"Siegfried": Misstraue allen Ideologien!

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Foto: ENRICO NAWRATH / BAYREUTH FESTIVAL „Siegfried“ spielt auch auf einer Art Mount Rushmore, wo statt der US-Präsidenten linke Denker bzw. Diktatoren in den Berg gehauen sind.

Kritik: "Siegfried" in Bayreuth – der bisher intensivste Abend der neuen "Ring"-Produktion.

Nun ist es nicht nur erlaubt, sondern auch geboten, erste Prognosen abzugeben: Der neue „Ring des Nibelungen“ in Bayreuth, musikalisch betreut von Kirill Petrenko und szenisch entfremdet von Frank Castorf, wird – falls in der „Götterdämmerung“ am Mittwoch nicht alles schiefläuft – als bester „Ring“ seit 1976 in die Festspielgeschichte eingehen, seit der Zusammenarbeit von Patrice Chéreau und Pierre Boulez.

Die „Siegfried“-Premiere legt diese Mutmaßung nahe: Sie war noch faszinierender, intensiver, radikaler als „Rheingold“ und vor allem als „Die Walküre“. Das ist Musik-Theater, bei dem beide Elemente gleichrangig sind, einander ergänzend, dann auch widersprechend. Dass diese Produktion das Publikum entzweit, in heftige Applaudierer und Buh-Rufer, ist klar.

Man muss aber auch diesfalls zunächst einmal erläutern, was „Siegfried“ szenisch so besonders macht: alles!

Überall Wotane

Was Castorf erzählt, hat auf den ersten Blick nichts mit dem Libretto zu tun. Bei näherer Betrachtung stimmen aber auch an diesem Abend die Relationen der Figuren zueinander, die tragischen Aspekte. Es gibt für Castorf nicht nur einen Wotan oder einen Siegfried – Figuren, denen es primär um Geld, um Erfolg, um Sex, um Macht geht, existieren zuhauf.

Der erste Aufzug von „Siegfried“ spielt auf einer Art Mount Rushmore, jenem Berg in South Dakota, in den die Antlitze der US-Präsidenten Washington, Jefferson, Theodore Roosevelt und Lincoln gehauen sind. Bei Castorf ist das freilich neu gedeutet: Man sieht die linken Denker bzw. Diktatoren Marx, Lenin, Stalin und Mao.

Mime davor, in seinem Wohnwagen, ist ein zerstreuter Intellektueller, eine Art Messi, der seine Bücher ständig durcheinanderbringt.

Einen Bären gibt es nicht, dafür einen Schauspieler, den man schon als Tankstellenpächter aus „Rheingold“ kennt. Er ist ein Sklave an der Leine, der auch schwarz angemalt wird. Ein starkes Bild für Unterdrückung.

Siegfried will aus dieser Welt ausbrechen. Er stürmt eine Stiege hoch und stößt auf verschlossene Türen. Darüber gibt es ein „S-Bahn“-Symbol, wie in der DDR. Eine Flucht ist unmöglich. Und Kommunismus ebenso wie Kapitalismus keine Lösung. Streng genommen erzählt auch der „Ring“ genau davon.

Kalaschnikow

Statt eines Schwertes schmiedet Siegfried eine Kalaschnikow, nimmt dann aber sicherheitshalber doch Nothung mit, falls der DDR-Plunder nicht funktioniert.

Als Kontrast zu diesem Berg gibt auf es der Drehbühne in dieser kontrastreichen, dialektischen Inszenierung den Berliner Alexanderplatz, offensichtlich postkommunistisch. Man befindet sich also, wenn man so will, in der DDR vor bzw. nach dem Mauerfall. Wotan und Siegfried sind dort heruntergekommene Gestalten im Kriminellen- und Zuhältermilieu. Wotan verhandelt den Lauf der Welt mit Erda, einer Art Puffmutter, bei Rotwein und Spaghetti.

Und Siegfried liefert sich mit Fafner, der kein Riesenwurm ist, sondern über das Geld und seine Models wacht, eine Schlägerei. In deren Verlauf erschießt Siegfried ihn mit Gewehrsalven.

