Letztes Update am 09.07.2012, 20:27
Während in Italien und Spanien die Zinsen für Staatsanleihen weiter steigen, kommt die Bundesrepublik günstiger denn je an Geld.
Während sich die Zinskrise in Spanien und Italien zuspitzt, drängen Investoren Deutschland weiter Geld auf. Bei einer Auktion sechsmonatiger Schatzbriefe erzielte der Bund am Montag eine negative Rendite von 0,034 Prozent, wie Zahlen der Finanzagentur zeigen.
Anleger zahlen im kurzen Laufzeitbereich zwar schon länger drauf, um in deutsche Staatspapiere investieren zu können, doch so günstig kam Berlin noch nie an frische Mittel. Insgesamt sammelte Deutschland 3,29 Mrd. Euro ein.
Sicherer Hafen
Die Zinsen für deutsche Bundeswertpapiere sind zuletzt wegen der eskalierenden Schuldenkrise in Europa in den Keller gerauscht. Deutsche Papiere gelten als sicherer Hafen. Anleger sind deshalb bereit, deutliche Abschläge bei der Rendite hinzunehmen. Bereits im Jänner nahmen sie bei einer Emission eine negative Rendite in Kauf und zahlten dem Bund damit faktisch ein Prämie.
Spitzentreffen Montagabend
Vor dem Treffen der Euro-Finanzminister Montagabend in Brüssel sind die Kontrolleure der "Troika" am Montag aus Griechenland abgereist. Die nüchterne Bilanz der Sparkontrolleure von EU, IWF und EZB hatte Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras dem Parlament noch am Sonntagabend vorgelegt: Das pleitebedrohte Land habe abermals die Ziele des Sparpaktes verfehlt und müsse bei den Reformen Gas geben, sagte der konservative Politiker in seiner ersten Regierungserklärung in Athen. Die Euro-Minister berieten bei ihrem Treffen über das aus dem Ruder gelaufene Hilfsprogramm für Griechenland und ein Hilfsprogramm für den Inselstaat Zypern.
Zur Beruhigung der hoch nervösen Finanzmärkte werden die Euroländer außerdem noch im Juli milliardenschwere Nothilfen für Spaniens Banken auf den Weg bringen. Die Vereinbarung für das Hilfsprogramm von bis zu 100 Milliarden Euro soll am 20. Juli unter Dach und Fach gebracht werden. "Es gibt bereits eine substanzielle Basis für eine Abmachung", sagte Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Montag beim Treffen der Eurogruppe in Brüssel.
Zugleich ebneten die Finanzminister den Weg für den luxemburgischen Jean-Claude Juncker, noch weitere sechs Monate an der Spitze der Euro-Finanzminister zu stehen. Sie nominierten den luxemburgischen Notenbankchef Yves Mersch für den vakanten Posten im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), verlautete aus Kreisen der Eurogruppe. Das Direktorium ist das Machtzentrum der Notenbank in Frankfurt. Juncker hatte die Benennung Merschs als Bedingung dafür genannt, um weiter den Vorsitz zu führen.
Diskussion
Eurokrise
Spanien in der zweiten Rezession
Griechenland
Athen schafft Schulden-Rückkauf
Auch Österreichs „Bad Bank der Kommunalkredit“ gab griechische Staatsanleihen ab.