Letztes Update am 16.04.2012, 12:13
Es wird wohl keine europäische Alternative zu den US-Platzhirschen Moody´s, Fitch & Co. geben. Es mangelt an Startkapital.
Moody´s, Standard & Poors und Fitch: Diese drei US-Ratingagenturen dominieren den Ratingmarkt. Ihr Marktanteil liegt bei 95 Prozent. In Europa sehen sich die Agenturen seit längerem heftiger Kritik ausgesetzt. Ihnen wird nicht nur wegen Fehlbewertungen eine Mitschuld an der Finanzkrise gegeben. Auch ihre Rolle bei der Beurteilung der dramatischen Rettungsbemühungen und -konzepte für hoch verschuldete Euro-Länder wie Griechenland, Portugal und Irland ist umstritten. Die Idee einer europäischen Ratingagentur als Gegenspieler muss nun wieder verwerfen werden.
Die Beraterfirma Roland Berger gehe nicht mehr davon aus, 300 Millionen Euro Startkapital für den Aufbau des Prestigeobjektes zusammenzukriegen, berichtet die Financial Times Deutschland in ihrer Montagausgabe. Berger hatte vor allem auf die Unterstützung deutscher und französischer Großbanken gehofft, stieß demnach jedoch auf wenig Interesse. Auch aus der deutschen Industrie sei Gegenwind gekommen.
Gespräche werden fortgesetzt
Komplett beerdigen will die Unternehmensberatung Roland Berger das Projekt jedoch noch nicht und die Gespräche mit Investoren für eine europäische Ratingagentur trotz bisher fehlender Zusagen fortsetzen. "Wir halten das Projekt weiter für richtig und wünschenswert", sagte eine Sprecherin am Montag. Allerdings gebe es bisher "keine konkreten Zusagen für angemessene finanzielle Beiträge".
Roland Berger ist Initiator des europäischen Vorhabens, das den großen US-Ratingagenturen Konkurrenz machen und als private, nicht-gewinnorientierte Stiftung gegründet werden soll. Benötigt werden 300 Mio. Euro Startkapital, das Investoren aus der Finanzbranche aufbringen müssen. Dies war ursprünglich für Ende März vorgesehen.
Neues Geschäftsmodell
Das von Berger-Partner Markus Krall erdachte Ratingkonzept hätte das Geschäftsmodell der Branche umgekrempelt. Anstelle der Emittenten, die Wertpapiere begeben, sollten die Investoren für Ratings bezahlen. So hätten die Agenturen keinen Anreiz mehr, sich mit übertrieben guten Noten Aufträge zu sichern. Die Berger-Pläne sahen ein Stiftungsmodell vor. Insgesamt 30 Investoren aus der Finanzbranche sollten jeweils zehn Millionen Euro beisteuern. Nach fünf bis sieben Jahren sollte sich die neue Agentur soweit etabliert haben, dass die Geldgeber aus dem Cashflow heraus ausbezahlt werden können.
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