Die Festspiele hatten auf dem Programmzettel vor der Lautstärke dieser Szene gewarnt. Ein Mann im Publikum übergab sich und erlitt einen Kollaps. Bald ging es ihm wieder besser. Nicht auszudenken, welche Diskussion über Regietheater losgebrochen wäre, wenn Schlimmeres passiert wäre.

Der Waldvogel ist eine Varietétänzerin, die von Siegfried vernascht wird. Für sie interessiert er sich viel mehr als für Brünnhilde, mit der er gleich nach deren Erweckung ein biederes Verhältnis führt. Sie öden einander an. Bei diesem „Ring“ hat nicht nur Alberich der Liebe entsagt, sondern auch Castorf.

Krokodile

Zwei Krokodile kommen und fressen eine Braut. Siegfried rettet diese wie in einem Comic und füttert die Tiere mit Brotresten. Das Krokodil kennt man aus Castorfs letzter Wiener Arbeit, „Der Spieler“. Hier geben sie der politischen Schwere eine humoristische Note.

Zwischen großer Dramatik und Leichtigkeit changiert auch Dirigent Kirill Petrenko mit dem exzellenten Festspielorchester. Er schafft es phänomenal, den dramaturgischen Bogen ebenso zu entwickeln wie feinste Details. Die Farbenpracht ist atemberaubend, die Differenzierung auch. Petrenko erzählt im Graben die Geschichte, die auf der Bühne nicht stattfindet, die aber deshalb so gut dazupasst, weil er mit den Sängern deren Typologien bestens kreiert. Er hat für jeden einen anderen Ton und zelebriert die reiche Motivik.

Lance Ryan als Siegfried mit Ketterln und anfangs im Pelzmantel, der aus Wagners Nachlass stammen könnte, forciert zu stark, hat manche Intonationsprobleme, erreicht aber dennoch hohe Intensität. Catherine Foster ist eine Mittelklasse-Brünnhilde, nicht sehr berührend. Wolfgang Koch besticht auch als Wanderer – er ist ein völlig neuer Wotan, weniger herrisch, sehr lyrisch, sicher in allen Lagen und mit ausreichend Kraft. Burkhard Ulrich ist ein etwas schriller Mime, Martin Winkler ein souveräner Alberich, Sorin Coliban ein profunder Fafner, Nadine Weissman eine fabelhafte Erda, Mirella Hagen ein süßer Waldvogel.

Nach der „Götterdämmerung“ wird sich auch Castorf dem Publikum stellen müssen. Man kann schon mal die Ohrenstöpsel herrichten.

KURIER-Wertung: ***** von *****

Podcast

Die Bayreuth-Kritik zum Nachhören

Gert Korentschnig war telefonisch live zu Gast bei Radio Stephansdom. Seine "Siegfried"-Kritik zum Nachhhören:

