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KURIER
Nicht einmal zehn Jahre alt sollen die Kinder sein, die die Armee für ihre Zwecke missbraucht. - Foto: dapd

Letztes Update am 14.06.2012, 10:51

Syrien: Kinder als lebende Schutzschilde. Assads Armee setzt laut UNO-Berichterstattern Kinder als "lebende Schutzschilde" ein - man habe "selten solche Brutalität gesehen".

Kinder sind nicht nur oft Opfer des blutigen Bürgerkriegs in Syrien, sie werden von Soldaten des Regimes auch bewusst als menschliche Schutzschilde eingesetzt: Sie würden verstümmelt und getötet, gefoltert und sexuell missbraucht - das geht aus einem in der Nacht zum Dienstag in New York veröffentlichten UNO-Bericht hervor. Täter seien Soldaten des Regimes von Machthaber Bashar al-Assad, Angehörige von Geheimdiensten und der regimetreuen Shabiha-Miliz.

Die Kinder würden gewaltsam aus Schulen und Wohnungen geholt und von Regierungstruppen als Schutzschilde eingesetzt, heißt es in dem Bericht. Militärs postierten sie etwa direkt an Fenstern von Bussen, die mit Soldaten zu Einsätzen in Dörfern und Städten unterwegs seien. Schulen würden regelmäßig angegriffen, als Militärbasen und Gefängnisse genutzt. Als Gefangene würden Mädchen und Buben geschlagen, ausgepeitscht und Elektroschocks ausgesetzt.

Kinder als Ziel

REUTERSChildren pose for a photo in Homs June 5, 2012. Picture taken June 5, 2012. REUTER/Waleed Fares/Handout (SYRIA - Tags: CIVIL UNREST POLITICS) FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED
Kinder in der Rebellenhaupstadt Homs. - Foto: REUTERS

Ihr Team sei mit "schrecklichen" Schilderungen über gefolterte und massakrierte Kinder aus Syrien zurückgekehrt, sagte die UN-Sondergesandte für Kinder in bewaffneten Konflikten, Radhika Coomaraswamy, dem Sender BBC. Danach erzählten Kinder, sie hätten sich auf Panzer setzen müssen, damit diese nicht von Aufständischen angegriffen würden.

Sie habe es noch nie zuvor erlebt, dass Kinder nicht nur nicht verschont würden, sondern in einem Konflikt sogar als Ziel dienten. "Wir haben Kinder gesehen, die gefoltert wurden und die noch die Spuren der Folter tragen", sagte Coomaraswamy. "Wir sind wirklich geschockt. (...) Diese Folterungen von Kindern in Gefangenschaft, Kinder von gerade einmal zehn Jahren, das ist sehr außergewöhnlich, das haben wir woanders wirklich noch nicht gesehen."

Auch Vorwürfe gegen Opposition

Zugleich erhob sie Vorwürfe gegen die oppositionelle Freie Syrische Armee, die ebenfalls Kinder in Gefahr bringe. "Zum ersten Mal hörten wir auch, dass Kinder von der Freien Syrischen Armee rekrutiert werden, vor allem für medizinische und Hilfsarbeiten, aber immer noch an der Front", sagte Coomaraswamy. "Die Welt führt auch exakt Buch über Gewalt, die in Syrien gegen Zivilisten verübt wird, und ich bin zuversichtlich, dass diese Verbrechen nicht unbestraft bleiben", betonte die UN-Gesandte.

Die Vereinten Nationen haben Syrien deshalb erstmals auf eine Liste mit Staaten gesetzt, in denen Kinder in bewaffneten Konflikten getötet, sexuell angegriffen und rekrutiert werden. "In fast allen aufgezeichneten Fällen waren Kinder unter den Opfern von Militäroperationen der Regierungstruppen - einschließlich der Streitkräfte, der Geheimdienste und der Shabiha-Miliz - im Konflikt mit der Opposition", schreiben die Autoren des UNO-Berichts über 2011, der von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon vorgelegt wurde.

Russland lädt zu Syrien-Konferenz

Russland hat angesichts der jüngtsne Entwicklungen nun zu einer internationalen Konferenz in Moskau eingeladen. Auch der Iran als enger Verbündeter von Präsident Bashar al-Assad müsse teilnehmen, forderte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag. Das Treffen, für das zunächst kein Datum genannt wurde, solle auf Grundlage "konkreter klarer Prinzipien" stattfinden, sagte Lawrow nach Angaben der Agentur Interfax. Jetzt müssten auch die USA zu einer Lösung des blutigen Konflikts beitragen. Russland ist ein enger Partner Syriens.

dapdIn this citizen journalism image provide by the Local Coordination Committees in Syria, a Syrian girl holds her doll as a killed child with a slogan against Syrian President Bashar Assad during a demonstration against the Syrian regime, in the suburb
Stummer Protest: Ein syrisches Mädchen bei einer Demonstration. - Foto: dapd

Die Gewalt findet unterdessen kein Ende: Bei Angriffen der Regierungstruppen sind am Dienstag nach Angaben der Opposition im Osten des Landes wiederum mindestens 30 Menschen getötet worden, darunter auch Kinder. Gebiete in der Provinz Deir al-Zor seien im Morgengrauen mit Granaten beschossen worden, teilten Aktivisten mit. Sie stellten dazu Aufnahmen weinender Frauen neben den Leichen von Kindern ins Internet. In der Nacht habe es in mehreren Landesteilen neue Proteste gegen Massaker an Zivilisten gegeben.

Seit Beginn des Aufstandes gegen den syrischen Staatschef Bashar al-Assad Mitte März sind nach Angaben von Menschenrechtsgruppen bisher mehr als 14.100 Menschen getötet worden, darunter fast 1.200 Kinder. Allein bei einem Massaker am 25. Mai waren in der zentralsyrischen Stadt Houla laut UNO bei Massenhinrichtungen von mehr als hundert Menschen 49 Kinder gestorben. Auch bei einem Massaker in dem Dorf Qubeir in der Provinz Hama am vergangenen Mittwoch sollen viele Kinder unter den mindestens 55 Toten gewesen sein.

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(apa/afp/dpa/interfax/ep) Erstellt am 12.06.2012, 09:34

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