Letztes Update am 12.06.2012, 14:14
Nova Rock: Grandioser Schlusspunkt mit Metallica.
Das Nova Rock-Festival erlebte nach manchen Schwächephasen mit dem Auftritt von Metallica einen würdigen Höhepunkt.
Die Headliner Metallica begannen ihr Konzert am Sonntag beim Nova Rock leicht verspätet. "Obey your master", gehorche deinem Meister, schallte es um 23.30 übers Gelände; ein wüster, atemloser Auftakt, der bestätigte: Metallica sind in Hochform. "Wir sind die letzten, wir werden den meisten Spaß haben", schrie Sänger James Hetfield. Und weiter ging’s.
Lars Ulrich am Schlagzeug stand immer wieder auf - als wollte er seinem Spiel noch zusätzlich Druck verleihen. Metallica ließ vehement wissen, wer hier der Headliner war.
Die eindrucksvolle Bühnenrampe "Snake Pit" - bekannt aus der 1991/1992er-Tour - wurde auch von Robert Trujillo genutzt, um seine mächtigen Bassläufe unters Volk zu bringen.
Kirk Hammett nahm ebenfalls Tuchfühlung mit den ausgewählten Fans in der Snake Pit auf. Die Band spielte ihr legendäres, eigentlich unbetiteltes "Black Album" von 1991 in voller Länge, aber in gestürzter Reihenfolge - mit allen Hits von "Nothing Else Matters" bis zum abschließenden "Enter Sandman".
Die US-Thrash-Metalband, die zum dritten Mal beim Nova Rock antrat, mag nicht der außergewöhnlichste Headliner gewesen sein, aber auf jeden Fall ein würdiger. Das war in der Schärfe dann doch überraschend fantastisch. Und ein versöhnlicher Abgang für das zwar friedliche, aber musikalisch streckenweise schwächelnde Festival.
Messerscharfe Riffs und glasklarer Sound - auch dank eigener Anlage - sorgten für eine überzeugende bis perfekte Darbietung, die ohne Durchhänger auskam. Nicht nur die von Hetfield beschworene "Metallica-Family" wurde bestens bedient.
2009, bei ihrem letzten Auftritt beim Nova Rock, wurde die Metallica-Familie noch von prasselndem Regen bis auf die Socken durchnässt. Bei ihrer aktuellen Show gab es lediglich beim Song "The Unforgiven" einen kurzen Platzregen.
Der Anti-Kriegs-Song "One" im Zugabenteil wurde von Maschinengewehr-Geknatter und Show-Explosionen eingeleitet. Nach rund zwei Stunden war die fulminante Metallica-Show dann zu Ende.
Die Metallica-Pyroshow ging um 1:30 Uhr nahtlos in das obligate Abschlussfeuerwerk des Nova Rock über. Danach schleppte sich die ebenfalls obligate Blechlawine Richtung Ostautobahn.
Harte Töne waren am Sonntag, dem Schlusstag auf der Hauptbühne des Nova Rock Festivals in Nickelsdorf, angesagt. Slayer leiteten den düsteren Abend ein.
Wo Slayer draufdreschen, wächst kein Gras mehr. Die Hochgeschwindigkeitsgitarrenwüter wühlten am Sonntagabend derart anhaltend in den unteren Eingeweiden des Publikums herum, dass dieses zuletzt – völlig berechtigt – Anzeichen von Euphorie bekundete.
Dabei war es zuerst noch „verdammt ruhig“, wie Chefbrüller Tom Araya recht kritisch anmerkte bzw. anbrüllte. Auch hier war kein Widerspruch geduldet, glücklicherweise: Headlinerstimmung schon vor Metallica.
Slayer-Gitarrist Kerry King testete schon einmal die spezielle Snake Pit-Rampe, die für Metallica bereits vor dem letzten Festivaltag aufgebaut wurde. Und Drummer Dave Lombardo bretterte gewohnt beinhart mit seiner Double-Bass durch Songs wie "Die By The Sword", "Chemical Warfare" oder "Postmortem".
Am Abend, kurz vor dem Auftritt von Slayer, brachte relativ starker Wind plötzlich ziemlich dunkle Wolken in die Pannonia Fields. Die Wolkenbank zerstreute sich aber recht bald und es sieht derzeit so aus, dass der Auftritt von Metallica diesmal nicht im Regen untergeht, anders als vor drei Jahren.