Mythos Wagner

Richard Wagner von A bis Z

Als Opernerneuerer ist Richard Wagner heute längst etabliert, als Person bleibt er umstritten, nicht zuletzt wegen seines Antisemitismus. Am 22. Mai jährt sich der Geburtstag des 1883 Verstorbenen zum 200. Mal. Im Folgenden ein Alphabet mit allem, was man über Wagner wissen sollte. A wie Alberich: Bass-Partie in der monumentalen Tetralogie "Ring des Nibelungen". Wirbt um die Rheintöchter, die den hässlichen Zwerg abblitzen lassen. Raubt deshalb aus Rache das Rheingold und schmiedet einen Ring, der die Weltherrschaft verheißen soll. B wie Bayreuth: Als Wagner kommt, ist Bayreuth ein Provinzstädtchen. Das Grundstück für sein eigenes Festspielhaus stellen die Stadtväter zur Verfügung, beim Bau des Opernhauses unterstützt ihn der Bayernkönig Ludwig II. (siehe: M wie Mäzen). Im April 1874 zieht die Familie in Haus Wahnfried (Bild) ein. Im August 1876 feiern die Festspiele schließlich mit dem erstmals vollständig aufgeführten "Ring des Nibelungen" ihre Premiere. Heute sind Wagner und die jährlichen Festspiele Bayreuths Markenzeichen. C wie Cosima: Wagners zweite Frau. Er spannt sie Hans von Bülow, einem engen Freund, aus. Nach Wagners Tod 1883 wird Cosima Festspielchefin. Antisemitische und nationalistische Ideen sind unter ihrer Ägide salonfähig in Bayreuth. Stirbt 1930. Wagners erste Ehefrau war Minna, er hatte zahlreiche Affären, u. a. mit Mathilde Wesendonck, Friederike Meyer, Jessie Laussot und Judith Gautier. D wie Deutsche Meister: "Ehrt Eure deutschen Meister! Dann bannt ihr gute Geister" - die in "Meistersinger aus Nürnberg" angesprochene "deutscher Meister Ehr" gibt Anlass zu Missinterpretation. Wagners Idealvorstellung war zwar eine vom Volk ausgehende und von diesem getragene „Deutsche Kunst“, dabei wollte er das Nationale allerdings nur als dekoratives Element verstanden wissen: "so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen." E wie Erlösung: Grundthema bei Wagner. Der Holländer sehnt sich ebenso nach ihr wie Tannhäuser. Parsifal soll der Erlöser selbst sein. Für Künstler Jonathan Meese, der 2016 den Bayreuther "Parsifal" inszeniert, ist Wagner E wie "ERZCHEF". F wie Familie: Winifred Wagner (li.o.) war mit Wagners drittem Kind Siegfried verheiratet, übernahm nach dessen Tod 1930 die Festspielleitung und suchte später die Nähe zu Hitler. Ab 1951 leiten ihre Söhne Wieland und Wolfgang (re.o.) die neu eröffneten Bayreuther Festspiele. Von 1966 bis 2008 war Wolfgang Wagner Alleinherrscher am Hügel, bevor seine Töchter Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier (li.u.) übernahmen. Immer wieder gibt es Gerangel um Wagners Erbe. Nike Wagner (re.u.) zählt zu den prononciertesten Kritikern.
  G wie Gesamtkunstwerk: Wagner bezeichnete die attische Tragödie als das „große Gesamtkunstwerk“. In seiner Schrift "Das Kunstwerk der Zukunft" weitete Wagner die Bedeutung des Begriffes aus. In seiner Konzeption eines verschiedene Künste umfassenden Kunstwerks, die er im Buch "Oper und Drama" beschrieb, ordnete Wagner die einzelnen "Schwesterkünste" einem gemeinsamen Zweck, dem Drama, unter. Die zunehmende Arbeitsteilung (etwa bei der Spartentrennung im Theater) und die egoistische Vereinzelung in der Gesellschaft sollten aus seiner Sicht aufgehoben werden. H wie Hügel, Grüner: Als "Grüner Hügel" wird jene Anhöhe auf dem Stadtgebiet Bayreuths bezeichnet, wo Wagner zwischen 1872 und 1875 nach eigenen Plänen das Festspielhaus zur Aufführung seiner Werke errichte ließ. Der Name wurde abgeleitet vom gleichnamigen Hügel in Zürich, dem Gabler, auf dem die Villa Wesendonck steht, neben der Wagner von April 1857 bis August 1858 in einem bescheidenen Gartenhaus wohnte. Dort waren Teile der "Ring"-Tetralogie, von "Tristan und Isolde" sowie die "Wesendonck-Lieder" entstanden. I wie Isolde: Extrem herausfordernde Partie in "Tristan und Isolde". Verlangt der Sängerin alles ab. Ohne Erfahrung und Mut geht da gar nichts. Deshalb ist auf der Bühne oft eine Isolde gesetzteren Alters zu sehen. Bild: Waltraud Meier als Isolde J wie Judentum: Der Antisemitismus ist die dunkle Seite Wagners und macht ihn zum umstrittenen Künstler. Sein Aufsatz "Das Judenthum in der Musik" ist voller übler und abstoßender Verunglimpfungen. Nicht zuletzt deshalb ist Wagners Musik in Israel heute noch nicht akzeptiert. K wie Kultstätte: In dem Haus Wahnfried am Rande des Bayreuther Hofgartens lebte Richard Wagner ab 1874 mit seiner Frau Cosima und seinen Kindern. "Hier wo mein Wähnen Frieden fand – Wahnfried – sei dieses Haus von mir benannt." - diese Inschrift lockt Jahr für Jahr Wagnerianer zu der Pilgerstätte. L wie Leipzig: Wagner kommt am 22. Mai 1813 in der sächsischen Stadt zur Welt. Er verbringt dort prägende Jugendjahre. Der junge Mann hat zwar keinen Schulabschluss, dennoch schreibt er sich 1831 an der Universität als Student der Musik ein.

