Letztes Update am 07.08.2012, 14:05
Schlamm, Liebe & Politik: Woodstock in Polen.
Eine halbe Million Menschen versammelte sich wieder an der polnisch-deutschen Grenze, um ein dreitägiges, ausgelassenes Musikfest zu feiern.
Das größte Open Air Festival Polens, "Przystanek Woodstock", machte am Wochenende wieder in Kostrzyn an der Oder Station.
Übersetzt heißt das Festival "Haltestelle Woodstock". Nach drei Tagen zogen die Veranstalter Bilanz: Rund eine halbe Million überwiegend jugendlicher Besucher sollen zum Festival nahe der deutsch-polnischen Grenze gekommen sein.
Diesmal wurde das ausgelassene Festival für einen Staatsbesuch genützt. Der deutsche Bundespräsident Gauck traf seinen polnischen Amtskollegen Bronislaw Komorowski (dazwischen steht der Veranstalter des Festivals).
Natürlich wurde die deutsch-polnische Freundschaft unterstrichen. Er bewundere das Nachbarland "für seine Liebe zur Freiheit", sagte Gauck.
Am Rande des Festivals diskutierten die Staatsoberhäupter mit mehreren hundert Besuchern - im Zelt auf der Wiese, umgeben von Männern mit nacktem Oberkörper und Frauen mit Bikinioberteil. "Immer waren die Polen mutig und haben etwas für die Freiheit getan", sagte Gauck, der schon zu DDR-Zeiten zum Thema Freiheit referierte.
Aus Sicht des deutschen Bundespräsidenten ist der Patriotismus in Deutschland deutlich geringer ausgeprägt als im Nachbarland - aus gutem Grund. Die Deutschen hätten die Menschen zweimal unglücklich gemacht, weil Patriotismus in Nationalismus umgeschlagen sei.
Für die polnische Zeitung Gazeta Wyborcza ging mit der Anwesenheit des polnischen und deutschen Präsidenten zur Eröffnung die Zeit des Festivals als Veranstaltung der Alternativen und Unangepassten endgültig zu Ende.
Diesen Eindruck konnte man, betrachtet man das ordentlich durchgemischte Publikum, während des Festivals nicht unbedingt gewinnen.
Der Name "Woodstock" (analog zum berühmten amerikanischen Rockfestival von 1969) steht ja einerseits für Blumenkinder, ...
... und manche kamen tatsächlich in Hippie-Aufmachung auf das riesige Areal.
Woodstock steht aber andererseits auch für Musik. Im Mittelpunkt standen dann auch rund 60 Bands, die auf den Festivalbühnen spielten. Das Programm reichte von Folk bis Metal.
Die Lichtshow wirkte am Abend recht eindrucksvoll.
Woodstock steht aber auch für Schlamm ...
... und freie Liebe.
Vor wenigen Tagen noch erklärte der Warschauer Erzbischof, Henryk Hoser, das Konzert von US-Popdiva Madonna in der polnischen Hauptstadt sei für ihn "lästerlich, vulgär und zügellos" gewesen.
Was würde der gestrenge Kirchenmann wohl im Eindruck dieser Bilder sagen..?
Die Jugend des katholisch geprägten Landes nützt das "Przystanek Woodstock" jedenfalls für ausgelassenes Feiern.
Manche würden dazu wohl "lästerlich, vulgär und zügellos" sagen.
Polizei und Veranstalter zogen allerdings eine positive Bilanz.
Das Festival sei friedlich verlaufen, Zwischenfälle die Ausnahme geblieben, sagte ein Polizeisprecher.
Es gab Festnahmen von sechs alkoholisierten Autofahrern und 25 Besuchern, die mit Drogen erwischt worden seien.
Außerdem wurden 51 Diebstähle und sechs Einbrüche angezeigt. Bei einem dreitägigen Festival mit diesen Ausmaßen ist das eine verhältnismäßig geringe Zahl an Delikten.
Der Zweck ist ohnehin ein guter: Das kostenlose Festival ist von der Warschauer Stiftung "Großes Orchester der Weihnachtshilfe" vor allem als Dankeschön für ihre freiwilligen Helfer gedacht, die jedes Jahr in Polen Spenden sammeln.
Im Folgenden noch einige Impressionen vom polnischen "Woodstock" 2012: . . .
(KURIER, dpa/tem)
Erstellt am 07.08.2012, 10:59