Parallel dazu zogen The Boss Hoss auf der kleineren Red Stage ihre Country-Rockshow ab. Am Montag wurde bekannt, dass die beiden Juroren der Castingshow "Voice of Germany" auch beim Wiener Donauinselfest auftreten werden.
Vor Metallica bespielten Nightwish die Hauptbühne "Blue Stage". Frontfrau Anette Olzon und ihrer Band gelang es kaum, das Publikum mit ihrem musicalhaften Song Contest-Metal für Metallica aufzuwärmen, ...
... auch wenn die Band pyrotechnische Effekte zu bieten hatte.
Auf der kleineren Red Stage lieferten derweil Evanescence ihren Gothic-Poprock ab. Amy Lee und ihre Band waren eigentlich einmal die wesentlich größere Nummer.
Am dritten und letzten Tag beim Nova Rock Festival war zunächst wieder das schöne Wetter zurückgekehrt. Viele, die vor allem wegen der Toten Hosen am Vortag gekommen waren, reisten ab. Dafür kamen einige, die sich den großen Schlusspunkt am Sonntag, Metallica, genehmigen wollen.
Freilich zeigen einige nach zwei Tagen Rockfestival schon Ermüdungserscheinungen. Laut Festival-Chef Ewald Tatar wurde das "ausverkauft" um 1.500 Tickets verpasst.
Auf den kleineren Mini-Bühnen hält sich das Zuschauer-Interesse in Grenzen.
Auf den Hauptbühnen ist heute eindeutig die härtere Schiene angesagt. Bereits am frühen Nachmittag gaben As I Lay Dying alles.
Trivium rockten bei idealem Festivalwetter (sonnig, aber nicht zu heiß) schon eine ansehnliche Fan-Schar auf der großen Blue Stage.
Während am späten Nachmittag eine Flugshow gezeigt wurde, war auf den Bühnen davor eher "Freakshow" angesagt. Die vor Ironie strotzende norwegische Death-Punk-Band Turbonegro setzte ebenso auf Matrosenmützen ...
... wie Oomph!, die sich der Neuen deutschen Härte verschrieben haben, und sicher auch so manchen Rammstein-Fan am Nova Rock entschädigt haben. Sänger Dero Goi schminkte sich wie der Joker aus "The Dark Knight". Augen auf, ich komme!
Ausgerechnet dem Sänger der Nu Metal-Götter Slipknot, Corey Taylor, war es vorbehalten, am Schlusstag für relaxte Stimmung zu sorgen. Ausschließlich mit Akustikgitarre bewaffnet, erfreute er auf der Red Stage mit seinem Solo-Programm sowohl Slipknot- als auch Stone Sour-Fans.
Am Samstag haten Die Toten Hosen als Headliner den zweiten Tag des Nova Rock-Festivals beschlossen. Nachdem der Nachmittag auf den Pannonia Fields ziemlich verregnet war, verlief der Abend vorwiegend trocken.
Pünktlich um 23:30 Uhr legten Campino & Co. mit "Ballast der Republik" los. Der Frontman begrüßte danach das Publikum: "Schön, wieder hier zu sein!"
Mehr als zwei Jahre haben die Düsseldorfer keine großen Konzerte gespielt. Dieses Jahr feiern sie ihr 30. Bühnenjubiläum mehr als lautstark.
Campino versprach: "Wir haben Lust zu toben, Lust zu spielen, Lust zu schreien!" Das Publikum, das das Areal der Blue Stage nun wirklich bis nach hinten gefüllt hatte, eindeutig auch...
Neben Hosen-Klassikern wie "Alles aus Liebe", "Zehn kleine Jägermeister" und "Eisgekühlter Bommerlunder" sang Campino auch Falcos "Rock Me Amadeus" und ein brachiales "Schrei nach Liebe" von den Ärzten. Das Publikum fraß dem Sänger wie gewohnt förmlich aus der Hand.
Genau 1 Stunde und 45 Minuten hatten die "Hosen" Lust zu toben und zu spielen. Das ist zwar nicht gerade rekordverdächtig für die bekannt ausdauernde Punkrockband. Aber energiegeladen war die Show wie eh und je. Und natürlich kommentierte Campino auch die EURO-Fußballergebnisse des Tages - und vergaß nicht, anzumerken: "Wirklich wichtig ist Fortuna Düsseldorf".
Headliner auf der ebenfalls gut gefüllten Red Stage waren davor Fred Durst mit Limp Bizkit. Mit "Rollin" brachten die US-Nu-Metaller die Menge auf Betriebstemperatur. Danach wurden eher schwach ein paar Nummern vom aktuellen Album "Gold Cobra" gespielt - auch der Ton wollte nicht so recht hinhauen. Als Gegenmittel dienten altbewährte Nummern wie "My Way" und "Break Stuff" und viele der Menge entgegengebrüllte "Fucks".