  M wie Mäzen: Bayernkönig Ludwig II. war ergriffen und beeindruckt von "Lohengrin" und "Tannhäuser". Holt Wagner an seinen Hof, rettet ihn vor dem finanziellen Ruin. Gibt ihm immer wieder Geld. Gemeinsame Pläne für ein Festspielhaus in München scheitern.
Aber immerhin klappt es in Bayreuth. N wie Nazis: Wenngleich Wagner lange vor dem Nationalsozialismus starb, wird sein Wirken immer wieder mit dieser Epoche verbunden. Nicht zuletzt, weil er zum Lieblingskomponisten Adolf Hitlers wurde, der am Grünen Hügel gern gesehener Gast war (hier mit Winifred Wagner). Mehrere dem Diktator geschenkte Partituren gingen mit dessen Tod verloren. Wagners Judenfeindlichkeit und Deutschtümelei wurde von den Nazis bereitwillig aufgegriffen. O wie Opernerneuerer: Wagner wendete sich ab von den gebräuchlichen Nummernopern und führte die Form der durchkomponierten Oper zur Vollendung - mit seinem Konzept der "unendlichen Melodie". Als bühnentechnische Neuerung konzipierte er u.a. den Bayreuther Orchestergraben mit für das Publikum unsichtbaren Musikern. Nichts sollte vom reinen Hören ablenken. Der "mystische Abgrund" sowie die Architektur des Festspielhauses sorgen für eine unvergleichliche Akustik. Q wie Qual: Kann eine Wagner-Oper auch sein. Schließlich dauern die meisten Werke locker fünf Stunden. In Bayreuth sind zudem die Sitze unbequem. Dient aber der besseren Akustik, weil Polstersessel Schalwellen schlucken. Der Platz im Haus ist beengt und die Luft hat nicht gerade Kurortqualität. P wie Popkultur: Wagners Spuren in der Popkultur führen hauptsächlich in das Medium Film. Francis Ford Coppola ließ in seinem Vietnam-Epos "Apocalypse Now" US-Kampfhubschrauber zu Wagners "Walkürenritt" einen Angriff fliegen. Für Komponist John Williams war Wagners Leitmotivtechnik in Filmen wie "Indiana Jones" und "Star Wars" unentbehrlich. Diese dient auch der Figurenzeichnung. Und auch Chaplins "Der große Diktator" kommt nicht ohne Wagner-Motive aus. R wie "Ring des Nibelungen": Tetralogie. "Das Rheingold", "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung". Gesamtspieldauer ohne
Pausen: circa 16 Stunden. Grundmotive aus der Nibelungensage und der nordischen Mythossammlung Edda. Uraufführung 1876 in Bayreuth.
  S wie Schulden: Wagner musste immer wieder vor seinen Gläubigern flüchten. Auf diesen Charakterzug bezieht sich Thomas Manns berühmter Aphorismus vom "Pumpgenie" Wagner. Als Wagner 1849 aus Dresden flüchten musste, hatte er angeblich 18.000 Taler Schulden - bei einem Jahreseinkommen als Kapellmeister von 1.500 Talern. T wie Tristan-Akkord: "Richard Wagners „Tristan und Isolde“ respektive der fast schon mythenumrankte Tristan-Akkord beschäftigt gleichsam parallel zur Aufführungsrezeption seit jeher Legionen von Musikwissenschaftlern, Musiktheoretikern und Musikliebhabern", wie Franz Welser-Möst im KURIER erklärte.
Bild: Symbolfoto U wie Urlaub: Viele Mitwirkende opfern ihren Urlaub, um bei den Festspielen zu arbeiten. Für die deutsche Kanzlerin Angela Merkel dagegen ist Bayreuth purer Urlaub - sie ist mit ihrem Mann zwar vielfotografierter Premierengast, später aber auch noch bei anderen Aufführungen ganz ohne Blitzlichtgewitter anzutreffen.
  V wie Venedig: Die italienische Lagunenstadt zählt zu Wagners Lieblingsorten. Hier stirbt er am 13. Februar 1883 an einer Herzattacke. Er weilte schon seit September in der Stadt, um dem fränkischen Winter zu entgehen. Ein Sonderzug bringt Wagners Leichnam über die Alpen nach Bayreuth, wo er in einer Gruft im Garten der Villa Wahnfried beigesetzt wird. W wie Wagnerianer: Kein Komponist hat eine derart treue und verschworene Fanschar, die das Werk ihres Heroen nicht zuletzt auch gegen so manchen modernen Regieeinfall verteidigt. Institutionalisierte Beförderer des Wagnerischen sind der Richard-Wagner-Verband, die Deutsche Richard-Wagner-Gesellschaft, oder die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth. X wie Xylophon: Bei Wagner im Orchester nicht vorgesehen. Y wie YouTube: Beim Videoportal liefert der Suchbegriff "Richard Wagner" mehr als 200.000 Treffer. Beliebteste "Hits" sind demnach der
Walkürenritt, Siegfrieds Trauermarsch und das "Lohengrin"-Vorspiel. Den Brautchor aus "Lohengrin" muss man allerdings oft als
Keyboardversion ertragen.

