Eurokrise Athen: Qual der Wahl nach dem Kollaps Diskussion Weitere Artikel Letztes Update am 04.05.2012, 15:41 Bildergallerie drucken An Instapaper senden Athen: Qual der Wahl nach dem Kollaps. Am Sonntag wählen die Griechen ein neues Parlament. Insgesamt stehen 32 Parteien zur Auswahl. Vollbild Zurück Bild von / Weiter Schliessen Vollbild Am Sonntag finden in Griechenland für das gebeutelte Land richtungsweisende Wahlen statt. Den frustrierten Menschen stehen dabei gleich 32 unterschiedlichste Parteien zur Auswahl. Vor dem Hintergrund der schweren Krise sind viele Bürger verwirrt. Angst vor der Zukunft des Landes und Wut über die Machenschaften der Politiker ... ... sind die vorherrschenden Gefühle. "Einerseits will ich die Zukunft meine Kinder und Enkel sichern. Andererseits will ich diese Politiker abstrafen, die unser Land einen Schritt vor den Abgrund geführt haben", ... ... sagt die Apothekerin Ioanna Kimpezi aus dem Athener Stadteil Goudi.Die wichtigsten Gruppen und wofür sie stehen: Nea Dimokratia (ND)Die Konservative Partei wird vom Ökonomen Antonis Samaras (60) geführt. Die Partei hatte Griechenland 1981 in die damalige Europäische Gemeinschaft geführt und spricht sich vehement für den Verbleib des Landes im Euroland aus. Samaras hat den Gläubigern des Landes zugesichert, dass auch nach den Wahlen er und seine Partei weiterhin das Stabilisierungs- und Sparprogramm für Griechenland in die Tat umsetzen werden. Umfragen deuten darauf hin, dass Nea Dimokratia stärkste Kraft mit etwa 25 Prozent werden könnte. Panhellenische Sozialistische Bewegung (PASOK) Die bis vergangenen November regierenden Sozialisten unter ihrem neuen Chef Evangelos Venizelos (55) sind wie die Konservativen für den Verbleib Griechenlands in der Eurozone. Dafür müsse das Sparprogramm konsequent durchgesetzt werden. Umfragen zeigen, dass den Sozialisten schwere Verluste bevorstehen und sie nur noch zweitstärkste Kraft im neuen Parlament mit etwa 18 Prozent werden (2009: 44 Prozent). Kommunistische Partei Griechenlands (KKE)Die Hardliner-Kommunisten sprechen sich offen für den "Austritt Griechenlands aus der Eurozone und der EU jetzt" aus. Kein Cent solle an die Gläubiger gezahlt werden. Die Partei liegt in Umfragen bei etwa neun Prozent. Bündnis der Radikalen Linken (Syriza)Ein buntes Bündel linker Bewegungen, das sogar mit der extrem Linken liebäugelt. Syriza ist zwar für den Verbleib in der EU und dem Euroland. Athen sollte aber einseitig erklären, es zahle seine Schulden nicht. Umfragen sehen das Bündnis bei etwa neun Prozent. Unabhängige Griechen (AE)Ein Abspaltung aus der konservativen Nea Dimokratia. Die Führung der Unabhängigen Griechen meint, das Land sei "besetzt" von den Geldgebern und müsse "befreit" werden. Athen sollte nichts an die Banken zurückzahlen. Die Partei ist ausländerfeindlich und fordert zudem deutsche Reparationszahlungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Umfragen zeigen, dass auch diese Partei bis etwa acht bis neun Prozent bekommen könnte. Demokratische Linke (DA)Eine Abspaltung aus dem Bündnis der Linken. Die gemäßigten Linken setzen sich für den Verbleib im Euroland. Umfragen geben dieser Partei etwa acht Prozent. Völkische Orthodoxe Gesamtbewegung (LAOS)Eine rechtsorientierte Partei. Sie ist für den Verbleib im Euroland. Das Sparprogramm muss aber neu ausgehandelt werden. Migranten sollten sofort das Land verlassen. Die Partei liegt in Umfragen bei etwa 4,5 Prozent. Goldene Morgenröte (XA)Eine rassistische, ausländerfeindliche und faschistische Partei. Die Partei spricht sich für die "Vertreibung" aller Migranten aus Griechenland aus. Viele ihrer Mitglieder sind gewaltbereit. Umfragen sehen die Ultrarechten bei 3 bis 4,5 Prozent. Ökologen und die Demokratische Allianz der ehemaligen griechischen Außenministerin Dora Bakogianni müssen um den Einzug ins Parlament bangen.Darüber hinaus gibt zahlreiche Parteien und Protestbewegungen, wie etwa die griechischen Piraten, die bisher noch keinen Erfolg hatten, sowie Maoisten und andere linke und rechte Splitterparteien. Zu Problemen nach der Wahl wird wohl das schwierige Verfahren zur Koalitionsbildung führen, die in Griechenland normalerweise Seltenheitswert besitzen. Weil die beiden Großparteien Nea Dimokratia und PASOK angekündigt haben, nicht miteinander koalieren zu wollen, könnte es lange dauern, bis sich eine Regierung gefunden hat. Dabei beauftragt der Präsident der Republik den Chef der stärksten Partei zu sondieren, ob er eine Koalitionsregierung bilden kann. Dieses Mandat gilt für drei Tage. Scheitern diese Sondierungen, erhält der Chef der zweitstärksten Partei ein dreitägiges Sondierungsmandat. Sollte auch dieser Versuch scheitern, bekommt die drittstärkste Partei das Mandat ebenfalls für drei Tage. Bleiben alle diese Sondierungen ohne Ergebnis, ruft der Präsident der Republik zu einer letzten Sondierungsrunde alle Parteivorsitzenden zusammen. Sollte auch dies scheitern, dann wird das eben erst gewählte Parlament aufgelöst und es werden Neuwahlen binnen 30 Tagen angesetzt. Zumindest in diesen Punkten sind sich die Griechen einig: Der Staat muss reformiert werden und die Parlamentswahl stellt das Land vor eine historische Entscheidung. "Was auf dem Spiel steht, ist die Zukunft des Landes in den nächsten Jahrzehnten", sagte der scheidende griechische Ministerpräsident Lucas Papademos bei seiner Abschiedsrede vor dem Ministerrat. Der parteilose Bankexperte kandidiert nicht. Er und seine Regierung haben Griechenland durch die letzten schwierigen Monate geführt und dabei den Weg für Reformen geebnet. Dabei brachten sie den Rekordschuldenschnitt in Höhe von knapp 107 Milliarden Euro unter Dach und Fach. Die Kräfte, die für die Krise und die Arbeitslosigkeit von fast 22 Prozent verantwortlich sind, setzen sich jetzt für Stabilität und den Verbleib im Euroland ein. Die anderen Parteien sind unbelastet, sie schlagen aber die gefährlichen Experimente außerhalb des Schutzschirmes der EU vor. Die Wahlentscheidung verunsichert viele Bürger. "Ich werde mich erst entscheiden, wenn ich vor der Urne stehe", kündigte der Athener Lebensmittel-Verkäufer Nikos Zisis an. (kurier/jom) Erstellt am 04.05.2012, 14:02 Stichworte: › Griechenland Diskussion Kommentare aktualisieren Weitere Artikel zum Thema Umfrage in Italien Berlusconi bei Neuwahlen stärkste Kraft 27 Prozent der Italiener würden für die Partei des Medienzaren stimmen. Griechenland Tumulte bei Aktion von Nationalisten-Partei In Athen sollten Lebensmittel "nur an Griechen" verteilt werden. 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