Opernball Die Oper, einst "Königgrätz der Baukunst" Diskussion Weitere Artikel Letztes Update am 10.10.2012, 21:01 Bildergallerie drucken An Instapaper senden Die Oper, einst "Königgrätz der Baukunst". Die Geschichte um Bau und Eröffnung des Wiener Ringstraßen-Monuments könnte österreichischer kaum sein. Vollbild Zurück Bild von / Weiter Schliessen Vollbild Österreichischer als die Ereignisse rund um den Bau und die Eröffnung der Wiener Staatsoper kann eine Geschichte wohl kaum sein. 1863 ... ... wurde der Grundstein für das neue Opernhaus gelegt. Verantwortlich für das Monument zeichneten die Architekten August von Siccardsburg und Eduard van der Nüll. Beide sollten jedoch ... ... die feierliche Eröffnung 1869 nicht mehr miterleben. Ein sehr "hiesiges" Schicksal hatte sie eingeholt. Dem kritischen Wiener Publikum war der Bau viel zu niedrig ausgefallen, es hielt ihn für eine "stillose, versunkene Kiste". Der Volksmund, in Wien besonders gnadenlos und gemein, kanzelte ... ... den vermeintlichen Prachtbau als "Königgrätz der Baukunst" ab. Für den sensiblen van der Nüll war der Vergleich mit der militärischen Niederlage gegen die Preußen aus dem Jahre 1866 zu viel: Am 4. April 1868 erhängte sich der Verzweifelte, obwohl seine Frau Marie im achten Monat schwanger war. Der Selbstmord des Architekten wiederum ... ... schockierte auch Kaiser Franz Joseph zutiefst. Wie seine Untertanen hatte auch er mit Kritik an der Hofoper, wie sie damals genannt wurde, nicht gespart. In der Folge sollte er aus Rücksicht auf fragile Künstlerseelen Kulturelles nur mehr mit den mittlerweile geflügelten Worten kommentieren: "Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut." Es ist durch und durch österreichische Ironie, dass die beiden Architekten am untersetzten Auftritt ihres Hauses nur bedingte "Schuld" tragen. Denn dass das Straßenniveau vor dem Gebäude um einen Meter angehoben wurde, war nicht auf ihrem Mist gewachsen. Als die Oper am 25. Mai 1869 mit Mozarts "Don Giovanni" (damals "Don Juan") eröffnet wurde, weilte auch August von Siccardsburg nicht mehr unter dem Lebenden. Van der Nülls enger Freund und Partner wurde, ebenfalls 1868, von einem Schlaganfall dahin gerafft. Wie sehr die beiden tragischen und verschmähten Protagonisten dieser Geschichte den Wienern den Gang in die Oper allerdings erleichtert haben, zeigt ein Blick in zeitgenössische Zeitungen in den Tagen nach der Eröffnung. Am 27. Mai schrieb die Neue Freie Presse: "Lange Jahre mußte sich die Wiener Hofoper mit einem Haus begnügen, daß so ziemlich alle Mängel besaß, die man einem Theater wünschen kann. Enge Treppen, schmale Sitze, Paterre-Logen, die an Gefängniszellen erinnerten, eine Bühne ohne Tiefe, Garderoben, in welchen nur der Anstand des Publicums homerische Kämpfe vermeiden konnte, endlich gar kein Foyer, nicht einen einzigen Raum, in dem man sich während der Zwischenacte zu erholen, wo man Luft zu schöpfen vermochte." Und weiter: "Es war ein physisches Opfer, wenn man in die Oper ging, und im letzten Acte half Manchem kein Kunstgenuß über des Leides Unbehaglichkeit hinaus. Das ist nun anders geworden; die trefflichen Kräfte unserer Oper werden von jetzt an in einem Prachtbau wirken, den man bewundern muß." Zu wie viel Ruhm und internationaler Bedeutung die Wiener Staatsoper später aufsteigen sollte, muss an dieser Stelle nicht mehr erklärt werden. Am 12. März 1945, fast schon am Ende des 2. Weltkriegs, wurde das Haus am Ring weitgehend verwüstet. Die Wiener hatten ihre Oper mittlerweile zu schätzen gelernt und waren erschüttert. Hauptfassade, Festtreppe und das Schwindfoyer waren zwar erhalten geblieben, doch der Zuschauerraum war komplett zerstört worden. Mit neuen Innenräumen und modernisierter Technik wurde die Staatsoper am 5. November 1955 wiedereröffnet. Unter Karl Böhms Leitung erklang Beethovens "Fidelio". Am Donnerstag bietet das - in der Regel - ehrwürdige Haus einmal mehr Platz für den Opernball. Wer diesen auslassen, aber dennoch einen Blick in die Oper werfen möchte, folgt untenstehendem Link zur virtuellen Tour. (kurier) Erstellt am 16.02.2012, 08:48 Diskussion Kommentare aktualisieren Weitere Artikel zum Thema Wiener Festwochen Festwochen-Eröffnung als "wienerisch-regnerischer Abend" Theater an der Wien "Béatrice et Bénédict" als Screwball-Comedy Kritik: Die Oper von Hector Berlioz im Theater an der Wien. Linzer Musiktheater Mutiger Start in Linz – mit Schwächen Mit der Uraufführung der Philip-Glass-Oper "Spuren der Verirrten" wurde das Linzer Musiktheater eingeweiht. Deutsche Oper Berlin Glanzlicht aus Wien für glanzlosen Rigoletto Kritik: Jan Bosse inszeniert Verdis große Oper in Berlin. Wiener Festwochen Eröffnungsfest am Rathausplatz Die Eröffnung am 10. Mai widmet sich heuer den Unschärfen der Wiener Seele.
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