  Z wie Zürich: Nach dem Dresdner Maiaufstand flieht Wagner an die Limmat. Schreibt wichtige theoretische Schriften. Wegen der Wesendonck-Verwicklungen muss er wegziehen. Kommt später wieder in
die Schweiz, ab 1866 findet er Asyl nahe Luzern. Bleibt dort bis zum Umzug nach Bayreuth.
Kunst Stoff

Salzburg kommt danach

Was haben Bayreuth, München und Salzburg miteinander zu tun? Zurzeit viel.

In Bayreuth feiert gerade Kirill Petrenko einen Triumph beim „Ring“. Ab Herbst übernimmt er, unter der Intendanz von Nikolaus Bachler, die Stelle des Generalmusikdirektors der Bayerischen Staatsoper München. Dort wiederum leitet heute Kent Nagano seine letzte Aufführung als GMD – Wagners „Parsifal“. So weit, so gut. Und noch kein Grund, das Musikbusiness seltsam zu finden.

In München fand aber am Samstag auch eine Aufführung von Verdis „Requiem“ statt, dirigiert von Zubin Mehta. Am Sonntag leitete derselbe in München Verdis „Don Carlo“. Und am Montag die „Falstaff“-Premiere in Salzburg. Nun ist es sicher so, dass sich Mehta in München gut mit Verdi für Salzburg aufgewärmt hat. Man könnte aber auch die Frage stellen, ob da die Einzigartigkeit der Festspiele noch gewährleistet ist.

Diese Frage wird vor allem nötig, wenn man sich die Münchener „Don Carlo“-Besetzung anschaut. Es sangen: Jonas Kaufmann und Anja Harteros. Die beiden sind ab 13. 8. auch die Stars der Salzburger „Don Carlo“-Premiere (ebenso fünf Akte, ebenso auf Italienisch).

Alle Vorstellungen sind ausverkauft, an den Einnahmen ändert das also nichts. Aber künstlerisch ist es befremdlich, wenn nur 140 Kilometer von Salzburg entfernt zwei Wochen davor dasselbe (Traum-)Paar zu hören ist. London, wo sie das zuletzt gesungen hatten, ist wenigstens weiter weg.

(KURIER) Erstellt am
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