Duelle mit gemischten Gefühlen

Austria's Marcel Hirscher, 2nd right, celebrates w…
Foto: AP/Kerstin Joensson Teamarbeit macht Spaß: Bei der Ski-WM war der Bewerb eine Attraktion, und auch Marcel Hirscher hatte sichtlich Freude daran.

Erstmals bilden bei einer nordischen WM Damen und Herren ein Springerteam.


Weil Ende des letzten Jahrtausends Finnland eine der stärksten Nationen im Skispringen war, gestattete die FIS bei der WM 2001 in Lahti zwei Teambewerbe. Also schnapsten sich auf der kleinen und der großen Schanze Quartette die Medaillen aus. Auch 2005 gab es in Oberstdorf gleich vier Entscheidungen im Skispringen.

Doch das ist Geschichte. Spätestens seit 2009, als erstmals die Damen bei einer EM antreten durften, sind zwei Herren-Teambewerbe obsolet geworden. Die FIS sprang auf den Trend zum gemeinsamen Geschlechterkampf auf.

Jetzt gibt es in Val di Fiemme zwar wieder zwei Teambewerbe. Einen bestreiten vier Herren, den anderen je zwei Damen und Herren. Mixed-Bewerb lautet die Formel der Zukunft, die im Skispringen jetzt in Italien Gegenwart ist. Am Sonntag geht es um Mixed-Gold.

Den ersten Bewerb in dieser neuen skispringerischen Art gab es im August als Sommer-Grand-Prix in Courchevel. Österreich (Jacqueline Seifriedsberger, Daniela Iraschko, David Zauner, Michael Hayböck) belegte Rang drei. Den zweiten derartigen Bewerb im deutschen Hinterzarten konnten die Österreicher gar gewinnen.

Großer Andrang

Der Österreicher Walter Hofer ist Renndirektor der Skispringer und ein absoluter Fan der gemischten Gefühle. Für ihn hat dieser Bewerb auch praktische Auswirkungen auf seine Arbeit. „Wir haben bei einem Teambewerb der Herren noch nie so viele Teams am Start gehabt wie beim Mixed-Bewerb im Sommer“, sagte er beim Weltcup-Auftakt im November in Lillehammer. Hofer: „Es ist für einige Länder leichter, zwei gute Herren und zwei gute Damen zu stellen als vier Herren.“ Hofer ist ein Befürworter der gemeinsamen Sache. Der wurde in Lillehammer auch im Winter Weltcupstatus verliehen.

Die Weltcuppremiere im Winter ging für die Österreicher allerdings in die Hose. Ganz allein in die von Andreas Kofler. Der wurde wegen eines zu großen Sprunganzugs in Lillehammer disqualifiziert, die Österreicher waren chancenlos.

Nun kommt es erstmals bei einer Weltmeisterschaft zu gemischten Gefühlen im Auslauf. Damit folgt die FIS einem sportlichen Trend.

Großer Zuspruch

Im Biathlon kämpfen gemischte Staffeln schon seit 2005 gegeneinander. Seit 2007 ist dieser Bewerb fixer Bestandteil der Weltmeisterschaften. Nächstes Jahr gibt es in diesem Bewerb auch Medaillen bei Olympischen Spielen. Das ist bei den Skispringern noch nicht der Fall.

Beim Rodeln hingegen schon. In Sotschi rasen erstmals Damen und Herren gemeinsam um olympische Medaillen durch den Eiskanal. Seit 1989 gibt es schon Team-Weltmeister, wobei die Zeiten von zwei Männern und einer Frau addiert wurden. Weil dieser Bewerb nicht bei den olympischen Spielen akzeptiert wurde, schuf der Weltverband die Staffel. Zwar fiel die WM-Premiere 2011 in Cesena wegen technischer Probleme aus. Mittlerweile aber ist die Staffel sehr beliebt und 2014 olympisch.

Auch im alpinen Skisport hat sich der gemeinsame Gedanke durchgesetzt. Der Teambewerb mit zwei Damen und zwei Herren wie er in Garmisch und zuletzt in Schladming ausgetragen wurde, kommt bei den Fans sehr gut an.

Hintergrund

Morgenstern sprang aus der Krise und ins gemischte Doppel

Der fünfte Platz des Kärntners macht Hoffnungen auf eine Medaille bei der WM-Premiere des Mixed-Bewerbs.

Thomas Morgenstern
Foto: AP/Matthias Schrader

Mehr als einen Monat hat Thomas Morgenstern die Öffentlichkeit und auch die Teamkollegen gescheut. Nach seinen Abstürzen bei der Tournee und danach in Polen hatte er sich vom Weltcup-Tross verabschiedet.

Abseits des Rampenlichts wollte er sich in Planica und Kranj nahe seiner Kärntner Heimat in WM-Form bringen. Das Vorhaben scheint gelungen.

Obwohl er nach dem ersten Training geklagt hatte, dass er leicht verkühlt sei. Er ließ den zweiten Trainingstag aus, hatte Kopfweh und Halsschmerzen, sah die Welt etwas verschwommen. Doch bei der Entscheidung am Samstag hatte er den Erfolg wieder in Sichtweite. Nur 2,3 Punkte trennten ihn von der Bronzemedaille.

Sein erster Sprung auf 100 Meter war ein Befreiungsschlag. Zwar reichte es nur zu Rang zehn, aber: „Ich wusste, dass eine Medaille möglich ist.“ Und er setzte im zweiten Durchgang noch einen halben Meter drauf. 100,5 Meter waren die Bestweite, Gegner um Gegner reihte sich hinter ihm ein. Dass es Platz fünf wurde und keine Medaille, erklärte er so: „Ich habe zwei Mal den Telemark g’scheit verhaut.“

Trainerlob

Trainer Alexander Pointner freute sich mit Morgenstern. „Was ich herausstreichen möchte, ist das Comeback von Thomas“, sagt er. Die Leistungssteigerung des Kärntners macht damit Mut auf eine Medaille im heute erstmals bei einer WM ausgetragenen Mixed-Bewerb (zwei Damen, zwei Herren).

Ein Wettkampf, mit dem der Damen-Cheftrainer Harald Rodlauer vor wenigen Wochen bereits abgeschlossen hatte. Nach dem Damenbewerb am Freitag hatte er sich aber wieder ganz anders angehört. Aus seiner Stimme klang Zuversicht, nachdem seine Skispringerinnen im Val di Fiemme zum Höhenflug angesetzt hatten. „Jetzt“, glaubt Harald Rodlauer, „jetzt haben wir wirklich sehr gute Chancen auf eine Medaille. Dabei habe ich mir vor einem Monat noch gedacht, dass wir im Mixed-Bewerb nichts reißen werden, sondern nur dabei sind.“

Talentprobe

Tatsächlich schien es um das österreichische Damen-Skispringen nach der schweren Knieverletzung von Weltmeisterin Daniela Iraschko (Kreuzbandriss) schlecht bestellt. Doch nun springen auf einmal die Teamkolleginnen erfolgreich in die Bresche. Jacqueline Seifriedsberger gelang am Freitag mit der Bronzemedaille endgültig der Sprung ins Rampenlicht, und mit der 15-jährigen Salzburgerin Chiara Hölzl, die als Neunte bei der Weltmeisterschaft alle verblüffte, hat Österreich über Nacht eine weitere starke Skispringerin bekommen. „Die Leistung von Chiara hat uns alle begeistert“, lobt Rodlauer. „Wir werden eine sehr starke Mannschaft stellen“, ist nun auch ÖSV-Sportdirektor Ernst Vettori überzeugt.

(kurier) Erstellt am
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