Anm.: Bild stammt aus einem anderen Konzert der Band, in dem Durst die gleiche Kleidung trug wie in Nickelsdorf.
Das Nova Rock ging am Samstag unter wolkenverhangenem Himmel in Szene. Nachdem das Gelände am Vorabend nach einer Unwetterwarnung geräumt worden war, verlief Tag 2 ohne größere Zwischenfälle. Der Auftakt des dreitägigen Festivals am Freitag war von einem Todesfall überschattet. Ein 24-jähriger Besucher starb, er hatte nach Angaben der Rettungskräfte seit längerem Probleme mit dem Herzen.
Den Besuchern des größten Rockfestivals Österreich sah man am zweiten Tag vor allem eines an: Müdigkeit und Erschöpfung. Die Begeisterung für das Open Air überwog dennoch.
Puddle Of Mudd auf lockten für ihre frühe Spielzeit um 14.25 Uhr eine mehr als ansehnliche Fan-Schar vor die blaue Bühne. Kurz zuvor hatte es zu regnen begonnen, was dem Publikum aber egal war.
Die Leute hielten aus und bekamen als Geschenk dafür ordentlich gespielte Songs wie "Take It All Away" und selbstverständlich "She Hates Me". Frontman Wes Scantlin holte erschöpfte Fans vor die Bühne.
Ein Farbtupfer in der Festival-Routine: Wie Rammstein, nur ohne Feuer, dafür (freiwillig) lustig sind Eisbrecher, die im Trachtenhut und mit Jodeleinlage am Samstagnachmittag für Amüsement sorgten.
Everlast, früher einmal mit House of Pain als HipHopper unterwegs, wirkte erstaunlich gesetzt auf der Bühne und wirkte optisch fast wie ein Bänkelsänger.
Das Wetter hat sich im Normalmodus (Nieselregen) eingependelt; und auch das Programm wurde gehaltvoller: insbesondere die Britrocker Kasabian ernteten zustimmendes Kopfnicken unter den Regenhäuten.
Lichtblick: Bei Kasabian war, mit Exaltiertheit und Experiment, ein gewisses musikalisches Wagnis zu erleben.
Frontman Tom Meighan fand das Publikum einfach nur "so beautiful" und widmete den Fans den Song "Fire".
Der Auftritt von Cypress Hill brachte eine weitere Nuance ins Programm. Denn HipHop ist beim Nova Rock eher ein exotisches Erlebnis. Die Rapper B-Real ...
... und Sen Dog brachten kalifornisches Flair in die pannonische Tiefebene - und siehe da, der Himmel klarte etwas auf.
Natürlich durfte auch wieder die bandtypische Promo für Marihuana nicht fehlen. Die stark angetretene Crowd - das Areal vor der "Blue Stage" füllte sich beim Auftritt von Cypress Hill zum ersten Mal bis in die hinteren Bereiche - ging bei den Hits wie "Insane in the Brain" und "(Rock) Superstar" begeistert mit.
Billy Talent brachten das Publikum weiter für den heutigen Headliner - die Toten Hosen - in Stimmung. Natürlich mit den Hits "Fallen Leaves" und "Red Flag" am Schluss.
Die kanadischen Alternativ-Rocker rüttelten das schon sehr stark versammelte Hauptbühnenpublikum ordentlich durch: Gitarrenpop mit Anspruch und Fetzigkeit, glitzernde Riffs und glänzende Songs. Hier war plötzlich nicht mehr Abopublikum-Stimmung, sondern Festivallaune.
Weitere Impressionen von Tag 2 in Nickelsdorf.
Das diesjährige Nova Rock hatte am Freitag noch bei Sonnenschein begonnen, die ersten Fans waren schon maskiert - ob sie wohl zu den HipHoppern Die Vamummtn wollten? - ...
... die ersten Bierchen werden gezwitschert und ...
... die Luftgitarre gespielt.
Die Gruppen haben sich gefunden,...
... feiern...
... und waschen sich dazwischen auch einmal. Aja, ...
... die Bühnen werden auch schon bespielt und einige Fans stehen auch schon davor. Noch ist das Wetter heiß, wie die Kleidungswahl einiger Besucher zeigt.
(kurier/tem, ley)
Erstellt am 08.06.2012, 14:27