Kärnten Uwe Scheuch: Gestolpert über "Part of the game" Diskussion Weitere Artikel Letztes Update am 02.08.2012, 14:42 Bildergallerie drucken An Instapaper senden Uwe Scheuch: Gestolpert über "Part of the game". Vollbild Zurück Bild von / Weiter Schliessen Vollbild Sieben Monate bedingt, dazu eine Geldstrafe in Höhe von 67.500 Euro - Mit diesem Urteil gegen Uwe Scheuch wurde am Mittwoch ein Schlussstrich unter die sogenannte "Part of the game"-Affäre gezogen. Dabei wurde Uwe Scheuch vorgeworfen, russischen Investoren eine österreichische Staatsbürgerschaft im Gegenzug für großzügige Spenden - auch an Scheuchs Partei - versprochen. Trotz erst- und zweitinstanzlicher Verurteilungen kam ein Rücktritt für den Architekten der Wiedervereinigung der Kärntner Freiheitlichen mit der FPÖ von Heinz-Christian Strache lange Zeit nicht infrage. „Passt mir auf mein Kärnten auf“ - Mit diesen wohlbekannten Worten trat Uwe Scheuch Anfang August als Kärntner Landeshauptmann-Stellvertreter und Parteiobmann der FPK zurück und verabschiedete sich aus der Politik. Zehn Jahre lang verlief die Politkarriere von Uwe Scheuch steil nach oben. Erst mit der "Part-of-the-game"-Affäre bekam sein schier unaufhaltsamer Aufstieg in der Politik einen deutlichen Dämpfer. Als Grund dafür nannte er "Hetze" und kritisierte die Medien scharf. Er wolle nun nur mehr einfaches Parteimitglied sein und keine Fragen mehr beantworten müssen. Uwe Scheuch wurde am 15. Juni 1969 in Villach geboren, wo er auch die Volksschule besuchte. Nach der Matura am Bundesrealgymnasium Spittal an der Drau im Jahr 1989 ging er nach Wien, um dort innerhalb von sieben Jahren ein Studium an der Universität für Bodenkultur zu absolvieren. Seine Diplomarbeit schrieb er zum Thema "Der Bauernwald in Oberkärnten". Nebenbei führte er ab 1990 die Land- und Forstwirtschaft am eigenen Hof, gemeinsam mit seinem Bruder Kurt. Uwe ist aber nicht der erste bekannte Scheuch in der Politik. Sein Großvater Robert Scheuch war ein Mitbegründer der Freiheitlichen, der ältere Bruder Kurt (r.) wurde als "Reißwolf von Knittelfeld" berühmt, als er 2002 beim legendären Delegiertentreffen angeblich aufgrund eines Missverständnisses den Pakt zwischen der damaligen Obfrau Susanne Riess-Passer und deren Vorgänger Jörg Haider zerriss. Damals stand Uwe noch im Schatten des großen Bruders, der ihm nun in der Landesregierung und als Parteichef nachfolgt. Mit der Nationalratswahl 2003 zog Scheuch - von 2001 bis 2006 auch Vizepräsident der Kammer für Land- und Forstwirtschaft in Kärnten - ins Hohe Haus ein, und überholte damit seinen Bruder karrieretechnisch gesehen. Uwe Scheuch wurde bald zum Wortführer der Kärntner Freiheitlichen und machte sich in der Partei unentbehrlich. Im Dezember 2006 beerbte er Martin Strutz als Landesrat, nach dem Tod Jörg Haiders 2008 stieg er zum stellvertretenden Landeshauptmann und zum Landesparteichef des damaligen BZÖ auf. Nach einem Jahr als Kärntner BZÖ-Chef realisierte Scheuch Ende 2009 eine vorerst öffentlich dementierte aber hinter den Kulissen längst angestrebte Rückkehr der Orangen in die "freiheitliche Familie". Bereits im Jänner 2010 wurde er allerdings von der "Part-of-the-game"-Affäre eingeholt, das Nachrichtenmagazin "News" veröffentlichte das Gespräch zwischen Scheuch und einem damaligen Parteifreund, bei dem über die "Rahmenbedingungen" für einen russischen Investor gesprochen wurde. Die Verurteilung zu 18 Monaten teilbedingter Haft im Sommer 2011 traf Scheuch schwer. In den Tagen und Wochen nach dem Urteil wurde von Scheuch und seinen Parteifreunden heftig gegen das "Fehlurteil" gewettert. Auch persönliche Angriffe auf Richter Christian Liebhauser-Karl blieben nicht aus. In der Folge änderte der Parteichef allerdings seine Strategie und verzichtete auf Attacken auf die Justiz. Bei der Aufhebung des Ersturteils durch das Oberlandesgericht vermied er Häme und hielt sich verbal total zurück. Diese Strategie behielt er auch bei der Neuauflage des Prozesses bei. Abseits dieses Verfahrens sorgte Scheuch erst vor wenigen Monaten im bildungspolitischen Umfeld für Aufregung. Als er im Mai zu Protokoll gab, dass man renitente Schüler auch mittels einer "klanen Tetschn" zur Räson bringen könne, hagelte es Kritik von allen Seiten. Er beteuerte daraufhin, dezidiert gegen körperliche Gewalt zu sein, und sah sich auch falsch verstanden. Grundsätzlich gilt Scheuch als kommunikativ und im Ton verbindlich, aber beinhart in der Sache und durchaus auch dem Gebrauch der Ellbogen zugeneigt, wenn es mit Machtzuwachs verbunden ist. Kritiker werfen ihm gelegentlich "Herrenbauern-Mentalität" vor. Scheuch ist verheiratet und Vater eines Sohnes und einer Tochter. (APA) Erstellt am 17.07.2012, 14:51 Stichworte: › Korruption › FPK › BZÖ › Stefan Petzner › Uwe Scheuch › Parteienförderung Diskussion Kommentare aktualisieren Weitere Artikel zum Thema Politik Scheuch: Die Unschuld vom Kärntner Land "Part of the game"-Prozess: Landeshauptmann-Vize Scheuch bekennt sich erneut nicht schuldig. Er wird aber auch erneut schwer belastet. Politik Scheuchs abruptes Karriere-Ende Nach zehn Jahren Aufstieg stolperte FPK-Chef Uwe Scheuch über die "Part-of-the-Game"-Affäre. Kärnten Kärnten: Kurt Scheuch für Neuwahlen im Frühjahr 2013 Nach dem Rücktritt von Uwe Scheuch hat sich Bruder Kurt über einen möglichen Termin für Neuwahlen geäußert. 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