falter gleich noch einen Satz nach: „Jedes Wiener Schulkind könnte noch vor dem 11. Geburtstag sein erstes Buch schreiben. Das wäre einmal ein Buch, das der Bürgermeister verschenken könnte.“

Kuhmillionär und andere Geschichten.

„Fliegende Teppiche sind sie unsere Geschichten, aus so vielen unterschiedlichen Stimmen und Sprachen gewoben, mit überraschenden Wendungen und eigenwilligen Mustern.“, sagt AutorIn Eva Schörkhuber vom Projektpartner „textfeld südost“. „Während wir schreiben, hat sich kein Wort dem anderen zu ergeben – jedes Wort darf auffliegen.“, beschreibt sie die BUCH-PILOTEN Atmosphäre weiter. Faris Endris Rahoma, Schauspieler und  Performer bei den BUCH-PILOTEN, fügt hinzu: „Als Schauspieler versucht man oft längst verschüttete, kindliche Gedanken- und Phantasiewelten wieder auszugraben und für die Bühne abzurufen. Die 8 bis 11-jährigen JungautorInnen führten uns in den Workshops vor Augen, welch´ aussichtsloses Unterfangen dieses Bestreben für uns Erwachsene doch ist. Wir wollten den Kindern von Anfang an auf Augenhöhe begegnen. Nun, daran sind wir gescheitert. Die Kinder sind einfach zu groß!“

Bei der gemeinsamen Projektpräsentation, die am 17.Mai im g`schwandner Wien stattfand, wurde dieser Satz von Faris Rahoma eindrucksvoll bestätigt. Da wurden die gedruckten Werke unter
tosendem Applaus der breiten Öffentlichkeit stolz präsentiert. Doch gleich danach wanderten die Bücher wieder auf ihre ganz speziellen Orte. So berichtet eine Mutter: „Meine Tochter bewahrt den BUCH-PILOTEN-Schein, der sie zum lebenslangen Geschichte-Schreiben befähigt unter ihrem Kopfpolster auf und ihr Buch hat sie gleich daneben auf dem Regal liegen.“

Ohne Begeisterung geht es nicht

Begeisterung ist einer jener unverzichtbaren Säfte aus denen später Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Sprachverständnis, Fantasie, Selbstwertgefühl, Raumvorstellung, Erfindergeist, Erzählkompetenz und dann sogar Rechtschreibung herausvergoren werden. Begeisterung, dieses Gefühl mit und für etwas freudig engagiert zu sein, couragiert (aus vollem Herzen), neugierig und konzentriert eine Fährte zu verfolgen, ist die mächtigste Triebfeder des Lernens überhaupt. Wie die Gehirnforschung bestätigt, findet ohne emotionale Beteiligung verstehendes Lernen einfach nicht statt. Es sind die engagierten Pädagoginnen in unseren Schulen, die  Lernumgebungen schaffen, in denen die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Kinder für Lernen, für Verstehen, für Üben, für Anstrengungen entscheiden, hoch ist. Gerade um das Thema Sprache, mit den vielfältigen und anspruchsvolle Herausforderungen, denen heute Lehrpersonen gegenüberstehen, können unterstützende Angebote mithelfen diese mächtige Triebfeder Begeisterung auszulösen - wie gut das bei dem Buch-Piloten-Projekt geklappt hat, mit welcher Begeisterung die Kinder dabei waren und konzentriert und freiwillig gearbeitet haben, hat alle Beteiligten erstaunt.

Social Impact Award 2013

Das Projekt „BUCH-PILOTEN. Wer Worte hat, kann fliegen!“ hat den Jurypreis der diesjährigen Social Impact Award gewonnen. „Diese Prämierung kam völlig unerwartet und freut uns daher umso mehr. Die Auszeichnung hilft uns sehr in Bezug auf die geplante Fortsetzung der BUCHPILOTEN Projekt-Idee.“, sagt  Projektmitinitiatorin Camilla Reimitz. Als nächste Schritte sind die Öffnung der Schreib-Werkstätte für Kinder und Jugendliche aller
Altersstufen und die Ausweitung des „art-space“ in der Kalvarienberggasse zu einer ganztägig und ganzjährig zugänglichen Inspirations- und Lernstätte geplant. Die BUCH-PILOTEN Initiative
positioniert sich dabei bewusst als Partnerschafts-Plattform für engagierte PädagogInnen, verwehrt sich aber gegen jede Förder- und Hilfsprogramm-Perspektive. „BUCH-PILOTEN. Wer Worte hat,
kann fliegen!“ ist die freie, ungezwungene Begegnung zwischen SchülerInnen und KünstlerInnen, zwischen Wörtern und Ideen, zwischen Büchern und LeserInnen – eine neue Art von Bücherei, eine
Geschichten- und Bücher-Werkstatt, in der Worte auffliegen, tanzen oder einfach nur sein dürfen.

(KURIER / ub) Erstellt am
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